Die US-Regierung will mit einer einmaligen Rettungsaktion die schwer angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer
Fannie Mae und
Freddie Mac retten; damit soll eine bedrohliche Krise des US-Finanzmarkts vermieden werden. Washington plane, das Management der
Unternehmen abzusetzen und sie mit Milliarden Dollar aus Steuergeldern zu stabilisieren, berichteten die "New York Times" und "Washington
Post" am Samstag. "Faktisch bedeutet das eine staatliche Übernahme der
Immobilien-Giganten", schrieb das "
Wall Street Journal", das auf seiner Webseite die ersten Hinweise auf die Regierungspläne veröffentlicht hatte.
Die Geschäftsführungen von Fannie Mae und Freddie Mac seien bereits über die Pläne informiert worden, hiess es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte. Die Führung der Unternehmen solle zunächst einem Verwalter übertragen werden. Die beiden bisherigen Unternehmenschefs Daniel Mudd und Richard Syron sollen ihre Posten verlieren.
Nach Berichten der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg traf US-Finanzminister Henry Paulson am Freitag mit den Geschäftsführungen von Fannie Mae und Freddie Mac, US-Notenbankchef
Ben Bernanke sowie dem Direktor der Regulierungsbehörde für Hausfinanzierungen, James Lockhart, in Washington zusammen. Vertreter des US-Kongresses würden sich über das Wochenende für eine Unterrichtung über die Pläne in Bereitschaft halten, hieß es.
In den vergangenen Wochen hatte es bereits verstärkt Spekulationen gegeben, dass Fannie Mae nach Milliardenverlusten vom Staat gerettet werden müsse. Aktionäre befürchten, dass ihre Papiere durch einen staatlichen Aufkauf praktisch wertlos werden könnten. Der Börsenwert der Gesellschaften ist seit dem verschärften Ausbruch der Kreditkrise vor rund einem Jahr bereits um jeweils mehr als 90 Prozent gefallen.
Am Freitag verloren die Aktien im nachbörslichen Handel noch einmal um über 20 Prozent. Eine Zahlungsunfähigkeit der beiden Unternehmen könnte nach Einschätzung von US-Analysten einen Kollaps des US-Immobilienmarkts bedeuten, was erhebliche Folgen für die
Wirtschaft in den
USA und der ganzen Welt haben könnte.
Fannie Mae und der kleinere Finanzierer Freddie Mac stehen mit einem Volumen von mehr als fünf Billionen Dollar (3,4 Billionen
Euro) hinter jedem zweiten US-Hauskredit. Beide Unternehmen haben in der Vergangenheit zahlreiche Immobilienkredite kleiner regionaler
Banken, die in Finanzierungsnöte geraten waren, aufgekauft.
Inzwischen ist in den USA bereits die elfte Bank in diesem Jahr der Krise auf dem Immobilien- und Kreditmarkt zum Opfer gefallen. Die Behörden schlossen am Freitag die Silver State Bank mit Einlagen von fast zwei Milliarden Dollar und 17 Filialen in Arizona und Nevada.
Der Zusammenbruch des relativ kleinen Kreditinstituts könnte auch Wellen im Präsidentschafts-Wahlkampf schlagen: Ein Adoptivsohn des Republikaner-Kandidaten John McCain saß bis vor kurzem im Verwaltungsrat der Bank und war auch für die Aufsicht der
Finanzen zuständig, berichtete das "Wall Street Journal". Es gebe aber keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des 46-jährigen Andrew McCains, der seinen Posten bei der Bank am 26. Juli aus "persönlichen Gründen" aufgegeben hatte.
(APA/red)