Börse Express: Herr
Niedermeyer, vor wenigen Wochen hat das "Format" einen
Immofinanz-Artikel gebracht, in dem Sie als Poster "Vierspringer" aus dem Meinungsboard von www.boerse-express.com vorgestellt wurden. Wie kam es, dass Sie zum Poster wurden?
Christian Niedermeyer: Das ist das erste und einzige Forum, in dem ich je gepostet habe. Begonnen habe ich damit im April oder Mai 2008, also noch lange bevor die Probleme bei der Immofinanz-Gruppe publik geworden sind. Ich war allerdings zu diesem Zeitpunkt schon sehr kritisch eingestellt, da ich mir Gedanken über mögliche Interessenkonflikte zwischen Constantia
Privatbank und Immofinanz-Gruppe zum Nachteil der Immofinanz
-Anleger gemacht habe. Das betrifft zum Beispiel die Managementgebühr in Höhe von rund 100 Mio.
Euro im Jahr, die die Immofinanz-Gruppe an die CPB, an der
Karl Petrikovics in der Vergangenheit auch über eine
Stiftung beteiligt war, überweisen musste.
BE: Und Sie stiessen auf Gleichgesinnte?
Niedermeyer: Es waren sehr kritische und auch sehr informierte Leute im Board. Insofern fand ein sehr interessanter Meinungsaustausch statt. Aktuell sind primär Daytrader im Board, das spricht mich so nicht an.
BE: Ihre
Privatstiftung hat vor kurzem
Immoeast, Constantia Privatbank und Karl Petrikovics auf 4 Mio. Euro Schadenersatz geklagt. Wie ist der aktuelle Stand?
Niedermeyer: Ich ersuche um Verständnis, aber das kann ich aktuell nicht kommentieren.
BE: Die Gegenseite argumentiert u.a. damit, Sie bzw. Ihre Stiftung hätten in der Vergangenheit auch immer wieder Positionen mit
Gewinn verkaufen können.
Niedermeyer: Natürlich hat es ein Vorleben vor den Kapitalerhöhungen gegeben, und ich konnte
Aktien von Immofinanz und Immoeast mit Gewinn verkaufen. Das wäre ja auch traurig, wenn ich in der Vergangenheit immer nur mit Verlust abgegeben hätte. Ich bin aber alles andere als ein Zocker. Das hat aber generell gar nichts mit der Klage und der letzten
Kapitalerhöhung der Immoeast zu tun. Faktum ist, dass im
Emissionsprospekt über die Verwendung der Erlöse ganz anders berichtet worden ist, als sich im Nachhinein herausgestellt hat. Herr Gertner
(Norbert Gertner, vormals
Vorstand in Constantia Privatbank, Immofinanz und Immoeast, Anm.) hat mir damals auf eine diesbezügliche Frage am Telefon geantwortet: "Die Projekt-Pipeline ist voll". Da war nicht von Darlehensgewährung oder sonstigen hochriskanten Veranlagungen die Rede.
BE: Sie unterstützen den vor kurzem gegründeten "Verein für Finanzmarktausgleich", der "eine bestmögliche und effiziente Überwachung des Wertpapiermarktes garantieren sollen". Wie sieht Ihr Engagement im Detail aus?
Niedermeyer: In welcher Form ich diesen Verein unterstütze, möchte ich im Detail nicht sagen. Ich tue es, weil ich gegenüber der
Finanzmarktaufsicht sehr kritisch eingestellt bin.
Börse Express: Was stört Sie besonders?
Christian Niedermeyer: Laut Bankwesengesetz darf ein Vorstand einer Bank nicht hauptberuflich in anderen
Unternehmen tätig sein. Die Constantia Privatbank hat versucht, das mittels der Managementverträge zu umgehen. Karl Petrikovics war Mr. Immofinanz. Das hat jeder gewusst und jeder gesehen, also auch die
FMA. Petrikovics, der ja früher an der Bank auch noch selbst beteiligt war, ist ein herrliches Beispiel dafür, dass so etwas nicht zugelassen werden darf. Aber das ist alles vor den Augen der FMA passiert. Insgesamt sehe ich also grosse Versäumnisse und empfinde es als falsch, dass die FMA - auch für die Vergangenheit - straffrei gestellt werden soll. Das würde bedeuten, dass Anleger in Zukunft keine Amtshaftungsansprüche mehr geltend machen können.
BE: Was halten Sie vom neuen Mangement in den beiden Immofirmen?
Niedermeyer: Herrn Kleibl kenne ich nicht persönlich, er geniesst aber einen guten Ruf, und aus der Entfernung betrachtet macht er seine Sache, so glaube ich, sehr gut. Herrn Zehetner habe ich - damals war er noch Finanzvorstand bei one und ich hatte meine Kette noch nicht verkauft - als sehr hart verhandelnden Geschäftspartner kennen gelernt. Ich glaube nicht, dass er diese Fähigkeit seither eingebüsst hat. Ich halte es für extrem wichtig, dass die beiden Manager ihre Unabhängigkeit bewahren. Was die aktuelle Restrukturierung anbelangt, gibt es sicher Gruppen mit verschiedenen Interessen.
BE: Sollte der Staat bei der Immofinanz-Gruppe, etwa mit Garantien, helfend eingreifen?
Niedermeyer: Wenn es notwendig sein sollte, ja. Das würde ich auch sagen, wenn ich keine Aktien hätte. Denn es ist die grösste Immobiliengruppe des Landes. Hier spielt auch das internationale Image eine Rolle.
BE: Wo liegt derzeit Ihr Investmentfokus?
Niedermeyer: In der Stiftung sind wir - mit Ausnahme der Immoeast-Aktien - bereits im Jahr 2007 aus fast allen Aktienpositionen ausgestiegen. Wir sind aktuell auch noch sehr vorsichtig und halten es für zu riskant, jetzt schon einzusteigen.
Interview:
Bettina Schragl
Aus dem Börse Express vom 16. Jänner 2009