Spekulationen um einen neuen Vorstandschef bei Alcatel-Lucent SA haben den
Aktienkurs des Telekomausrüsters am Mittwoch bereits den zweiten Tag in Folge deutlich steigen lassen. Nach einem Medienbericht will ein Nominierungskomitee des Verwaltungsrates den früheren
Vorstand Mike Quigley als Nachfolger von Amtsinhaberin Patricia Russo vorschlagen. Die 56-Jährige hatte vergangenen Monat ihren Rückzug von der Konzernspitze angekündigt.
Der 55-jährige Quigley blickt auf eine lange Geschichte bei dem Telekomausrüster zurück. Er begann seine Karriere 1971 bei ITT Australien. Das
Unternehmen wurde 1987 von Alcatel gekauft. Zwischen April 2005 und November 2006 war er im Vorstand von Alcatel für das Tagesgeschäft verantwortlich. Im August 2007 verließ er Alcatel-Lucent - neun Monate nach seiner Ernennung zum President of Science, Technology und Strategy. Er kehrte in sein Heimatland Australien zurück.
"Er kennt sich in der Telekomindustrie hervorragend aus. Und er ist ein Insider bei Alcatel-Lucent", sagte Analyst Odon de Laporte von Cheuvreux in Paris. Die mögliche Nominierung von Quigley sei etwas "sehr positives". Dabei spiele auch seine Herkunft eine Rolle. Der in England geborene und in Australien aufgewachsene Quigley werde in einem französisch-amerikanischen Konzern als neutrale Instanz wahrgenommen. Laporte: "Er wird nicht von politischen Beweggründen beeinflußt".
Alcatel hatte Lucent Technologies im Jahre 2006 übernommen. Die
Bilanz ist ernüchternd. Bisher sind Verluste von sieben Mrd. Dollar aufgelaufen, der Marktwert des Konzerns ist um 60 Prozent zusammengeschmolzen und 16.500 Mitarbeitern verlieren ihre Stellen. Russo gilt gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Serge Tchuruk als Architektin der Fusion. Der 70-jährige Tchuruk tritt von seinem Posten am 1. Oktober zurück.
Ein Unternehmenssprecher wollte die Spekulationen um die Führungsspitze des Unternehmens nicht kommentieren. Im Handel von Paris legte die
Aktie bis zum Mittwochnachmittag dennoch um 2,4 Prozent zu. Bereits am Dienstag war sie mit einem Plus von 4,7 Prozent aus dem Handel gegangen.
(Bloomberg)