Karl Petrikovics, seit Gründung von
Immofinanz und
Immoeast Chef der beiden
Unternehmen, sucht sich eine turbulente Zeit für seinen Abgang aus: Die Aktienkurse sind auf historischen Tiefs, die
Finanzkrise sorgt dafür, dass die Unternehmen zunehmend mit Liquiditätssorgen zu kämpfen haben, auch der Risikoappetit der Investoren für die CEE-Region könnte noch weiter schwinden. Weiters sind Immofinanz und Immoeast aufgrund der Querfinanzierung über ein Darlehen von 1,8 Mrd.
Euro zunehmend Kritik ausgesetzt, die
Ausschüttung der
Dividende bei Immofinanz stösst in der aktuellen Lage auf Unverständnis.
Der Rücktritt von Petrikovics aus den Funktionen in beiden Gesellschaften und mit Wirkung von Montag stösst daher auf unterschiedliche Meinungen. Hinter den Kulissen heisst es, dieser Schritt sei erstmals vor einigen Wochen - im Vorfeld der Hauptversammlungen im September - ventiliert worden.
Über Petrikovics' Zukunft, der im Zuge der Internationalisierung des Managements vor kurzem seine Funktion als
Vorstand der Constantia
Privatbank zurückgelegt hat, gibt es heute keine Details. Er wird sich aber wohl kaum auf den Altersruhesitz zurückziehen, mutmassen Kreise. Dass Petrikovics nicht mit einem derartigen Ausmass der Kursverluste gerechnet hat, beweist sein Eigeninvestment: Er hat im Vorjahr insgesamt 2,1 Mio. Euro in 150.000
Aktien von Immofinanz und 100.000 Aktien von Immoeast investiert.
Sein Nachfolger
Thomas Kleibl (im Bild) hat bislang Erfahrungen in der Baustoff-
(Wienerberger) und Airline-Industrie
(AUA) gesammelt. Zahlreiche
Marktteilnehmer erwarten nun, dass er die
Finanzierung auf eine solidere
Basis stellen wird, auch weitere Immobilienabwertungen werden nicht ausgeschlossen.
Wann sich Kleibl erstmals öffentlich zu seinen Plänen äussert, ist noch offen. Am Montag wurden die Mitarbeiter informiert. Im jüngsten
Update gehen die Analysten von Kempen übrigens nicht davon aus, dass die Immofinanz das 1,8 Mrd. Euro schwere Darlehen an Immoeast gemäss demjüngst präsentierten Rückzahlungsplan abbauen kann.
Beide Immotitel büssen am Montag rund ein Fünftel ihres Wertes ein. (bs)
Aus dem
Börse Express vom 6. Oktober 2008