Börse Express: Herr Siegl, bankdirekt.at fällt seit Monaten durch aggressive Sparangebote auf. Wie haben Sie sich im (Raiffeisen)Sektor und generell positioniert?
Wolfgang Siegl-Cachedenier: Die bankdirekt.at als eigenständige Bank ist ein Unternehmen der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die für günstige Konditionen gepaart mit attraktiven Zinsen, Sicherheit und Geschwindigkeit steht. Grundsätzlich handelt es sich um eine Vollbank, d.h. die Kunden führen sowohl Konten als auch Wertpapierdepots bei der bankdirekt.at.
Welches Produktuniversum bieten Sie an?
Wir bieten Produkte für die private Geldanlage und den Onlinewertpapierhandel. Direkte Anbindungen an die wichtigsten Welt-börsen und der ausserbörsliche Direkthandel mit den grössten Emittenten in Verbindung mit starken Tools und Informationen für eine fundierte Anlageentscheidung runden das Angebot ab und ermöglichen dem selbständig agierenden Investor erfolgreiche Investments zu tätigen. Alle in Österreich handelbaren Fonds sind direkt über die entsprechende Fondsgesellschaft bzw. über diverse Börseplätze wie z.B. Wien, Hamburg zu beziehen. Ein Grossteil der Fonds kann der Kunde ab 30 Euro im Monat ansparen. Die bankdirekt.at ist anbieterneutral - der Kunde entscheidet selbst welches Produkt am besten zu seiner jeweiligen Lebenssituation passt.
Sie setzen wie eingangs erwähnt besonders auf Sparprodukte...
In turbulenten Börsezeiten spielen natürlich die günstigen Transaktionsgebühren eine wichtige Rolle; auf der anderen Seite sind zur Abrundung eines Portfolios auch die Zinsen auf dem Wertpapierverrechungskonto und andere Sparformen - bis zu 5% Zinsen bei der bankdirekt - ein wesentlicher Erfolgsfaktor für alle Kunden in der Allokation ihrer Veranlagung. Kunden einer Direktbank halten im Durchschnitt Fünf- bis Zehntausend Euro auf dem Wertpapierverrechungskonto - über diesen Zinsvorteil generieren unsere Kunden um die 200 bis 300 Euro extra bei ihren Veranlagungen im Vergleich zu anderen Diskontbrokern, die magere Zinsen von 0,25% bieten. Fast jeder hat einen Teil seiner Veranlagung in Cash...
Bieten Sie auch Anlageberatung an?
Die bankdirekt.at hat keine Anlageberatung im herkömmlichen Sinn. Wir unterstützen aber unsere Kunden und Interessenten sehr wohl beim Kennenlernen bzw den ersten Schritten im Onlinegeschäft und bieten Veranstaltungen wie bspw im Mai diesen Jahres mit der Raiffeisen Centrobank mit über 1000 Teilnehmern. Für den Herbst haben wir schon wieder ein paar sehr interessante Ideen, die wir unseren Kunden und Interessenten ab Mitte August präsentieren werden - ich lade alle Interessierten ein, sich jetzt schon für unseren Serviceletter zur registrieren. Unser Informationsangebot wird mit einem umfangreichen Servicebereich auf unserer Homepage ergänzt.
Was meinen Sie: Wie werden sich die Zinsen weiter entwickeln?
Bezüglich der Zinsentwicklung wird unterschieden zwischen dem Geldmarkt - Laufzeiten bis zu einem Jahr - und dem Kapitalmarkt. Die weitere Entwicklung am Geldmarkt wird getrieben durch die Leitzinspolitik der EZB und der Liquiditätssituation am Geldmarkt. Aktuell ist die Situation am Geldmarkt weniger liquide, daraus ergibt sich ein grösserer Abstand zwischen Leitzins - aktuell 4,25% aufgrund der letzten Erhöhung der EZB - und den längeren Geldmarktzinssätzen. Am Kapitalmarkt entwickeln sich die Zinsen in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage sowie der längerfristigen Inflationserwartungen. Für 2008 erwartet das Wifo eine Inflation von 3,5% und das IHS von 3,2%. Für 2009 liegen die Inflationserwartungen bei 2,3% (Wifo) bzw 2,7% (IHS). Trichet sprach in der Pressekonferenz zur Leitzinserhöhung, dass grundsätzlich keine weiteren Zinserhöhungen auf der Agenda stehen wobei das Ziel ist, dass die EZB Preisstabilität liefern wird, auch wenn die Inflationsraten noch länger höher bleiben werden. Das heisst, weitere Zinsschritte nach oben und auch nach unten hängen mittelfristig von den Erwartungen zur Inflation ab. Die aktuelle Zinskurve ermöglicht uns unseren Kunden besonders attraktive Angebote zu bauen. Wir bieten aktuell bis zu 5% Zinsen im gebundenen Sparsegment und für alle Neukunden 4,45% täglich fällig bei einer Einlage bis zu 20.000 Euro, garantiert bis Ende des Jahres. Als Internetbank setzen wir auf schlanke Prozesse und verzichten auf ein kostenintensives Filialnetz und können damit unseren Kunden Topkonditionen bieten.
Sollte man jetzt eher kurzfristig oder langfristig sein Kapital binden?
Hier spielt die persönliche Situation bzw. der Liquiditätsbedarf des Anlegers eine wichtige Rolle - grundsätzlich gehen unsere Experten in der Raiffeisenlandesbank OÖ in der 2. Jahreshälfte von keinen Zinserhöhungen mehr aus. Der 3-Monatseuribor sollte sich gegen Jahresende zwischen 4,5% und 5% bewegen - die grosse Unsicherheit an den Märkten - Finanzkrise, Explosion der Rohstoffpreise und die damit verbundene Inflation - machen aber Prognosen zurzeit sehr schwierig. Im Herbst sehen wir hier aber auch eine Beruhigung der Märkte und der Druck auf die EZB und die langfristigen Zinsen sollte sinken.
Welche Ziele verfolgen Sie mit bankdirekt.at in den nächsten Jahren?
Die bankdirekt.at ist in den letzten 10 Jahren zu einer der Top Direktbanken aufgestiegen - diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen und uns als wichtigste Direktbank Österreichs und dem angrenzenden Ausland mit einem rein österreichischen Eigentümer etablieren. Mit der Raiffeisenlandesbank OÖ als Mutterunternehmen sind wir flexibler als andere Direktbanken mit internationaler, oft komplexer Eigentümerstruktur. Die bankdirekt.at wird über die nächsten Jahre das Produktportfolio Schritt für Schritt ausbauen, wobei das Kerngeschäft das Veranlagungsgeschäft bleiben wird. Es wird auch in Zukunft um die kostengünstige und schnelle Erledigung der Geldgeschäfte gehen - weitere mögliche Produkte werden geprüft. Ziel ist es, immer hochqualitative Produkte zu besten Konditionen aber ohne spezifische Beratung anzubieten.
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