HANNOVER (Dow Jones)--Vorstand und Aufsichtsrat der Continental AG haben das Übernahmeangebot des fränkischen Familienkonzerns Schaeffler abgelehnt. Die 11,3 Mrd EUR schwere Offerte sei zu niedrig und nicht im Sinne des Unternehmens, erklärte der Hannoveraner DAX-Konzern nach einer Sitzung des Kontrollgremiums am Mittwoch. Zugleich sprach sich der weltweit fünftgrößte Automobilzulieferer für eine Einigung mit Schaeffler aus.
"Sollte die Schaeffler Gruppe bereit sein, entweder über eine angemessene Prämie für Continental-Aktionäre oder über die Begrenzung auf eine für das Unternehmen akzeptable Beteiligungsquote zu verhandeln, hat der Vorstand die Unterstützung des Aufsichtsrats, direkte Verhandlungen mit der Schaeffler Gruppe aufzunehmen", hieß es.
Conti hatte dem fränkischen Familienkonzern bereits zuvor eine Beteiligung in Höhe von 20% angeboten. Schaeffler bestand jedoch auf einem Anteil von mehr als 30%. Schaeffler wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.
Vorstand und Aufsichtsrat von Continental demonstrierten nach der Sitzung in Hannover Einigkeit im Vorgehen gegen Schaefflers Avancen. "Der Aufsichtsrat stellt ausdrücklich fest, dass er die Vorgehensweise des Vorstands in vollem Umfang unterstützt", hieß es in der Erklärung. Medienberichten zufolge gab es zuvor Unstimmigkeiten zwischen dem Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden, Hubertus von Grünberg, dem gute Verbindungen zur Schaeffler Gruppe nachgesagt wurden, und dem Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer, wie auf die Offerte zu reagieren sei.
Wennemer hatte das Angebot zuvor mit deutlichen Worten abgelehnt. Sein Oberkontrolleur hatte dagegen zur Besonnenheit gemahnt. "Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen."
Am Dienstag hatten sich die Conti-Arbeitnehmervertreter gegen eine Zerschlagung des weltweit fünftgrößten Automobilzulieferers ausgesprochen. Schaeffler hatte daraufhin bekräftigt, den DAX-Konzern nicht aufspalten zu wollen. "Wir stehen zu unseren bereits mehrfach gemachten Zusagen: Continental soll als Ganzes bestehen bleiben", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Jürgen Geißinger.
Conti solle als "eigenständiger, börsennotierter Konzern mit Sitz in Hannover, selbstverständlich auch künftig mit einem mitbestimmten Aufsichtsrat" bestehen bleiben. "Zur Verlagerung oder einem Abbau von Arbeitsplätzen wird es in Folge des Angebots nicht kommen."
Der niedersächsische IG Metall-Bezirksleiter und Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine forderte dazu schriftliche Garantien von Schaeffler. Mündliche Absichtserklärungen reichten an dieser Stelle nicht aus, notwendig seien Verträge, deren Einhaltung nachprüfbar sei.
Die Herzogenauracher, die Motor-, Getriebe-, Fahrwerksysteme und Lager für die Automobilbranche, Industrie sowie die Luft- und Raumfahrt herstellen, haben sich nach eigenen Angaben über Aktien und nicht meldepflichtige Finanzgeschäfte 36% der Aktien gesichert.
Schaeffler bietet 70,12 EUR pro Conti-Aktie. An der Börse notierte das Papier vor Handelsschluss am Mittwoch bei 72,57 EUR und damit 0,58% unter dem Schlusskurs vom Dienstag.