Das Duell um die Krone des grössten Autokonzerns der Welt geht in die entscheidende Runde. Angesichts der schweren Absatzkrise könnte Toyota Motor Co. aus Japan im abgelaufenen Jahr die 77-jährige Regentschaft von
General Motors beendet haben. Bereits 2007 hielt GM mit gerade 3100 mehr verkauften Autos nur hauchdünn seinen Status als Weltmarktführer vor Toyota. Die riesigen wirtschaftlichen Probleme treffen allerdings beide Konzerne hart.
Bei GM wird mit einem Absatzminus von rund zehn Prozent auf 8,34 Mill. Stück gerechnet, wenn die offiziellen Zahlen heute, Mittwoch, um 15.00 Uhr MEZ vorgelegt werden. Toyota büsste nur rund vier Prozent ein auf 8,92 Mill. Einheiten und läge damit in der Produktion insgesamt vorne.
Das würde einen langjährigen Aufholprozess krönen, der vor allem auf das Konto verbrauchsärmerer und klimafreundlicher Fahrzeuge geht, mit denen Toyota seit 1999 die Produktion um insgesamt 70 Prozent steigern konnte. Gerade in den
USA erwiesen sich die ersten ausgereiften Hybrid-Fahrzeuge von Toyota in den letzten Jahren als besonders gefragt. GM und die US- Autoindustrie insgesamt zeigte sich bedeutend weniger innovativ.
Allerdings könnte der Status als grösster Hersteller weltweit angesichts der massiven Probleme in der internationalen Autoindustrie nicht viel mehr bedeuten als schiere Statistik, befürchten Experten. Toyota hatte zuletzt den ersten operativen Verlust seit 71 Jahren in Aussicht gestellt. GM hat die Krone des weltgrössten Autoherstellers ebenfalls nicht aus der Krise geholfen. Der Konzern ist mittlerweile auf die staatliche Milliardenhilfe angewiesen und wäre ansonsten bereits pleite.
"Es handelt sich doch tatsächlich nur um einen symbolischen Titel", sagt Analystin Rebecca Lindland von IHS Global Insight in Lexington. Im Endeffekt könne die führende Position auf dem Weltmarkt auch für starken Druck auf Toyota sorgen, gibt sie zu bedenken. Andere Konzerne könnten nun mit verstärkten Anstrengungen versuchen, Toyota die neu erlangte Position streitig zu machen.
GM gehört in jedem Fall nicht zu den Kandidaten. Der Konzern aus Detroit hat sich ein Schrumpfungsprogramm verordnet. Es ist eine Voraussetzung für ein umfangreiches Hilfspaket aus Steuergeldern in Höhe von 13,4 Mrd. Dollar. Es sieht vor, die Arbeitskosten ebenso zu senken wie die Schulden, die Zahl der Händler und der Konzernmarken. "General Motors muss weiter schrumpfen, und zwar unter allen Umständen", sagt der Experte für Automobilwirtschaft Alan Baum von Planning Edge in Birmingham im US-Bundesstaat Michigan.
GM-Konzernchef Fritz Henderson gab kürzlich auf einer Rede auf dem Automotive News World Congress in Detroit als Ziel aus, in einer sich verschärfenden globalen Wirtschaftskrise die Gewinnschwelle zu senken. So sei die Zielmarke für die Produktion bereits von bis zu 12 Mio. Fahrzeugen auf 10,5 Mio. reduziert worden. Ein Vorsprung im Absatz gegenüber Toyota sei nicht so bedeutsam wie die Rückkehr zu Profitabilität und Markterfolg, sagte der GM-Präsident.
Toyota reagierte auf den ersten Rückgang des Gesamtabsatzes mit einem
Wechsel an der Führungsspitze. Der bisherige Vizepräsident Akio Toyoda, ein Enkel des Unternehmensgründers, wird im Juni Katsuaki Watanabe nachfolgen, der seinerseits Vizechef werde, hiess es. "Es handelt sich um eine Jahrhundertkrise", sagte der 52-jährige Toyoda am Dienstag vor Journalisten in Tokio. Er werde Toyota zu ändern versuchen und sich dabei nicht von alten Rezepten leiten lassen.
Der Vorstandswechsel bei Toyota sei ein Beweis für die Krisenstimmung im Konzern, urteilt Tatsuya Mizuno, der Leiter der japanischen Niederlassung von Fitch
Ratings in Tokio. "Das
Unternehmen entscheidet jetzt, wie und in welcher Richtung auf die strukturellen Veränderungen im Weltmarkt reagiert werden soll", sagte er im Gespräch mit Bloomberg News.
( in Kooperation mit Bloomberg )