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10.10.2008
Besondere Situationen und die ImmofinanzVon Bettina Schragl
Die Hektik an den Märkten ist gross, die Wiener Börse setzte am Freitag den Handel bis zur Mittagszeit aus, weiters kann Short Selling nun ab sofort auch in Wien verboten werden. Der Satz "besondere Situationen bedürfen besonderer Massnahmen" ist in aller Munde, dennoch muss gerade in solchen Situation gelten, dass es auch besonderer Transparenz bedarf. Anlegern fehlt ohnehin bereits jedes Vertrauen, muss man als Unternehmen dann noch Schritte setzen, die diesen Vertrauensverlust rechtfertigen?
Anscheinend ja, wenn man sich die Immofinanz-Gruppe ansieht. Denn da bestätigte Aufsichtsrat Schmidt-Chiari am Donnerstag dem "Standard", dass heute, Freitag, "nach menschlichem Ermessen" die Fusion der beiden Immogesellschaften vom Aufsichtsrat beschlossen werden soll. In Vorgesprächen sei das bereits abgeklärt worden. Eine kursrelevantere Information als diese wäre wohl nur noch die Insolvenz. Ein Mindestausmass an Transparenz wäre, diese Information zeitgleich allen Marktteilnehmern zukommen zu lassen, oder als Aufsichtsrat und damit Insider einfach nichts zu sagen. Das Unternehmen sah sich nach diesem Lapsus des Aufsichtsrats aber anscheinend nicht bemüssigt, einen Antrag auf Handelsaussetzung zu stellen, um somit den Marktteilnehmern Chancengleichheit einzuräumen. Denn für Immofinanz wurde am Morgen in Wien - vor der allgemeinen Kursaussetzung - ein Kurs gebildet, Immoeast wurde in Warschau den Vormittag über gehandelt. Auch eine Immo-Gruppe, die derzeit ohne CEO ist - denn Neo-Chef Thomas Kleibl soll ja erst ab Montag offiziell im Amt sein -, darf sich das nicht erlauben. Aus dem Börse Express vom 10. Oktober 2008 |