Viel schlimmer hätte die September-Abrechnung für die ohnehin gebeutelte Hedgefonds-Branche nicht ausfallen können. Im Durchschnitt verloren die spekulativen
Fonds im vergangenen Monat noch einmal -4,7% an Wert, das ist das schlechteste Ergebnis, seit der Informationsdienst Hedge Fund Research seinen
Index berechnet. Seit Anfang des Jahres summieren sich die Verluste der Fonds damit auf -9,4%.
Die neuen Zahlen sind ein weiterer herber Rückschlag für die angeschlagene Branche. Zwar fällt das Minus im Vergleich zum Einbruch an den internationalen Aktienmärkten noch vergleichsweise milde aus, allerdings locken die Hedgefonds ihre Investoren, mit dem Versprechen in allen Marktlagen Geld verdienen zu können.
Analysten und Banker rechnen jetzt mit einer Welle von Hedgefonds-Pleiten. Experten wie John Godden von der Beratungsfirma IGS Group befürchten, dass im schlimmsten Fall bis zu 30 Prozent der heute aktiven Fonds in den kommenden Monaten aufgeben müssen. Nick Roe von der US-Bank Citigroup sieht vor allem kleinere Hedgefonds in Gefahr, denen die Substanz fehlt, um die Krise auszusitzen. Nach der Überhitzung der vergangenen Jahre drohe der Branche jetzt ein harter Ausleseprozess.
In den vergangenen Jahren war das von Hedgefonds betreute Vermögen auf rund zwei Billionen US-Dollar explodiert und die Zahl der Fonds hatte sich auf rund 10 000 vervielfacht. Die Gründe für die jetzt befürchtete Pleitewelle sind vielschichtig. Zum einen hat das Ausmaß der
Finanzkrise viele Hedgefonds-Manager auf dem falschen Fuß erwischt. Außerdem haben die selbst schwer angeschlagenen
Banken die Kreditvergabe an Hedgefonds drastisch eingeschränkt, was eine ganze Reihe von Hedgefonds-Strategien, die auf dem Einsatz von
Fremdkapital basieren, schwer belastet.
Schließlich leidet die Branche unter dem von den Aufsichtsbehörden rund um den Globus verhängten Verbot, auf Kursverluste von Finanzaktien zu spekulieren. Durch die Untersagung der so genannten Leerverkäufe lassen sich zahlreiche Investitionsstrategien nicht mehr umsetzen.
"Die Folgen der Krise sind klar, selbst langfristig orientierte Investoren werden ungeduldig und ziehen ihr Kapital ab", klagt ein Londoner Vermögensverwalter, der ein
Portfolio von Hedgefonds verwaltet. Seit Januar dieses Jahres haben viele Fonds ihren Anteil an liquiden Mitteln um 50 Prozent erhöht, um genug Geld in der Kasse zu haben, um die Rückzahlungswünsche ihrer Kunden erfüllen zu können. Auch darunter leidet die Ertragskraft der Fonds.
Im September sorgten vor allem
Energie- und Rohstoff-Hedgefonds mit Verlusten von mehr als 13% für Enttäuschung. Aus diesem Sektor stammt auch eine der bislang spektakulärsten Pleiten in diesem Jahr. Anfang September musste der einst als "Rohstoffkönig" gefeierte Dwight Anderson seinen wichtigsten Fonds nach Verlusten von knapp -40% schließen.
Das beste Ergebnis erzielten im September Fonds, die auf Kursverluste an den Aktienmärkten spekulieren. Trotz des Verbots von Leerverkäufen für Finanzaktien bescherte diese Strategie den Investoren im Schnitt einen Wertzuwachs von +5,3%.