Wenn die
Telekom Austria in Südosteuropa anklopft, dann tut sie das selten allein. Sie vertraut auf
Martin Schlaff, einen ebenso geheimnisumwitterten wie erfolgreichen österreichischen Geschäftsmann. Er stellt die Kontakte her, die für die Telekom heikel sind. Immerhin hat Weißrusslands Führung nach wie vor Einreiseverbot in der
EU. Der russische Geschäftsmann und einstige MobilTel-Eigentümer Mikhail Chernoy darf nicht nach
Bulgarien.
Der Wiener Geschäftsmann, dessen Privatvermögen auf ein bis zwei Mrd.
Euro geschätzt wird, wurde am 6. August 1953 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Start seiner Karriere war die ursprünglich auf Zellstoff- und Papierhandel spezialisierte Robert Placzek
AG, in die er in frühen Jahren eingeheiratet hat. Die Scheidung im heurigen Jahr (kolportierte Abfertigung: 200 Mio. Euro) brachten den an sich sehr medienscheuen Manager kurzfristig einer größeren Öffentlichkeit nahe. Ansonsten galt: "Ich spreche grundsätzlich nicht mit Medien."
Seine Begründung dafür: "Ich kann mich gut erinnern, was mir nicht alles im Zusammenhang mit meinen Geschäften in der ehemaligen DDR angedichtet wurde. Hätte ich ernsthaft jeden Unfug kommentiert, der damals über mich geschrieben wurde, wäre ich damit voll ausgelastet gewesen. Ich muss oft schmunzeln, wenn Schulfreunde meiner Kinder nach Hause kommen und sich wundern, dass der Papa ein ganz normaler Mensch ist", sagte Schlaff im "profil".
Schlaff gilt als facettenreicher Mensch, der auf ein großes und vor allem einflussreiches Netzwerk in
Österreich, aber vor allem auch in Osteuropa und im Nahen Osten bauen kann. Dabei zeigt er sich nicht nur wirtschaftlich motiviert, sondern immer wieder auch als Spender und als Vermittler bei politischen Konflikten.
Ungeachtet seine Geschäfte in der einstigen DDR zeigt er keinerlei Berührungsängste mit Politikern sämtlicher Couleurs. Mit Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (V) soll er ebenso enge Beziehungen unterhalten haben wie mit dem Noch-Bundeskanzler
Alfred Gusenbauer (S), für den er im Jänner eine Wahlsiegesfeier schmiss. Ex-BZÖ-Vizekanzler
Hubert Gorbach hievte er in den
Aufsichtsrat des Feuerfestkonzerns
RHI, über den er in einem zähen Machtkampf erst im Juni die Kontrolle übernommen hat. Zu seinem Bekanntenkreis zählen aber auch klingende Namen aus Kultur und
Wirtschaft. So hat Schlaff etwa im Vorjahr für Ex-Bawag-Generaldirektor
Helmut Elsner eine Kaution von einer Mio. Euro ausgelegt.
In seinem ersten Geschäft mit der Telekom Austria hatte er zunächst mit Partnern die bulgarische MobilTel für 800 Mio. Euro gekauft und später 2005 für 1,6 Mrd. Euro an die Telekom Austria weiterverkauft - kein schlechter Deal, aber in der Telekom räumt man ein, dass die MobilTel heute um die 2,8 Mrd. Euro wert sei. Weniger gut hat die Zusammenarbeit in
Serbien geklappt. Nach Streitigkeiten um Anteile mit dem Staat hat Belgrad die Ausschreibung des teilstaatlichen Mobilfunkers Mobtel erzwungen - die Telekom Austria hatte dabei letztendlich im Bieterwettstreit mit der norwegischen Telenor den Kürzeren gezogen und daraufhin einen eigenen Handynetzbetreiber aufgebaut. Wo es Schlaff als nächstes hinzieht, ist unklar. Derzeit hält er jedenfalls laut Vertrauten abgesehen von seinem neuen Anteil an der weißrussischen MDC keine weiteren Telekom-Beteiligungen.