Nach dem Rücktritt von
Immofinanz-Chef
Karl Petrikovics (im Bild) gehen jetzt die Wogen hoch. Gestern am Nachmittag langte eine Anzeige der
Finanzmarktaufsicht (FMA) zu Vorgängen rund um die Constantia
Privatbank bei der Staatsanwaltschaft
Wien ein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte den Erhalt, berichtet "Format"
Die Constantia, deren Boss bis zum Sommer ebenfalls Petrikovics war, managte bis vor kurzem die Immofinanz und deren Tochter
Immoeast. In der Sachverhaltsdarstellung der FMA geht es laut Format um § 255
Aktiengesetz. Der bedroht einen
Vorstand oder
Aufsichtsrat mit Strafe, wenn er "in Berichten, Darstellungen oder Übersichten
die Verhältnisse der Gesellschaft oder mit ihr verbundener
Unternehmen oder erhebliche Umstände
unrichtig wiedergibt, verschleiert oder verschweigt" (Strafrahmen: bis zu einem Jahr).
Dem Vernehmen nach dürften die Vorwürfe der FMA unter anderem im Zusammenhang mit 39,3 Millionen Stück Immofinanz
-Aktien stehen, die in drei Töchtern der Constantia geparkt waren. Diese Papiere soll die Bank mit einem Darlehen der Immofinanz erworben haben. Gemeldet wurde allerdings nie, dass sich knapp neun Prozent der Immofinanz im Besitz der Constantia befanden.
Karl Petrikovics hatte immer signalisiert, die Papiere seien für Kunden der Bank treuhändisch gehalten worden. Sowohl er als auch Immofinanz-Aufsichtsratschef
Wolfgang Reithofer sagten gestern, noch nichts von einer Sachverhaltsdarstellung zu wissen.
Anfang März 2008 übernahm dann der Investor
Rudolf Fries die Aktien-Pakete und ist seither der grösste Einzelaktionär der Immofinanz. Zuvor musste die Constantia Bank noch 178 Millionen
Euro an Gesellschafterzuschüssen in die drei Töchter pumpen, um die bis dahin angefallenen Kursverluste auszugleichen.
In diesem Zusammenhang berichtet das Magazin über ein weiteres Detail, das noch viel Aufregung erzeugen könnte. Fries war nämlich zu dem Deal nur gegen Sicherheiten bereit. Der gelernte Anwalt erhielt via Petrikovics daher eine
Put-Option gegenüber der Constantia-Packaging BV. Das ist jene
Holding, über die
Christine de Castelbajac, Tochter von Konzerngründer Herbert Turnauer und Eigentümerin der Constantia Bank, das börsennotierte Verpackungsunternehmen
Constantia Packaging hält. Castelbajac ist damit verpflichtet, von Fries den überwiegenden Teil seiner Immofinanz-Aktien zu einem kolportierten
Kurs von sieben Euro zurückzunehmen. Die Papiere haben seit Abschluss des Geschäftes rund 220 Millionen Euro an Wert verloren. Macht Fries von seinem Rückgaberecht Gebrauch, dann muss die Constantia Packaging BV diesen Verlust einstecken.
(red)