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06.09.2008

'In gemanagten Fondsvarianten ist Wiener Börse deutlich übergewichtet'

BE-Interview: Hermann Schrögenauer, Mitglied des Vorstands von Skandia Österreich, über Anlegerwünsche, Trendmärkte, Wiener Aktien, Renditen und den Austro-Finanzmarkt
(c)


Börse Express: Die aktuelle Vola der Märkte und die Unsicherheit der Anleger: Welche Assetklassen sehen Sie derzeit besonders nachgefragt?

Hermann Schrögenauer: Garantieprodukte sind sehr gefragt. 44% unseres Produktportfolios entfallen auf fondsgebundene Garantieprodukte wie Smart Dolphin, Lady´s First und Teddy Smart die mit einer Höchststandsgarantie und einer Kapitalgarantie zu Laufzeitende gesichert sind. Diese sind der Löwenanteil unserer New Sales. Weitere 33% unseres Produktportfolios entfallen auf den Skandia Navigator, wo auf Einzelkundenebene individuell zusammengestellte Portfolios aus verschiedenen Assetklassen aktiv gemanagt werden. Diese individuelle Zusammenstellung kommt bei den Kunden gut an, weil das aktive "Kümmern" geschätzt wird - gerade in der aktuell volatilen Zeit. Die restlichen 23% unseres Produktportfolios entfallen auf fondsgebundene Lebensversicherungen ohne Garantie. Diese können sich die Kunden bis zu 100% in Aktien oder aus Einzelfonds selbst zusammenstellen.

BE: Bemerken sie Veränderungen im Anlegerverhalten?

Schrögenauer: Bei Neukunden sehen wir trotz der volatilen Märkte keine signifikante Veränderung im Anlageverhalten. Denn es ist ihnen klar, dass "ihre" Laufzeit mehr als 10 Jahre beträgt, und bei diesem langfristigen Anlagehorizont der Cost Average Effekt zum Tragen kommt. 95% unserer Kunden haben Verträge mit laufender - vor allem monatlicher - Besparung. Da ist die Verunsicherung über gerade niedrige Kurse nicht allzu gross, weil das Bewusstsein vorhanden ist, dass man am Ende vom Cost Average Effekt profitiert.

BE: Wo sehen Sie die Trendmärkte - thematisch und regional?

Schrögenauer: Ganz aktuell haben wir mit Triple Win jene Aktienmärkte mit den unserer Ansicht nach stärksten Wachstumspotenzialen herausgepickt: Aktienindizes, wo wir die stärkste Performance in der Zukunft erwarten. Die Anleger können so, je nach Index, von ganz unterschiedlichen Trendmärkten profitieren - je nachdem, welcher der drei aussichtsreichen Indizes sich am besten entwickelt. Die drei Themen sind dividendenstarke internationale Blue Chips, die BRIC-Boommärkte sowie globale Unternehmen in den Infrastrukturbranchen Energie, Transport, Wasser und Kommunikation. Wir haben uns für diese reinrassigen Assetklassen entschieden, weil wir davon ausgeben, dass diese in den kommenden 12 Jahren am besten performen werden. So kombinieren diese Anlageschwerpunkte eine breit gestreute Veranlagung mit guten Ertragsaussichten.

BE: Haben Sie bei Produkten als Underlyings auch Wiener Indizes bzw. Wiener gelistete Titel bzw. Austrofonds?

Schrögenauer: In unseren Produkten ist das grundsätzliche Ziel der möglichst breiten Streuung, daher ist der MSCI World (und die erwähnten Trendmärkte) unsere Messlatte. Aber wir haben in den gemanagten Fondsvarianten die Wiener Börse deutlich übergewichtet - mit durchschnittlich 1,5%, was dreimal so hoch wie ihre globale Aktienmarktgewichtung ist. Der Wert schwankt zwischen 1 und 2 Prozent und ist ein Angebot an die österreichischen Anleger, in den aktiv gemanagten Portfolios auf Wunsch besonderes Gewicht auf heimische Werte zu legen. Bei den fondsgebundenen Lebensversicherungen besteht kaum Kundennachfrage nach speziell österreichischen Fonds, Österreich-Aktien sind da kein "Spezialthema", das nachgefragt wird. Und auch bei den aktiv gemanagten Portfolios überwiegt der Kundenwunsch nach individueller Zusammenstellung der besten globalen Werte. Das "Österreichaktien-Thema" wird von den Anlegern eher über den Direktaktienkauf abgedeckt als über fonds- und indexunterlegte Produkte.

BE: Was sind heutzutage realistische Renditeerwartungen?

Schrögenauer: Eine langfristige Renditeerwartung (über 10 Jahre) von 6-9% p.a. ist am treffsichersten und auch notwendig, um Mehrperformance gegenüber zB Staatsanleihen zu generieren. In Richtung 9% geht es mit reiner Aktienfondsveranlagung, und je mehr Anleihen beigemischt sind, desto mehr wird es in Richtung 6% am langen Ende gehen. Höhere Sicherheit wird mit weniger Risiko und entsprechend weniger Renditechancen erkauft.

BE: Wie beurteilen Sie den österreichischen Kapitalmarkt puncto Investorenreife, Produktqualität, Finanzmarktkultur?

Schrögenauer: Der österreichische Finanzmarkt zeichnet sich im internationalen Vergleich durch seine strengen aufsichtsrechtlichen Bestimmungen und seinen regulatorischen Rahmen aus. Das österreichische Versicherungsaufsichtsgesetz ist streng und daher ein sicheres. Die resultierende österreichische Marktstabilität wird in unserem internationalen Konzern sehr geschätzt. Die Produktqualität ist in Österreich eine sehr gute. Es gibt nicht sehr viele Märkte, wo das so ist. Dies gilt für die Produktpalette genauso wie für ihre Kostentransparenz. In Österreich macht es keinen Unterschied, wer das jeweilige Produkt letztlich verkauft. Viel wichtiger ist im Vorfeld die Qualität der Beratung. Der österreichische Privatanleger ist mit seinem Wissen laut Vergleichsstudien ein "guter Europäer", bei seinem Aktien-Knowhow ist er in der "Europa-Range". Einen Unterschied zB zu den Deutschen gibt es aber: Der Österreicher ist konservativer in seiner Vermögensverteilung, setzt also extrem hoch auf Sparbücher und Anleihen. Das mag zwar aktuell gut sein, aber wenn die Märkte wieder anziehen, ist man auch nicht dabei...

BE: Was geben Sie den Privatanlegern und den Beratern für deren Anlageentscheidungen mit?

Schrögenauer: Jeder Privatanleger sollte versuchen, den für ihn passenden Berater zu finden. Denn mit den eigenen Investmententscheidungen wird man nie erreichen können, was ein guter Berater bringt. Und die Berater sollten immer auf eine möglichst grosse Diversifikation achten. Denn nur ein breit gestreutes Portfolio kann letzlich Ausfälle kompensieren. Das heisst, am Beginn soll die Kundenanalyse nach dem Dreieck Ertrag-Sicherheit-Liquidität stehen, dann die Mischkonstellation, und erst am Ende kommt die individuelle Produktauswahl. Wer sich daran hält, wird auch in der Börsenbaisse gut fahren.

Interview: Manfred Kainz

Aus dem Börse Express vom 5. Sept.: http://www.boerse-express.com/abo

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 Musterdepot 2006: +14,81%
 
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