Börse Express: Herr Baller, ein Wiener
Unternehmen bringt für die Heim
-Euro 17 Sportzertifikate in den regulierten Markt der Börse Berlin. Das interessiert uns natürlich sehr. Wie sind die Produkte strukturiert?
Matthias Baller: Sportzertifikate sind ereignisabhängige Schuldverschreibungen. Die Konstruktion ist daher grundsätzlich vergleichbar mit sonstigen Zertifikaten, nur dass der Auszahlungsbetrag allein vom Ausgang eines Sportereignisses abhängt. Unsere aktuellen
Zertifikate zur Euro 2008 sind als Meisterzertifikate ausgestaltet und beziehen sich jeweils auf ein Teilnehmerland. Nach Ablauf der Euro 2008 erhalten die Inhaber des auf die Siegermannschaft lautenden Zertifikats eine Auszahlung von 100 Euro, die anderen Zertifikate verfallen wertlos.
BE: Es handelt sich quasi um eine umgekehrte Sportwette, die handelbar ist. Mit entsprechendem Risiko ...
Baller: Ja, Sportzertifikate als
Termingeschäfte tragen grundsätzlich das Risiko des Totalverlusts in sich. Dadurch, dass die Sportzertifikate an der Börse handelbar sind, können sie jedoch - im Gegensatz zu Sportwetten - jederzeit zu tagesaktuellen Kursen wieder verkauft werden, z.B. wenn ein
Anleger nicht mehr an seine Mannschaft glaubt und den Verlust begrenzen möchte. Spiegelbildlich kann der Anleger aber auch von steigenden Kursen profitieren und Gewinne realisieren, etwa wenn an der Börse der Preis für eine Aussenseiter-Mannschaft steigt, die wider Erwarten die Gruppenphase überstanden hat.
BE: Für dieses Beispiel fällt mir spontan
Österreich ein ...
Baller: Genau. Österreich ist ein absoluter Aussenseiter, der Verkaufspreis steht aktuell bei 1,22 Euro, was einer Wettquote von ca. 82 entspricht. Sollte Österreich die Vorrunde überstehen, dürfte der
Kurs wohl sehr, sehr kräftig steigen.
BE: Sie bieten auch ein "Nicht
-Deutschland-Zertifikat" an, das quasi das in Österreich so beliebte "Nur nicht Deutschland" handelbar macht ...
Baller: Richtig. In diesem Zertifikat haben wir die Siegchancen aller 15 anderen Mannschaften - ausser Deutschland - gebündelt. Gewinnt irgendeine dieser 15 anderen Mannschaften die Euro 2008, kommt es zur Auszahlung von 100 Euro. Wird Deutschland dagegen Europameister, ist der Einsatz verloren. Dieses Zertifikat hat den Charme, dass es bis zu vier Gewinnchancen bündelt, denn Deutschland könnte bereits in der Gruppenphase scheitern oder aber bei einem der drei Spiele der Finalrunde ausscheiden. Mit einem aktuellen Verkaufspreis von 88,50 Euro bei einer Gewinnchance von 100 Euro - dies entspricht einer Wettquote von 1,13 - weist dieses Zertifikat ein interessantes Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger auf, die einerseits nicht an einen Erfolg Deutschlands glauben, sich andererseits aber nicht auf den kommenden Europameister festlegen wollen.
BE: Wo genau können die Sportzertifikate gehandelt werden?
Baller: Die Sportzertifikate werden an der Börse Berlin und auf der deutschen Handelsplattform Tradegate (www.tradegate.de oder www.sportzertifikate.de) gehandelt.
BE: Und warum haben Sie als Wiener Unternehmen Ihre Produkte nicht an die viel näher gelegene
Wiener Börse gebracht?
Baller: Die Börse Berlin hat im vergangenen Jahr mit "EventPLUS" ein Handelssegment für ereignisbezogene Finanzinstrumente im regulierten Markt geschaffen, in dem wir uns mit unseren Sportzertifikaten sehr gut aufgehoben fühlen. Daneben haben wir natürlich auch über ein
Listing an der Wiener Börse nachgedacht, diese Idee aber aus verschiedenen Gründen bislang nicht weiter verfolgt.
Aus dem Börse Express vom 5.6.:
http://www.boerse-express.com/abo
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