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28.07.2008

Meinl - Die Macht der Anleger

Von Bettina Schragl
 

Bei Meinl Power waren rund 29 Mio. Zertifikate für die erste der beiden Hauptversammlungen hinterlegt - und damit knapp 50% des Grundkapitals. Ein Grossteil davon war bei der Hauptversammlung auch anwesend bzw. vertreten. Bei Meinl Airports stimmten rund 35% des Kapitals ab. Für die beiden Streubesitzunternehmen sind das stolze Teilnahmequoten, die zeigen, dass sich die Anleger nicht ihrem Schicksal ergeben, sondern von ihren Rechten Gebrauch machen.

Im Fall von MAI bedeutet das eine klare Absage an das bestehende Board und die Wahl jener Kandidaten, die von den Aktionärs-Dissidenten aufgestellt worden sind. Bei Meinl Power hingegen ging es knapp für Chairman Haider und das bestehende Management aus. Jeweils um die 53,5% stimmten für Haider und gegen die Vorschläge der Aktionärs-Dissidenten.

In beiden Fällen kann man von gelebter Aktionärs-Demokratie sprechen, die Mehrheit entscheidet. Mehr als schal ist allerdings der Nachgeschmack des kolportierten Stimmenkaufs bei Meinl Power. So soll ein Hedge Fonds am Wochenende noch vom Angebot Gebrauch gemacht haben, seinen Zertifikate um 8 Euro das Stück zu übertragen. Insofern könnte es durchaus sein, dass die Stimmen, die derart den Besitzer wechselten, das Zünglein an der Waage waren. Chairman Haider, der immer das Credo der Gleichbehandlung aller Aktionäre vor sich hertrug, soll davon zwar nichts gewusst haben, wie es heisst. Aber das ändert nichts. Auch das Abdrehen des Mikrofons für Aktionärsvertreter Proschofsky ist ein strategischer Fehler, der einem altgedienten Vorstand wie Hans Haider eigentlich nicht passieren darf.

Die Würfel sind gefallen: Die Kritiker können bei Meinl Airports zeigen, was sie können. Vor allem wird spannend, wie die Auflösung der Verträge mit der Meinl Bank verhandelt wird. Bei MIP hingegen kann das bestehende Management zeigen, dass es seine Versprechen halten kann.

Und sollte es bei MAI irgendwann, nach Abwägung aller Optionen, tatsächlich zu einer Zerschlagung des Unternehmens kommen, dann muss das bei weitem kein Horrorszenario sein. Denn bei MAI und MIP handelt es sich um keine Industrie-Konzerne mit tausenden von Mitarbeitern (die wenigen Mitarbeiter sitzen in den Managementgesellschaften). Sollte sich somit eine Verwertung der aktuellen Beteiligungen und eine Kapitalrückfuhr an die Anleger als sinnvoller erweisen, denn auf die renditeträchtige Verwicklichung der eingegangenen Projekte zu hoffen, warum nicht diesen Weg beschreiten?