Europabörsen: Lehman-Insolvenz drückt Finanzwerte nach unten

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Die Insolvenz von Lehman Brothers Holdings Inc. und die Übernahme von Merrill Lynch & Co. durch Bank of America lasteten am Montag auf den europäischen Börsen. Vor allem Finanzwerte gerieten ins Börsenabseits.

"Innerhalb von zwei Tagen sind zwei der großen Investmentbanken verschwunden", sagte Analyst Matthias Jörss von Sal. Oppenheim Jr. & Cie. in Frankfurt. "Das ist eine gefährliche Lage und verstärkt die Unsicherheit, was vor allem auf den schwächeren Finanzwerten lasten sollte. Wir beobachten einen letzten Ausverkauf und ich rechne kurzfristig mit einer weiteren Abwärtsbewegung."

Bei Versicherungsaktien sorgte die Nachricht, dass der US- Branchenprimus American International Group Inc. (AIG) bei der US-Notenbank Federal Reserve einen Überbrückungskredit von 40 Mrd. Dollar beantragt habe, für Abgabedruck. Das hatte die New York Times berichtet. AIG hatte zuvor ein Gebot der Buyoutgesellschaft J.C. Flowers zurückgewiesen, das Flowers die Option zum Kauf der gesamten Versicherungsgesellschaft gegeben hätte.

Ebenfalls auf der Verliererseite standen Bergbau- und Energieaktien. Hier machten sich Preisrückgänge bei Industriemetallen sowie bei Öl bemerkbar. Der Ölpreis fiel am Terminmarkt 7 Prozent auf rund 94 Dollar je Barrel.

Der Dow Jones Stoxx 50 sackte 5,1 Prozent ab auf 2712,42 Punkte. Beim marktbreiten Stoxx 600 ging es 4,5 Prozent abwärts auf 267,80 Punkte. Die Benchmark für die großen Unternehmen des Euroraums, der Euro Stoxx 50, rutschte fünf Prozent ab auf 3113,49 Zähler.

An der Börse Frankfurt sackte der Deutsche Aktienindex (Dax) vier Prozent ab auf 5983,84 Punkte. Seit Jahresanfang hat das Börsenbarometer damit 26 Prozent verloren. Mit Commerzbank AG, Deutscher Bank AG und Allianz SE führten drei Finanzwerte die Liste der größten Verlierer an. Commerzbank sackten 13,8 Prozent ab, Deutsche Bank 9,6 Prozent und Allianz 8,6 Prozent. Ein Kursabschlag von 7,3 Prozent führte die Aktie des Touristikkonzerns TUI AG auf ein Fünfjahrestief. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte berichtet, TUI wolle seine Flugsparte TUIFly mit dem Billigflieger Air Berlin Plc zusammenlegen. Die Ankündigung des Chemiekonzerns BASF SE, das schweizerische Spezialchemieunternehmen Ciba Holding AG für 6,1 Mrd. Schweizer Franken (3,8 Mrd. Euro) zu übernehmen, bescherte der BASF-Aktie einen Kursverlust von 4,1 Prozent. In der zweiten Reihe brach die Aktie des Einzelhandelskonzerns Arcandor AG 6,7 Prozent ein auf ein 16-Jahrestief. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte berichtet, dass die Kreditversicherung Euler Hermes AG Kreditgarantien für die Lieferanten der Muttergesellschaft von Karstadt und Quelle gedeckelt habe.

In London verzeichnete der FTSE 100 bei 5161,70 Punkten ein Minus von 4,7 Prozent. Auch hier fielen die größten Kursverluste bei Finanzdienstleistern an. HBOS Plc rutschten 26 Prozent ab, Royal Bank of Scotland 13,5 Prozent und Barclays Plc 14,2 Prozent. Barclays hatte sich erst am Sonntag aus Verhandlungen um eine Übernahme von Lehman zurückgezogen. Ein Kursminus von 4,3 Prozent gab es für die Aktie der Supermarktkette J Sainsbury Plc. Vorstandschef Justin King hatte gegenüber der Financial Times die Stimmung bei den Verbrauchern als "schlechter als je zuvor" bezeichnet. Bei den Energiewerten gaben BP Plc vier Prozent ab.

In Zürich fiel der SMI 5,2 Prozent auf 6842,38 Punkte. Bei den Finanzwerten büßten UBS AG 18,6 Prozent ein, Swiss Re verloren zwölf Prozent. In der zweiten Reihe schnellten Ciba Holding AG gegen den Trend 27 Prozent nach oben. Der Aktienkurs wurde von der Übernahmeankündigung der deutschen BASF nach oben getrieben. Das stützte auch andere Spezialchemiewerte. Clariant AG verteuerten sich 0,9 Prozent.

Der französische CAC 40 sank fünf Prozent auf 4115,81 Punkte. Besonders schwach waren auch hier die Finanzwerte. Société Générale SA rutschten 12,4 Prozent ab, Crédit Agricole SA verloren 13,9 Prozent. Besonders heftig traf es die Aktie der Versicherungsgesellschaft AXA SA. Sie wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt, nachdem sie um mehr als das Limit der Börse gefallen war. Zuvor wurde AXA in einer Mitteilung als größter Stammaktionär von Lehman Brothers Holdings Inc. bezeichnet und das Aktienpaket auf 7,3 Prozent des Lehman-Eigenkapitals beziffert. AXA erklärte, die Aktien gehörten Kunden der Fondssparte und die Versicherung halte direkt keine Aktien von Lehman. Am Nachmittag notierten die Aktien 11,7 Prozent leichter. Im Trend der Energiewerte wurden Total SA 5,4 Prozent niedriger gehandelt.

(Bloomberg)


 


© boerse-express.com 15.09.2008