Infolge von Verlusten aus Investments bei der Gesellschaft von
Bernard Madoff haben 16 Luxemburger Anbieter
Fonds eingefroren. Das erklärte die Luxemburgische Investmentfondsvereinigung (ALFI) am Dienstag.
Zu den betroffenen Portfolios gehören demnach Herald (Lux) US Absolute Return Fund, der LuxAlpha Sicav - American Selection von Access International Advisors LLC und Luxembourg Investment Fund - U
.S. Equity Plus. Eine komplette Liste der Fonds veröffentlichte die Fondsvereinigung nicht, teilte jedoch mit, es handle sich um Investments von insgesamt 1,9 Mrd.
Euro.
Angesichts der Zahl der beteiligten Fonds sowie eines heraufziehenden Streits zur Haftungsfrage befürchtet die Branche nun die Abwanderung von Kunden: "Wegen des Skandals besteht die Gefahr eines Image-Problems, das uns automatisch schadlen würde", sagte Jean-Jacques Rommes, der Direktor der Luxemburger Bankenvereinigung.
Das Grossherzogtum hat zwar nur 500.000 Bürger, ist jedoch der zweitgrösste Markt für
Investmentfonds nach den
USA. Derzeit sind in
Luxemburg fast 3400 Fonds registriert, die zusammen ein Vermögen von über 1,6 Billionen Euro verwalten. Dies entspricht 30 Prozent der in Europa insgesamt in Fonds angelegten Summe. Ende der 1980er Jahre lag das in Luxemburg angelegte Volumen noch bei rund 50 Mrd. Euro, zeigen Zahlen des Fondsverbandes.
Bei den eingefrorenen Fonds handelt es sich überwiegend um so genannte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW). Dieser Typ von Gesellschaft erlebte in Luxemburg einen Boom, nachdem der Finanzplatz als erstes Land ein 1985 von der Europäischen Union verabschiedetes harmonisiertes Regelwerk umsetzte. "Bei unserem gigantischen Anteil am OGAW-Markt ist es im Grunde unmöglich, dass wir von einem Betrug dieses Ausmasses nicht betroffen sind", sagte Rommes.
In den Wochen seit der Verhaftung von Madoff in New York wurde Luxemburg von immer neuen schlechten Nachrichten erschüttert, als Fonds Verluste offenlegten und
Frankreich die Vorschriften des Nachbarlandes zur Haftung der Fondsverwalter für die Einbussen der Investoren kritisierte.
Insbesondere ein möglicher Ausgleich für Geschädigte ist ein heisses Thema. Wenn Luxemburg hier nicht bald eine Lösung finde, werde das Vertrauen in die Fondsbranche einen riesigen
Schaden nehmen, sagte Bernd Greisinger, Vermögensverwalter beim BG Umbrella Fund von LRI Invest SA, der auf indirektem Weg Geld bei Madoff angelegt hatte.
Dazu kommen mögliche juristische Auseinandersetzungen. So wurde die Luxemburger Dependance der Schweizer UBS
AG am 15. Januar angewiesen, 30 Mill. Euro an den französischen Fondsmanager Oddo & Cie. zurückzuzahlen, die sie nach dem Verkauf von LuxAlpha-Anteilen zurückbehalten hatte. UBS ist der Treuhänder des Fonds.
"Wir erleben nur die Ruhe vor dem grossen Sturm", sagte Paul Mousel, Anwalt der Luxemburg-Töchter von UBS und HBSC Holdings Plc. Letztere fungierte als
Depotbank eines anderen mit Madoff in Verbindung stehenden Fonds, den 226 Mill. Dollar (175 Mill. Euro) grossen Herald LUX-US Absolute Return Fund.
Mousel ist Spezialist für Finanzdienstleister bei der Kanzlei Arendt & Medernach. Nach seiner Ansicht haben UBS und HSBC bei den luxemburgischen Fonds nur eine begrenzte treuhänderische Rolle, da die Portfolios von Investoren eigens dazu eingerichtet wurden, Geld bei Madoff unterzubringen.
Nach Luxemburger
Recht muss ein Treuhänder jedoch "jederzeit wissen, wie Mittel investiert sind und wo und wie die Mittel zugänglich sind." Bernd Greisinger von LRI Invest sagte, wenn kein Ausgleich gefunden wird, könnte die Zahl der Prozesse gegen Depotbanken in die Tausende gehen. "Das wäre der totale Irrsinn", so Greisinger.
Der luxemburgische Finanzminister
Jean-Claude Juncker wollte bei einem Treffen am Dienstag in Brüssel mit den Vertretern anderer
EU-Länder über die Anwendung der OGAW-Regeln sprechen. Greisinger zufolge hat Luxemburg nun die Chance, die Dinge in die Hand zu nehmen und sich als führendes Zentrum der Fondsbranche zu profilieren.
Orientierungsbedarf besteht allemal: "Wohin sollen die Leute ihr Geld sonst tun?", so der Vermögensverwalter. "Sie haben schon Angst, dass
Banken zusammenbrechen. Jetzt sind auch Investmentfonds nicht mehr sicher. Sollen sie das Geld unter das Kopfkissen legen?"
( in Kooperation mit Bloomberg )