DJ UPDATE:
Trichet sieht für die Eurozone keine Deflationsgefahr
(NEU: weitere Trichet-Aussagen, Hintergrund)
BRÜSSEL
(Dow Jones)--Der Inflationsdruck in der Eurozone nimmt gegenwärtig zwar deutlich ab, dennoch gibt es nach Einschätzung von
EZB-Präsident
Jean-Claude Trichet nicht die Gefahr einer
Deflation. "Wir sind zurzeit Zeuge eines disinflationären Prozesses, vor allem aufgrund des kräftigen Rückgangs der Öl- und sonstigen Rohstoffpreise", erklärte Trichet am Mittwoch bei seiner vierteljährlichen Anhörung vor dem
EU-Wirtschafts- und Währungsausschuss in Brüssel.
"Das Risiko einer Deflation liegt nicht vor", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter einer Deflation verstehen Ökonomen einen breit basierten und länger anhaltenden Preisrückgang, der auch zum Aufschub von Ausgaben führt und damit abwärts gerichtete Tendenzen in einer
Volkswirtschaft verstärkt.
Trichet verwies darauf, dass die Inflationsrisiken in der Eurozone zuletzt weiter nachgelassen hätten und mittelfristig "ausgeglichen" seien. "Seit Dezember ist der Preisdruck weiter gesunken, mittelfristig steht die Inflationsentwicklung im Einklang mit dem Ziel der Preisstabilität", erklärte der EZB-Präsident. Im Dezember hatte die Jahresteuerung auf Verbraucherebene 1,6% betragen und lag damit gerade noch im Rahmen der Preisstabilitätsdefinition der EZB von "unter, aber nahe 2%" Teuerung.
Mit Blick auf die seit September verzeichnete Verschärfung der internationalen
Finanzkrise sprach Trichet von Abwärtsrisiken für das
Wirtschaftswachstum. Dabei sei der weitere Ausblick von einer "außergewöhnlichen Unsicherheit" geprägt. Der EZB-Präsident verwies aber darauf, dass mittelfristig die expansive Geld- und Fiskalpolitik der
Wirtschaft auf die Beine helfen sollten. 2010 sollte es zu einer konjunkturellen Erholung kommen, sagte Trichet.
In der vergangenen Woche hatte die EZB ihren
Leitzins um weitere 50 Basispunkte auf 2,00% gesenkt. Damit summieren sich die Zinssenkungen der EZB seit Oktober vergangenen Jahres auf inzwischen 225 Basispunkte. Trichet deutete nach dem jüngsten Zinsschritt an, dass die EZB im Februar keine weitere Lockerung der Geldpolitik vornehmen wolle.
Anders als etwa die US-Notenbank oder die Bank of England plant die EZB gegenwärtig keine Ankäufe von Wertpapieren im Zuge einer "quantitativen geldpolitischen Lockerung". Trichet sagte dazu vor den Ausschussmitgliedern, dass solche Wertpapierankäufe - mit denen die langfristigen Zinssätze gedrückt werden sollen und die
Geldmenge erhöht - gegenwärtig "nicht angemessen" seien. Gleichzeitig stellte der EZB-Präsident fest, dass es derzeit Anzeichen für eine Entspannung an den europäischen Geldmärkten gebe.
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January 21, 2009 06:27 ET (11:27 GMT)
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