Viele
Unternehmen stehen europaweit in den Startlöchern, um sich frischesGeld von den Anleihemärkten zu holen, aber nur wenige trauen sich momentan hervor. "Die Mehrheit der Unternehmen hat das Gefühl, dass sie aufgrund der Marktanomalien am
Primärmarkt ungerechtfertigt hohe
Prämien bezahlen müssen", kommentiert Jochen Felsenheimer von derUnicredit die Entwicklung. Er erwartet allerdings, dass den Märkten in den kommenden Wochen und Monaten wieder eine neue Flut an Emissionen bevorsteht.
Im Gegensatz zur jüngsten Emissionswelle im April/Mai dieses Jahres - im Zuge derer etwa
Strabag, SBO, Casinos Austria und Cross Unternehmensanleihen ausgaben -, ist das aktuelle Sentiment am Markt aber nicht so gut, auch findet sich auf Cash-Depots nicht so viel Geld wie noch vor einigen Monaten. Für Emittenten am Primärmarkt werden die Prämien allerdings hoch bleiben. "Wir nennen es 'Warten auf Godot' ", nimmt Felsenheimer auf jene Unternehmen Bezug, die auf ein Verschwinden der Marktanomalien warten.
Im Zuge der Ausweitung der
Subprimekrise blieb auch der österreichische Corporate Bondmarkt nicht von den Auswirkungen auf den Kapitalmärkten verschont und hatte innerhalb der vergangenenMonate kräftige Anstiege der Risikoprämien zu verzeichnen. So konnte sich auch die im Juni emittierte fünfjährige Strabag-
Anleihe in den letzten Wochen nicht ganz der Krise amglobalen Bausektor entziehen, so die Corporate Bonds-Experten der RCB.
Auch
Wienerberger kam zum Handkuss: "Aufgrund der starken Ausweitung der Risikoprämie bei Wienerberger kam es bereits vereinzelt zu Kaufinteresse, wir sehen aber dennoch aufgrund der nach wie vor ungewissen konjunkturellen Entwicklung weiteres Potenzial zur Abschwächung".
Während sich in Europa die Berichtsaison bei den Non-Financials durchaus innerhalb der Erwartungen entwickelt hat, verlief sie bei den österreichischen Anleiheemittenten nicht gerade rosig, so das Fazit der RCB.(bs)
Aus dem
Börse Express vom 5. September 2008