Wer zuletzt mit
Anleihen oder
Aktien deutliche Kursverluste erlitten hat, sollte die Nerven nicht wegschmeissen, sondern noch ein paar Monate Geduld aufbringen. Ein Überwechseln in den
Geldmarkt sei jetzt keine gute Idee, finden die Experten der Kathrein-Bank. Die Börsenturbulenzen sollten "bald ausgestanden" sein.
Ins Sparbuch zu gehen, sei "im Juni eine gute Empfehlung gewesen", meinte Kathrein-Chef Christoph Kraus (Bild) am Freitag vor Journalisten. Jetzt wäre das die verkehrte Strategie. Viele Indikatoren deuteten darauf hin, dass Renten und Aktien 2008 wieder bessere Erträge bringen sollten als Sparbücher. Die Erholung der Kurse sollte nach fundamentalen Daten jedenfalls heuer einsetzen, alte Höchststände früher eintreten als nach früheren Talfahrten.
Die Bank hat historische Rechnungen über die vergangenen vier bis fünf Jahrzehnte angestellt. Demnach sei anzunehmen, dass der derzeitige "
Bärenmarkt" mit seinen fallenden Kursen dem Ende entgegen geht, rechnete in einer Pressekonferenz in
Wien der Chef des Kathrein-Fondsmanagements, Harald Holzer, vor. Die seit Juni anhaltende Börsenschwäche brachte bisher im Schnitt einen Kursverfall von mehr als 20 Prozent. Folge man den bisherigen langfristigen Trends, dann würden die Aktienkurse noch rund 13 Prozent fallen, bevor es zu einer Erholung von plus 50 Prozent bis zum Jahr 2010 komme. Nach der aktuellen Krise könnte das Wiedererstarken der Kurse auf die alten Höhen früher passieren.
Die Bank, die als 100-Prozent-Tochter der
Raiffeisen Zentralbank (RZB) auf die gehobene
Vermögensverwaltung (inklusive
Stiftungen) spezialisiert ist, hat alle Rezessions-, Depressions- und grossen Schwächephasen seit 1960 analysiert. Ginge es nach den durchschnittlichen "Bärenmärkten", so würde es bis zur Erholung auf die Höchststände von Juni 2007 bis Mai 2010 dauern. Jetzt habe man den ersten "Bear"-Markt seit 1970, wo die KGVs nicht "teuer" seien. Selbst bei einem Rückgang der Gewinne, verbunden mit einer US-
Rezession, wären die Kurs-
Gewinn-Verhältnisse, besonders in Europa, nicht hoch. Damit werde nach bester Einschätzung dieser "Bärenmarkt" eher sanfter und kürzer ausfallen als im jahrzehntelangen Durchschnitt. Damit könnte die Erholung auf die Höchststände schon im kommenden Jahr eintreten.
Extrem dramatische externe Entwicklungen sind in diesem Szenario freilich nicht eingepreist. In den
USA kursierende Befürchtungen, wonach in der
Subprime-Krise an den Finanzmärkten ein "Meltdown" bevorsteht, teilt Kraus nicht: "In Phasen der
Depression kommen immer Weltuntergangsängste auf". Die Finanzwelt und die Kapitalmärkte hätten aber alle Krisen der letzten Jahrzehnte gut gemeistert. Klar sei, dass Abwärtsbewegungen an den Märkten immer steiler seien als anschliessende Aufwärtsentwicklungen.
Die zur Zeit wieder inverse Zinsstruktur, wo die kurzfristigen Zinssätze höher sind als die langfristigen, könnte zum Umstieg von Anleihen auf ein Sparbuch verleiten, da derzeit Sparbücher im Durchschnitt mehr Ertrag als langfristige Anleihen bringen. Dass sich ein solcher
Wechsel nicht lohne, beweist für den Chef-
Fonds-Manager Holzer die Statistik: "In den letzten 47 Jahren ist eine inverse Zinsstruktur nur siebenmal und dann lediglich für einen relativ kurzen Zeitraum aufgetreten." Im Durchschnitt lagen die Anleiherenditen in den Jahren 1960 bis 2007 um 1,6 Prozentpunkte über denen des Geldmarkts. Selbst in inversen Zinssituationen sei die Anleiherendite nur um 0,96 Prozentpunkte niedriger gewesen als der Geldmarkt. Im Schnitt brachten Anleihen nach 12 Monaten um 0,42 Prozentpunkte mehr als kurzfristige Termineinlagen. "Nach einer Behaltefrist von 24 Monaten war mit Anleihen in der Regel das Doppelte zu verdienen."