Die Probleme Islands und die Verstaatlichung der grössten isländischen
Banken hinterlassen auch bei
Erste Group und RZB Spuren.
Die Erste Group hat ein 300 Mio.
Euro-Exposure gegenüber isländischen Banken, bestätigte das Insitut. Das bedeute aber nicht, dass die Bank im gleichen Schritt die Gewinnprognose erneut senken muss. "Ein Grossteil davon ist bereits in der neuen Guidance berücksichtigt, die wir am Dienstag publiziert haben", so Erste Group-Sprecher Michael Mauritz gegenüber dem
Börse Express. Aus heutiger Sicht sei keine weitere Änderung der Gewinnprognose notwendig.
Während die auf Osteuropa spezialisierte
Raiffeisen International vom Island-Thema verschont bleibt - wie es gegenüber Analysten hiess -, gilt das nicht für die Mutter RZB. Denn die RZB war zuletzt regelmässig in Geschäftsbeziehungen mit isländischen Banken. So unterzeichneten RZB, Bank of America, BayernLB und Lloyds TSB erst im Juni dieses Jahres ein Darlehen über 275 Mio. Euro für die Kaupthing Bank. Dieses Institut, das zuletzt auch in
Österreich via Online-Bank vertreten war, wurde am Donnerstag unter staatliche Aufsicht gestellt.
Weiters trat die RZB regelmässig als Bookrunner und/oder Lead Arranger bei syndizierten Krediten für isländische Banken und Finanzinstitute auf, etwa im Vorjahr bei einer 500 Mio. Euro Syndizierung für die Finanzgruppe Exista, wo die RZB gemeinsam mit BayernLB, Fortis und HSH Nordbank als Bookrunner fungierte, oder - mit dem gleichen Konsortium - für ein 100 Mio. Euro-Darlehen für die Icebank und ein 400 Mio. Euro-Darlehen für Straumur-Burdaras Investment Bank's. Üblicherweise nimmt ein Arranger zwischen 5% und 10% der Transaktion auf die eigenen Bücher.
Seitens der RZB heisst es, dass man als bedeutende europäische Bank auch dem isländischen Bankensektor Linien bereitgestellt hat. Details zum Obligo werden aufgrund der hypernervösen Märkte aber nicht bekanntgegeben. "Wir versichern aber, dass die Kapitalbasis mehr als ausreichend ist und wir die Eigenkapitalziele 2008 einhalten werden", so RZB-Sprecher Andreas
Ecker zum Börse Express.
Die negativen Nachrichten für die Austro-Banken setzen sich damit fort: Die RZB musste zuletzt ein Lehman-Exposure von 250 Mio. Euro melden, die Erste Group war bei Lehman mit 40 Mio. Euro betroffen.
Was mit den Island-Engagements passiert, ob das Geld gänzlich verloren ist oder noch Chance besteht, ist derzeit kaum zu sagen. Laut Grossbritanniens Premier
Gordon Brown ist Island zahlungsunfähig, zwischen UK und Island gehen nach der Verstaatlichung der grössten Banken die Wogen hoch. In Grossbritannien haben mehr als 100 lokale Behörden an die 800 Mio. Pfund in isländischen Banken investiert. Während die Spareinlagen privater Investoren garantiert sind, sind die Bedenken, was mit dem Geld der Behörden passiert, mittlerweile so gross, dass Brown mit der Beschlagnahmung von Assets isländischer
Unternehmen gedroht hat, so die FT. (bs)
Aus dem Börse Express vom 10. Oktober 2008