Austro-Kapitalmarkt noch immer unterentwickelt - Banken sehen sich nicht als Steuereintreiber
"Wir pochen auf die Einhaltung des Regierungsprogramms, das eine grosse Steuerreform mit spürbarer Entlastung für die Bürger und ohne Gegenfinanzierung versprochen hat", hält
Hellmut Longin, Präsident des Aktienforums, anlässlich der heute stattgefundenen Präsentation des Positionspapiers "Steuerreform 2010 aus Kapitalmarktsicht", fest. Die vorgeschlagene
Vermögenszuwachssteuer stehe diesem Vorhaben diametral entgegen.
"Der österreichische Kapitalmarkt ist trotz der positiven Bemühungen der letzten Jahre im internationalen Vergleich unterentwickelt. Jede zusätzliche Besteuerung in diesem Bereich würde diesen Aufholprozess jäh unterbrechen" so Longin weiter. Im Vergleich von 21
OECD-Staaten nimmt
Österreich im Bezug auf die
Marktkapitalisierung nur den 16. Rang ein. Beim Finanzvermögen der Privathaushalte liegt Österreich innerhalb der Eurozone nur an vorletzter Stelle, vor allem auch weil die Haushalte noch immer nur unterdurchschnittlich in
Wertpapiere investieren, und auch bei der Eigenkapitalausstattung der
Unternehmen liegt Österreich rund 15 Prozentpunkte unter dem
EU-Durchschnitt.
"In dieser Situation eine neue Steuer in diesem Bereich zu erfinden, wäre Ausdruck einer vollkommenen Fehleinschätzung der wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten" so Longin weiter. Die grösste Anzahl an Wertpapierbesitzern findet sich in den Haushalten mit einem Finanzvermögen von rund 92.000
Euro und ab einem Nettoeinkommen von 3.000 Euro im Monat. Die neue Steuer treffe also keineswegs das "Grosskapital", sondern hunderttausende Mittelstandsfamilien.
"Eine Besteuerung der Vermögenszuwächse von Wertpapierinvestments würde die derzeit gute steuerliche Position Österreichs drastisch verschlechtern. Im internationalen Vergleich würden wir mit einem Steuersatz von 25 % vom oberen in das untere Mittelfeld abstürzen" ergänzt
Markus Fichtinger, Geschäftsführer des Aktienforums. Eine Studie des schwedischen Aktionärsverbandes hat die Besteuerung von Wertzuwächsen bei Wertpapieren in 36 Staaten untersucht. In immerhin 11 Staaten sind Wertzuwächse steuerfrei und in 7 weiteren gibt es hohe Freibeträge und einen reduzierten Steuersatz.
Auch von Bankenseite kommt Unterstützung: "Die
Banken werden bei dieser Steuer sicher nicht die Funktion des Steuereintreibers übernehmen. Die steuerliche Benachteiligung von Wertpapierinvestments muss der Staat schon selbst exekutieren" stellt Christian Jauk, Mitglied des Aktienforumvorstandes und
CEO der
Capital Bank - Grawe. (red)