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20.10.2008 12:25
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US-Bürger entdecken das Sparen, belasten Konjunktur weiter

Bloomberg zu aktuellen Markttendenzen
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In den USA zeichnet sich für die Konjunktur neues Unheil ab: Wie von Experten befürchtet entdecken die US-Verbraucher, die bisher durch ihre Konsumfreude den Wirtschaftsmotor am Laufen hielten, angesichts von Kreditkrise, Einbruch an den Börsen und desolatem Häusermarkt das Sparen wieder.

"Ihnen dämmert langsam, dass sie in einer Fantasiewelt gelebt haben", sagt Lyle Gramley, ehemaliger Fed-Gouverneur und jetzt leitender volkswirtschaftlicher Berater bei Stanford Group Co. in Washington. "Sie müssen anfangen, Geld für den Ruhestand zurückzulegen, für die Ausbildung ihrer Kinder und anderes."

Das Nettovermögen der US-Haushalte ging Zahlen der Fed zufolge im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwei Billionen Dollar zurück - und das war noch bevor der Sturzflug der Aktienkurse in den vergangenen sechs Wochen die Portfolios von Investoren um rund 3,9 Billionen Dollar dezimierte.

Das Volumen der von US-Verbrauchern aufgenommenen Kredite fiel im August um 7,9 Milliarden Dollar - so stark wie noch nie, seit die Zahl 1943 zum ersten Mal erfasst wurde. Nach Angaben der US-Notenbank lag das Gesamtvolumen der Darlehen bei 2,58 Billionen Dollar, da Banken den Zugang zu Krediten beschränkten. Dazu kommt ein zyklischer Anstieg der Arbeitslosenquote - sie liegt bereits bei einem Fünfjahres-Hoch von 6,1 Prozent und könnte nach Ansicht von Microsoft-Gründer Bill Gates weiter auf neun Prozent steigen.

Gegenüber anderen Ländern haben die Amerikaner beim Sparen großen Aufholbedarf. Vergangenes Jahr legten US-Haushalte 0,4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Die Deutschen hingegen steckten 10,9 Prozent ihres Geldes in den Sparstrumpf, die Japaner 3,1 Prozent. Dies zeigen Zahlen der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Auf lange Sicht wäre eine höhere Sparquote für die US- Wirtschaft positiv. Sie würde die Finanzen der Haushalte auf eine stabilere Basis stellen und die USA von einer Finanzierung des Wirtschaftswachstums durch China und andere Länder unabhängiger machen.

Zunächst jedoch dürfte es bei den Unternehmen, die in der Vergangenheit immer stärker vom wachsenden Konsum abhängig wurden, zu großen Belastungen führen. Die in Washington ansässige National Retail Federation prognostiziert für die kommenden Monate das schlechteste Weihnachts-Geschäft seit sechs Jahren. Den Prognosen des Verbandes zufolge wird der Umsatz im November und Dezember gegenüber dem gleichen Zeitraum 2007 um 2,2 Prozent steigen. Die New Yorker Beratungsgesellschaft und Investmentbank Davidowitz & Associates rechnet damit, dass nächstes Jahr 10.000 bis 12.000 Geschäfte schließen müssen, nach nahezu 8000 in diesem Jahr.

Die Baubranche leidet massiv unter dem Zusammenbruch des Häusermarktes. Mindestens ein Dutzend Bauunternehmen haben um Gläubigerschutz nachgesucht, darunter WCI Communities Inc., ein Unternehmen des Milliardärs Carl Icahn.

Auch den Autoherstellern geht es schlecht, insbesondere den großen Drei aus Detroit, General Motors Corp., Ford Motor Co. und Chrysler LLC. Der Absatz von Autos und Pickups fiel diesen Monat saisonbereinigt auf elf Millionen. Dies ist der niedrigste Wert seit mindestens 25 Jahren, schrieb Rod Lache, Analyst der Deutsche Bank AG vor wenigen Tagen. Der Branchenverband der Automobilhändler, National Automobile Dealers Association, rechnet damit, dass bis zu 600 Neuwagen-Händler dieses Jahr schließen oder mit anderen fusionieren werden. Dies entspräche drei Prozent der Gesamtzahl.

"In der Branche sind ganz dringend einschneidende Maßnahmen zur Rationalisierung nötig", sagte John Casesa vom Automobil- Strategieberater Casesa Shapiro Group in New York in einem Bloomberg-Interview. "Es wird einen radikalen Wandel geben: Weit weniger Zulieferer, möglicherweise nicht mehr drei US- Unternehmen, vielleicht nur noch zwei oder eines."

In der Hotelbranche fiel der Umsatz je Zimmer in der Woche bis 11. Oktober gegenüber derselben Woche des Vorjahres 8,1 Prozent, zeigen Zahlen des Marketing-Unternehmens Smith Travel Research aus Hendersonville im US-Bundesstaat Tennessee. Auf dem Kasino-Boulevard in Las Vegas wurden Hotel- und Kasino-Projekte mit insgesamt 10.000 Zimmern verschoben, wie die Daten des örtlichen Immobilien- und Beratungsunternehmens Applied Analytics LLC belegen.

Der Wirtschaftsexperte Michael Feroli, der früher für die US-Notenbank Federal Reserve arbeitete und heute bei JPMorgan Chase & Co. in New York tätig ist, erwartet im schlimmsten Fall den größten konjunkturellen Einbruch seit dem Krieg. Selbst ohne einen scharfen Rückgang der Verbraucherausgaben dürfte die Wirtschaft sowohl in diesem als auch im kommenden Quartal zwei Prozent schrumpfen, sagte er.

( Bloomberg )
 
 

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