Die Fondsbranche zeigt sich derzeit orientierungslos. "Die gesamte Branche ist von Vorsicht und Skepsis geprägt. Eine gewisse Orientierungslosigkeit hat sich breit gemacht" sagte Franz Xaver Jahrstorfer von Credit Suisse am Dienstag auf dem
Fonds Kongress 2009. Der durch die globale
Finanzkrise ausgelöste Schock sitzt bei der Fondsbranche noch immer tief. Die Kunden sind verunsichert und bei der Neuveranlagung ihrer Gelder zurückhaltend - und eine Besserung der Lage wird für dieses Jahr praktisch bereits ausgeschlossen. "Die internationalen Aktienmärkte haben heuer schon 20 Prozent verloren, ich wäre nicht überrascht, wenn bis zum Jahresende noch einmal 20 Prozent dazukommen würden", meint der Vertriebsleiter der Schweizer Julius Bär Fondsgesellschaft, Beat Egger. "2009 kann man abschreiben", ist auch Walter Larionows vom
Discount-Broker direktanlage.at. überzeugt.
Es sei zu früh, um in
Aktien zu investieren, meint Egger. Jene, die bereits investiert haben, sollen durchhalten. Lediglich eine sehr kleine Zahl besonders mutiger Investoren würde derzeit in Aktien investieren. Auch
Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx ist überzeugt, dass sich einiges ändern wird. "So wie es jetzt geht, wird es nicht weiter gehen", prognostiziert er in seinem Vortrag. Es werden neue Regeln entstehen, die von der
USA dominierte Globalisierung sei zu Ende, die Welt werde wieder flach und "multipolar" werden. Alle Nationen werden ihren Anteil an der Weltwirtschaft einfordern. Die Auslagerung von Produktionen gehe zu Ende, es werde wieder zu einer stärkeren Regionalisierung kommen. Der kommende Aufschwung werde von neuen Energien, intelligenten Netzwerken, Biotechnologie, Kooperationen, Human-Ressources, Bildung und Gesundheitsmanagement getragen werden.
Hilfe für überforderte Finanzberater
Um wieder ins Geschäft zu kommen, geht die Tendenz bei den Fondsgesellschaften wieder in Richtung einfache und transparente Produkte, gezielte Marketingmassnahmen und Hilfestellungen für die überforderten Finanzberater. Im Vordergrund werden zukünftig "Werte" anstatt von "Renditen" stehen. Auch der Inhalt der Fonds wird sich ändern: in den Mittelpunkt rücken Biotech, Infrastruktur,
Rohstoffe und
Energie, sowie Emerging Markets und Unternehmensanleihen. Auf Werbung, Marketing und Vertrieb will die Branche ebenfalls wieder mehr Wert legen. Der Druck, der derzeit auf der Fondsindustrie laste, werde zu einer
Konsolidierung und Konzentration in der Branche führen. Das Problem sei die kritische Grösse, so Egger. Schon jetzt stünden etliche Asset Manager zum Verkauf. Die Krise unterstütze die gesunden und grossen Gesellschaften, diese könnten gerade jetzt günstig wachsen.
Um die derzeitigen Kostenstrukturen aufrecht halten zu können, müsste mehr Geld reinkommen oder die Kosten müssten gesenkt werden. Das passiere in der Form, dass Produkte verschwinden, Personal abgebaut und der Markt gezielt bearbeitet wird, indem man sich etwa nur mehr auf Kernmärkte konzentriert. Wenn der Druck weiter steigt, dürften auch die Vertriebsprovisionen darunter leiden, erwartet Egger.