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08.07.2008

Konsumflaute in den USA macht vor Edelkaufhäusern nicht Halt

Bloomberg zu aktuellen Markttendenzen
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Beim Edelkaufhaus Saks in der feinen New Yorker Fifth Avenue konnte selbst der Rabatt von 60 Prozent die Kundin Mary Beth Gonzalez nicht mehr zum Kauf einer Luxustasche der italienischen Marke Dolce & Gabbana bewegen. Denn in den USA hat die Angst vor Jobverlust, sinkenden Aktienkursen und rückläufigen Immobilienwerten inzwischen auch die Reichen erfasst. Der Umsatz der Luxuskaufhäuser wie Saks wird in diesem Jahr zwei Prozent zurückgehen, schätzt Chef- Ökonom Michael Niemira vom Internationalen Verband der Einkaufzentren.

Wenn selbst die Rabattaktionen kaum mehr wohlhabende Kunden zum Kauf teurer Markenware verführen können, sind die hohen Preisnachlässe umso stärker in den Bilanzen spürbar: Bei Sak's ist die operative Marge bereits von 5,3 im vierten auf 4,7 Prozent im ersten Quartal gefallen und beträgt damit weniger als die Hälfte im Vergleich zu den großen Konkurrenten Nordstrom Inc. und Neiman Marcus Group Inc.

Saks-Kundin und Medienmanagerin Gonzalez ist nach eigenen Angaben preisbewusster geworden. Die 42-jährige geht an diesem Nachmittag Anfang Juli mit leeren Händen aus dem Kaufhaus. Nicht unbedingt notwendige Anschaffungen habe sie grundsätzlich um die Hälfte reduziert: "Mit den Unsicherheiten über die Konjunktur habe ich das Gefühl, ich müsste meine Sparquote erhöhen".

Damit könnte auch die letzte ertragsstarke Bastion des US- Konsums - die Luxusgüterbranche - unter der Last der Kreditkrise und unter dem Damoklesschwert einer Rezession in den USA zusammenbrechen, befürchten Experten.

Die Umsätze in Luxusläden sind in diesem Jahr bis Mai um 0,6 Prozent gesunken. Angesichts von Stellenabbau in der Finanzindustrie, sinkenden Kursen an den Börsen und verfallenden Hauspreisen ist auch den besonders Wohlhabenden die Konsumlaune vergangen. Dieses Szenario zeichnete Michael Niemira, Chefökonom der Branchenvereinigung International Council of Shopping Centers, in einem Interview mit Bloomberg News am 1. Juli.

Noch zum Jahresbeginn hatte Niemira eine Steigerung von zwei Prozent in Aussicht gestellt. "Das oberste Ende der Preisskala im Einzelhandel wurde bislang als resistent gegen eine Marktabschwächung angesehen", sagt Vermögensverwalter David Abella von Rochdale Investment Management LLC in New York.

Die Börse hat solche schwachen Entwicklungen bereits vorweggenommen: In den letzten beiden Wochen hatten Aktien von Saks bereits 22 Prozent an Wert verloren, während jene des Konkurrenten Nordstrom 7,2 Prozent nachgaben. Der Gesamtmarkt, gemessen am Standard & Poor's 500-Index, verlor fünf Prozent.

Teilweise seien die Probleme bei Saks sicherlich hausgemacht, sagt die Vermögensverwalterin Patricia Edwards von Wentworth Hauser & Violich. Aber es wäre nachlässig, die Verluste nicht auch als Warnung für die anderen Luxus- Einzelhändler zu verstehen. "Die Situation bei Saks macht mich aber schon stutzig", sagt sie.

Allerdings teilt nicht jeder Experte den vorherrschenden Pessimismus. Analyst Todd Slater von Lazard Capital Markets empfiehlt die Saks-Aktie auf dem derzeitigen Kursniveau - einem Fünf-Jahrestief - zum Kauf und sagt: "Die Kaufhauskette ist gut positioniert für eine Erholung". Einzelhandels-Analystin Deborah Weinswig hatte in einer Studie vom 13. Juni erklärt, dass sie inzwischen noch stärker an einen bevorstehenden Buyout glaubt.

Vermögensverwalter Abella von Rochdale rechnet mit einem weiteren Kursverfall von 20 Prozent bei Saks-Aktien. Der seit langem erwartete Buyout habe bislang nicht stattgefunden, das habe die Enttäuschung unter den Anlegern verstärkt. Zwar hatte der isländische Finanzinvestor Baugur Group Hf im Oktober erklärt, ein Übernahmengebot über die eigenen 8,5 Prozent hinaus sei möglich. Bis jetzt hat sich aber noch nichts getan.

Vermögensverwalterin Edwards von Wentworth Hauser jedenfalls hat sich Ende Mai von allen ihren 25.000 Saks-Aktien im Portfolio getrennt. "Um es mit Carly Simon zu sagen", zitiert die Finanzexpertin die in den USA für ihr Leben in Luxus und Glamour bekannte Popsängerin, "ich habe keine Zeit für den Schmerz".

(Bloomberg)

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