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(c) Bloomberg
18.07.2008

Garantiezertifikate (selbst)kritisch betrachtet

Gast-Exkurs: Andreas Dolezal, Die Manufaktur, mit Überlegungen zu Garantien
 
Nicht alle Marktteilnehmer sehen in Garantiezertifikaten ein ernstzunehmendes Anlageinstrument. Von den Emittenten über die Berater bis hin zu kleinen und grossen Anlegern sind die Meinungen darüber geteilt.

Auf den ersten Blick sogar mit Recht. Eine ganze Reihe, noch dazu mit langen Laufzeiten, notiert heute deutlich unter dem ursprünglichen Emissionskurs. Das liegt vielfach am gestiegenen Zinsniveau, das wir alle nicht beeinflussen können, und dem Aufbau mittels Optionen, die erst am Ende der Laufzeit ihre volle Wirkung entfalten. Die Momentaufnahme liefert aber fallweise ein tristes Bild.

Klassische "Worst of"-Strukturen mit vielen Stichtagen tragen ebenfalls nicht zu mehr Vertrauen bei. Zu oft hat eine einzelne Aktie aus einem Korb von 20 oder 30 Titeln schon die Kuponchance reduziert oder gar vernichtet. Solchen Funktionsweisen werden gerade im derzeitigen Börsenumfeld oft schon wenige Wochen nach der Emission die Flügel gestutzt.
Haben die Skeptiker wirklich Recht, wenn sie meinen, dass an Garantiezertifikaten nur die Emittenten verdienen? Nein, sicherlich nicht! Zugegeben, der Produktgeber verdient immer, das ist bei Zertifikaten nicht anders als bei allen anderen Anlageformen, wie beispielsweise Investmentfonds. Die Verdienstspannen von Versicherungen und Beteiligungsmodellen erreichen wir Emittenten allerdings bei Weitem nicht.

Zinsen machen es leichter
Es gibt eine Vielfalt von Garantiezertifikaten, die Sinn machen und Gewinne erzielen. Dabei müssen wir uns im Klaren sein, dass Zertifikate mit Kapitalgarantie grundsätzlich zur Gruppe der konservativen Investments zählen. Das Mehr an Sicherheit - oder Mindestverzinsung - führt auf der Seite des Ertrags zwangsweise zu Einschränkungen. Jährliche Gewinne im zweistelligen Bereich, wie sie aktuell bei einigen Rohstoff-Garantiezertifikaten zu sehen sind, werden die Ausnahme bleiben. Abseits der Strukturen auf Aktien finden wir eine breite Palette von Basiswerten und Funktionsweisen, die Portfolios diversifizieren und bereichern können. Rohstoffe aller Art, Währungen, Hedge Funds oder auch Frachtraten- und Verbrauerpreisindizes zählen dazu. Oft handelt es sich dabei um Basiswerte, die ohne Zertifikate-Hülle gar nicht einsetzbar wären. Hier ist noch reichlich Potenzial vorhanden, um den Horizont der Privatanleger zu erweitern.
Mit wieder gestiegenem Zinsniveau können die Laufzeiten kürzer werden. Damit reduziert sich die Zinssensitivität deutlich. Die Gefahr, dass Zertifikate während der Laufzeit weit unter den Emissionspreis fallen, nimmt selbst bei "kollabierendem" Basiswert sichtbar ab. Schwierige Börsenphasen können so vergleichsweise unbeschadet überstanden werden. Obwohl Garantiezertifikate zu den klassischen "Buy and Hold"-Investments zählen, sollten sie während er Laufzeit vom Kunden, oder seinem Berater, beobachtet und bewertet werden. Es spricht nichts dagegen, bei gutem Wind Gewinne mitzunehmen. Ebenso spricht manchmal einiges dafür, Verluste zu realisieren und bessere Alternativen zu wählen.

Ertragschance essentiell
Bei allen Annehmlichkeiten, die Garantiezertifikate bieten, werden sie aber in Zukunft nur dann einen fixen Platz in den Portfolios haben, wenn wir Emittenten dem Wunsch vieler Anleger nach Sicherheit in Verbindung mit Ertragschancen ernsthaft begegnen.
Ein paar Schritte von der Quantität in Richtung der Qualität wären ein guter Ansatz, um den nachhaltigen Erfolg von kapitalgarantierten Zertifikaten für alle Beteiligten sicherzustellen.

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