23. Juli 2008. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit einer Woche geht es an den Aktienmärkten wieder Berg auf. Nach dem Jahrestief von 6.081 Punkten in der vergangenen Woche legte der deutsche Leitindex DAX um rund 7 Prozent auf über 6.00 Punkte zu. Zu den Favoriten zählt unter anderem der angeschlagene Bankensektor. Vor allem die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank sind heute besonders gefragt. Charttechniker raten jedoch zur Vorsicht und rechnen damit, dass sich der übergeordnete Abwärtstrend noch weiter fortsetzen wird.
Im ETF-Handel zeigen sich die zumeist institutionellen Investoren optimistisch. So verzeichnen die zuständigen Marketmaker bei den Indextrackern iShares DAX (DE) (WKN 593393) und iShares DJ EURO STOXX 50 (DE) (WKN 593395) ein anziehendes Kaufinteresse bei geringen Umsätzen. Der ShortDax ETF von DB X-trackers (WKN DBX1DS), der die Entwicklung des DAX invers abbildet, wird nach Auskunft der Händler hingegen überwiegend verkauft. Beliebt sei aktuell der DJ Stoxx 600 Banks (WKN DBX1SF): "Der Banken-ETF wird schon seit einigen Wochen verstärkt nachgefragt, dieser Trend setzt sich heute fort", berichtet ein Market Maker.
Bis zum Nachmittag kann sich der deutsche Leitindex heute um gut 1 Prozent auf 6.520 Zähler leicht verbessern.
Trendwende noch nicht in Sicht
Nach Ansicht von Martin Siegert ist der übergeordnete Abwärtstrend an den Aktienmärkten aber noch nicht vorbei. Der technische Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geht zwar davon aus, dass sich die Aufwärtsralley des DAX noch bis mindestens 6.622 Punkte fortsetzen wird. Von einer Trendwende könne aktuell aber noch nicht gesprochen werden. "Wenn die Zielmarke von 6.622 Punkten durchbrochen werden kann, dann sind sogar Kursgewinne bis auf 6.800 Punkte möglich. Aber auch das sollte nur als Zwischenerholung gewertet werden. Zu viel Optimismus könnte gefährlich sein", weiß der Experte. Eine wichtige Unterstützung sieht Siegert bei 6.236 Punkten. Diese Linie dürfe im Hinblick auf eine mögliche Trendumkehr nicht mehr nach unten durchbrochen werden.
Die internationalen Bluechips bewegen sich aus Sicht des Technikers im Gleichklang mit dem deutschen Leitindex. "DJ Euro Stoxx, Dow Jones und Co. entwickeln sich momentan ähnlich wie der DAX. Kurzfristig Potenzial besteht zwar, die übergeordnete Abwärtsbewegung scheint aber auch hier noch nicht beendet."
Banken-Zug schon abgefahren
Das Kurspotenzial der zuletzt wieder verstärkt nachgefragten Finanztitel ist nach Einschätzung von Martin Siegert nur noch sehr begrenzt. "Wir haben den Anlegern zum Einstieg geraten, als Banktitel richtig abgerutscht sind, jetzt könnte es aber schon etwas zu spät sein, um auf den Zug noch aufzuspringen. Unser Kursziel für die Deutsche Bank liegt beispielsweise bei 65 Euro. Das impliziert gegenüber dem aktuellen Kurs der Aktie gerade mal noch rund 8 Prozent Aufwärtspotenzial." Dennoch könnten Finanztitel aus Sicht des Analysten im Falle eines weiteren Kurseinbruchs an den Aktienmärkten eine relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt aufweisen, da sie in den vergangenen Monaten deutlich stärker eingebrochen seien als der Standard. Zudem hätten die Chartverläufe der Banktitel mit einer so genannten Inselumkehr zuletzt ein Trendwendesignal gesendet. "Wir haben bei den Bank-Papieren einen bullishen Island Reversal gesehen, das ist ein seltenes, aber zuverlässiges Signal für eine Trendumkehr."
Unentschiedene Anleger
Die aktuelle Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren kommt zu dem Ergebnis, dass die Anleger in dieser Woche verstärkt eine abwartende Haltung einnehmen. 11 Prozent der befragten Investoren sind aus dem Markt der Bluechips gegangen und ins neutrale Lager gewechselt, bei den TecDax-Werten immerhin 10 Prozent. Anders als beim DAX haben bei den Technologiewerten aber vor allem pessimistische Anleger ihre bisherige Haltung aufgegeben.
Die vollständige Analyse lesen Sie heute nachbörslich auf www.boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.
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