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16.01.2009 17:46
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'Das ist alles vor den Augen der Finanzmarktaufsicht passiert'

Investor Christian Niedermeyer sieht Versäumnisse der Aufsicht in der Causa Immofinanz. Was das neue Management von Immoeast und Immofinanz anbelangt, so hofft er, dass sich dieses die Unabhängigkeit bewahrt.

Immoeast
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Börse Express: Herr Niedermeyer, vor wenigen Wochen hat das "Format" einen Immofinanz-Artikel gebracht, in dem Sie als Poster "Vierspringer" aus dem Meinungsboard von www.boerse-express.com vorgestellt wurden. Wie kam es, dass Sie zum Poster wurden?

Christian Niedermeyer: Das ist das erste und einzige Forum, in dem ich je gepostet habe. Begonnen habe ich damit im April oder Mai 2008, also noch lange bevor die Probleme bei der Immofinanz-Gruppe publik geworden sind. Ich war allerdings zu diesem Zeitpunkt schon sehr kritisch eingestellt, da ich mir Gedanken über mögliche Interessenkonflikte zwischen Constantia Privatbank und Immofinanz-Gruppe zum Nachteil der Immofinanz-Anleger gemacht habe. Das betrifft zum Beispiel die Managementgebühr in Höhe von rund 100 Mio. Euro im Jahr, die die Immofinanz-Gruppe an die CPB, an der Karl Petrikovics in der Vergangenheit auch über eine Stiftung beteiligt war, überweisen musste.

BE: Und Sie stiessen auf Gleichgesinnte?

Niedermeyer: Es waren sehr kritische und auch sehr informierte Leute im Board. Insofern fand ein sehr interessanter Meinungsaustausch statt. Aktuell sind primär Daytrader im Board, das spricht mich so nicht an.

BE: Ihre Privatstiftung hat vor kurzem Immoeast, Constantia Privatbank und Karl Petrikovics auf 4 Mio. Euro Schadenersatz geklagt. Wie ist der aktuelle Stand?

Niedermeyer: Ich ersuche um Verständnis, aber das kann ich aktuell nicht kommentieren.

BE: Die Gegenseite argumentiert u.a. damit, Sie bzw. Ihre Stiftung hätten in der Vergangenheit auch immer wieder Positionen mit Gewinn verkaufen können.

Niedermeyer: Natürlich hat es ein Vorleben vor den Kapitalerhöhungen gegeben, und ich konnte Aktien von Immofinanz und Immoeast mit Gewinn verkaufen. Das wäre ja auch traurig, wenn ich in der Vergangenheit immer nur mit Verlust abgegeben hätte. Ich bin aber alles andere als ein Zocker. Das hat aber generell gar nichts mit der Klage und der letzten Kapitalerhöhung der Immoeast zu tun. Faktum ist, dass im Emissionsprospekt über die Verwendung der Erlöse ganz anders berichtet worden ist, als sich im Nachhinein herausgestellt hat. Herr Gertner (Norbert Gertner, vormals Vorstand in Constantia Privatbank, Immofinanz und Immoeast, Anm.) hat mir damals auf eine diesbezügliche Frage am Telefon geantwortet: "Die Projekt-Pipeline ist voll". Da war nicht von Darlehensgewährung oder sonstigen hochriskanten Veranlagungen die Rede.

BE: Sie unterstützen den vor kurzem gegründeten "Verein für Finanzmarktausgleich", der "eine bestmögliche und effiziente Überwachung des Wertpapiermarktes garantieren sollen". Wie sieht Ihr Engagement im Detail aus?

Niedermeyer: In welcher Form ich diesen Verein unterstütze, möchte ich im Detail nicht sagen. Ich tue es, weil ich gegenüber der Finanzmarktaufsicht sehr kritisch eingestellt bin.

Börse Express: Was stört Sie besonders?

Christian Niedermeyer: Laut Bankwesengesetz darf ein Vorstand einer Bank nicht hauptberuflich in anderen Unternehmen tätig sein. Die Constantia Privatbank hat versucht, das mittels der Managementverträge zu umgehen. Karl Petrikovics war Mr. Immofinanz. Das hat jeder gewusst und jeder gesehen, also auch die FMA. Petrikovics, der ja früher an der Bank auch noch selbst beteiligt war, ist ein herrliches Beispiel dafür, dass so etwas nicht zugelassen werden darf. Aber das ist alles vor den Augen der FMA passiert. Insgesamt sehe ich also grosse Versäumnisse und empfinde es als falsch, dass die FMA - auch für die Vergangenheit - straffrei gestellt werden soll. Das würde bedeuten, dass Anleger in Zukunft keine Amtshaftungsansprüche mehr geltend machen können.

BE: Was halten Sie vom neuen Mangement in den beiden Immofirmen?

Niedermeyer: Herrn Kleibl kenne ich nicht persönlich, er geniesst aber einen guten Ruf, und aus der Entfernung betrachtet macht er seine Sache, so glaube ich, sehr gut. Herrn Zehetner habe ich - damals war er noch Finanzvorstand bei one und ich hatte meine Kette noch nicht verkauft - als sehr hart verhandelnden Geschäftspartner kennen gelernt. Ich glaube nicht, dass er diese Fähigkeit seither eingebüsst hat. Ich halte es für extrem wichtig, dass die beiden Manager ihre Unabhängigkeit bewahren. Was die aktuelle Restrukturierung anbelangt, gibt es sicher Gruppen mit verschiedenen Interessen.

BE: Sollte der Staat bei der Immofinanz-Gruppe, etwa mit Garantien, helfend eingreifen?

Niedermeyer: Wenn es notwendig sein sollte, ja. Das würde ich auch sagen, wenn ich keine Aktien hätte. Denn es ist die grösste Immobiliengruppe des Landes. Hier spielt auch das internationale Image eine Rolle.

BE: Wo liegt derzeit Ihr Investmentfokus?

Niedermeyer: In der Stiftung sind wir - mit Ausnahme der Immoeast-Aktien - bereits im Jahr 2007 aus fast allen Aktienpositionen ausgestiegen. Wir sind aktuell auch noch sehr vorsichtig und halten es für zu riskant, jetzt schon einzusteigen.

Interview: Bettina Schragl

Aus dem Börse Express vom 16. Jänner 2009

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maaa.masdda
'Das ist alles vor den Augen der Finanzmarktaufsicht passiert'2009-01-16 19:40:08
114 Postings

seit 2007-01-23

ein sehr gutes interview. hatte bis heute nicht geglaubt, daß die vierspringer-geschichte stimmt

, Nr. 1 
antworten
vierspringer
753 Postings
seit 2008-04-22


@maaa.masdda,vielen Dank,aber für alle im Forum sicher keine neuen Erkenntnisse dabei.
Und gegen die Daytrader hab ich gar nichts,ich kann nur nichts "gscheites"dazu beitragen.

, Nr. 2 
antworten
gbroker
2155 Postings
seit 2008-09-18


Ich finde das auch sehr gut von Dir, vierspringer. Auch ohne Neuigkeiten. Das wird ja hoffentlich auch wer von der FMA lesen ;-)

, Nr. 3 
antworten
Zahnfee
2102 Postings
seit 2007-10-18



hallo vierpsringer

was mich wundert:

Warum hat sich noch keiner von der FMA dazu mal geäußert?

Der Herr Kurt Pribil oder wie er heißt wirkt im TV immer so smart,
aber wirklich was gscheites für die Kleinanleger hat er meiner
Ansicht nach noch nie beigetragten.

Ein Armutszeugnis für einen scheinbar so fortschrittlichen Staat wie Österreich.
Ich schäme mich manchmal echt für diese "bessere" Bananenrepublik.

, Nr. 4 
antworten
Zahnfee
2102 Postings
seit 2007-10-18



Österreich - das bessere Uganda.

, Nr. 5 
antworten
vierspringer
753 Postings
seit 2008-04-22


Zahnfee,gbroker,der Verein für Finanzmarktausgleich reicht in den nächsten Tagen eine Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof--betr Straffreistellung der FMA--ein.Ich halte Euch am Laufenden

, Nr. 6 
antworten
vierspringer
753 Postings
seit 2008-04-22


Finanzmarktausgleich bitte nicht zu verwechseln mit Finanzmarktaufsicht

, Nr. 7 
antworten
vierspringer
753 Postings
seit 2008-04-22


Die Straffreistellung ist nämlich auch rückwirkend--kaum zu glauben,aber wahr.Daher bringt's im Moment nichts,die FMA wegen diversen Fehlverhalten oder Versäumnissen zu klagen.Der einzige Weg dagegen vorzugehen ist die Beschwerde beim VGH

, Nr. 8 
antworten
Doogie75
366 Postings
seit 2008-11-14


das finde ich überhaupt eine bodenlose frechheit ... aber der gesetzgeber wird sich wohl schon was gedacht haben :-P

, Nr. 9 
antworten
btech
735 Postings
seit 2007-11-12


Ja, der Gesetzgeber hat sich gedacht, dass hohe Amtshaftungsforderungen sich für die Verantwortlichen nicht gut machen und dass er den Schaden für die öffentliche Hand und die Schmach für die Beamten wohl am geringsten halten kann wenn er die Amtshaftung rückwirkend ausschließt! Dass das Vertrauen in den Österreichischen Finanzmarkt dabei schwer geschädigt wird und dass rechtsstaatliche Prinzipien (hinsichtlich "rückwirkend"!)massiv verletzt werden, wurde dabei in Kauf genommen! Bei einer fehlenden Amtshaftung wird die FMA zu einem "Kasperlverein" und hinsichtlich "rückwirkend" war es der einzige logische richtige Schritt auf die Unabhängigkeit der Justiz zu vertrauen und die Beschwerde beim VGH einzureichen! Persönlich bin ich auch überzeugt, dass die Beschwerde erfolgreich sein wird - vorausgesetzt unsere Demokratie ist nicht am Ende.

, Nr. 10 
antworten
4uproar
64 Postings
seit 2008-03-28


ich bezweifle daß eine echte Aufsicht gewollt ist.
Das sieht man schon am Personalaufwand.
Alle Herrschaften kommen von den gleichen Banken gehen gemeinsam auf die Jagd oder sind im gleichen Verein. Man kennt sich und tut sich gegenseitig absichern und wenn möglich bei den Geschäften nicht stören. Kein Wunder daß dann Bawag und Immofinanz möglich sind.
Außerdem wie man auch an der SEC sieht ist es sowieso nicht wirklich möglich bei den heutigen Möglichkeiten alles zu überwachen.

, Nr. 11 
antworten


* Am Erscheinungstag des Artikels werden bei Artikelabruf die von der Wiener Börse übermittelten Kurse real-time angezeigt. Alle anderen Kursinformationsquellen auf www.boerse-express.com (Archiv-Artikel, Charts, Matrix, Kurslisten) weisen die übliche Verzögerung von rund 15 Minuten auf. Alle Kursangaben ohne Gewähr.
Immoeast Alle Kursinformationen sind nach den Bestimmungen der jeweiligen Börse mindestens 15 Minuten oder mehr verzögert. ISIN AT0000642806

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