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05.11.2008 10:10
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Der Vatikan muss sparen und führt Stechuhren ein

Bloomberg zu aktuellen Markttendenzen



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Erstmals seit knapp fünfzig Jahren führt der Vatikan zum ersten Januar 2009 Stechuhren für seine Bediensteten ein. Den Faulenzern soll es an den Kragen gehen. Ein Anzeichen, dass die globale Finanzkrise sich auch im kleinsten Staat der Welt bemerkbar macht. 1960, unter Papst Johannes XXIII, war die Zeiterfassung eingestellt worden.

``Wir können uns keine Verschwendung leisten'', sagte Bischof Renato Boccardo, der Generalsekretär des Vatikanstaates in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung La Stampa. ``Wir haben viel Arbeit zu bewältigen und die finanzielle Situation erlaubt es uns nicht, mehr Leute einzustellen.'' Mit Magnetstreifenkarten wird fortan die Arbeitszeit erfasst. Auf diese Weise solle sichergestellt werden, dass die volle Arbeitszeit geleistet wird, so ein Sprecher des Vatikans.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hinterlassen ihre Spuren in den Erträgen der Kapitalanlagen des Heiligen Stuhls. Bereits 2003 und 2007 hatte der Vatikan-Haushalt ein Defizit aufgewiesen, der Kursrutsch des Dollar war der Grund. Infolge ``einer plötzlichen und akzentuierten Gegenbewegung an den Devisenmärkten, allen voran beim US-Dollar'', gab es 2007 ein Minus, hieß es in einer Mitteilung auf der Website des Vatikan vom 9. Juli. In den drei Jahren zuvor hatte der Haushalt unterm Strich einen Überschuss von 15,2 Mill. Euro erwirtschaftet.

Am Heiligen Stuhl sind nach Angaben im jährlichen Finanzbericht 2.748 Personen beschäftigt, darunter Priester und Laien. Die Neuerungen umfassen neben der Zeiterfassung auch ein Bewertungssystem, dass Leistungsträger belohen und Drückeberger sanktionieren soll. La Stampa zufolge verdienen die Mitarbeiter im Vatikan zwischen 1.300 und 2.300 Euro pro Monat und erhalten weitere Vergünstigungen, zum Beispiel Mietzuschüsse.

Nun drängt die Vatikan-Verwaltung auf mehr Effizienz. Sie hat ein Auge auf das Vermögen des Kirchenstaats. Die Ursprünge dieses Vermögens gehen noch auf die 1929 geschlossenen Lateranverträge zurück. Damals entschädigte der italienische Staat unter dem faschistischen Diktator Benito Mussolini den Vatikanstaat für den Verlust der päpstlichen Ländereien im Zuge des italienischen Einigungsprozesses von 1870.

( Bloomberg )





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