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Börse Express: Herr Ramberger, was sagen Sie zum neuerlichen Kursrutsch an den Aktienmärkten?
Christian Ramberger: Wenn man es absolut betrachtet, dann war das schon eine starke Kursbewegung nach unten. Im Mai habe ich mir gedacht, dass die Erholung etwas überzogen war. Vor allem die Dynamik der Erholung hat mich überrascht. Sie war erfreulich, aber eben auch überraschend schnell. Die Ergebnisse damals waren - mit wenigen Ausnahmen - zwar recht gut, aber die Erholung war stärker als das die Gewinnsituation ergeben hätte.
BE: Wie bettet sich Wien in das Szenario fallender Aktienkurse ein?
Ramberger: Der Absturz ist im Wesentlichen durch eine globale Situation an den Märkten ausgelöst worden - durch die Unsicherheiten beziehungsweise Ängste im Bankensektor, dass es dort notwendige umfangreiche Kapitalmassnahmen geben müsse. Mit ein Faktor war natürlich auch der Anstieg des Rohölpreises, der sich langfristig auf die Konjunktur auswirken wird. Dem konnte sich Wien auch nicht entziehen, wenngleich man sagen muss, dass einige Faktoren für die Unternehmen in Österreich nicht gelten. Wir haben zum Beispiel keine Finanzkrise und trotzdem wurden die Bankaktien abgestraft - viel zu stark übrigens, wie ich meine.
BE: Wie kann man sich dem als Fonds entziehen? Wie haben Sie reagiert?
Ramberger: Ein Teil des Erfolges in unserem Österreich-Aktienfonds gegenüber den Peers ist natürlich, dass wir eine strategische Quote von rund 15% mit Aktien aus Osteuropa haben. Das war einfach eine Entscheidung, weil wir gesagt haben, österreichische Unternehmen sind teilweise stark in Osteuropa präsent, da können wir auch umgekehrt dort investieren. Und das hat sich auch langfristig als gute Entscheidung herausgestellt, wie man sieht. Denn hier hat es nicht nur einen positiven Beitrag zur Fondsperformance gegeben, sondern auch eine bessere Risikodiversifizierung. Zum anderen sehe ich es als Vorteil, dass ich mich zwar schon längere Zeit als Fondsmanager mit Österreich beschäftige, aber darüber hinaus auch Europa im Blick habe. Das lässt einen sektorale Trends besser erkennen.
BE: Wie haben Sie unmittelbar auf die Krise reagiert und wie sind Sie weiter aufgestellt?
Ramberger: Wir fahren eine aktive Strategie, die natürlich versucht, auf Volatilitäten zu reagieren. Das müssen wir auch, weil der ATX ohnehin nicht nachzubilden ist, wegen der Gewichtungen der grosskapitalisierten Werte. Wir haben ausserdem die Cashquote etwas nach oben genommen. Diese liegt nun bei rund 3% - das ist schon mehr als sont üblich, wo wir voll investiert sind.
BE: Rechnen Sie bereits mit einer Erholung und welche Branchen/Titel werden sich am raschesten erholen?
Ramberger: Die Märkte sind bereits stark zurückgekommen, das gilt auch für Wien. Wir werden bei den Halbjahreszahlen sehen, dass diese zwar nicht mehr ganz so gut sein werden, aber besser als es das aktuelle Marktniveau widerspiegelt. Es kann eine Erholung geben, dafür muss sich aber das Sentiment international klar verbessern. Wenn es dann soweit ist, sollten in Wien wieder die Bankwerte zuerst steigen, auch eine OMV ist auf dem Niveau zu günstig, selbst wenn der Ölpreis weiter fallen sollte. Ich gehe ausserdem davon aus, dass der Stahlboom weiter gehen wird, obwohl es in Europa derzeit sicher günstigere Stahlaktien als die voestalpine gibt. Bei den kleineren Werten wird es noch ein wenig dauern, das erfordert ein klar besseres Marktsentiment. Man kann aber noch nicht sagen, dass bereits eine Entwarnung zu geben ist. Sehr positive Nachrichten sehe ich nämlich noch nicht.
Aus dem Börse Express vom 18. Juli 2008 Interview: Peter R. Nestler
Die Langfassung des Interviews plus Daten zu den Austro-Aktienfonds finden sie am kommenden Montag im FONDS EXPRESS. Zur Anmeldung für den Gratisbezug des führenden österreichischen Fondsmagazins als PDF geht es hier: www.boerse-express.com /nl
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