Helmut Eder (Bild) managt als Geschäftsführer der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur seit Jahren die österreichische Staatsschuld. Konkret hat der Mann in seinem Job dabei zu entscheiden, ob z.B. die österreichischen Bundesanleihen in Euro oder Schweizer Franken begeben werden oder ob die Laufzeit mit fünf oder zehn Jahren bemessen wird. Zudem gilt er als Erfinder der beliebten Bundesschatzscheine. Im Gespräch mit dem BE gibt Eder ein wenig Einblick in seine Strategie.
BÖRSEEXPRESS: Herr Eder, wer sind denn eigentlich heutzutage die klassischen Käufer von österreichischen Bundesanleihen?
HELMUT EDER: Das sind globale Investoren, in erster Linie aus Asien, Amerika und Europa. Österreich gilt als hervorragender Schuldner, der dadurch auch erstklassige Investoren anzieht.
Und die Österreicher? Kaufen die keine österreichischen Bundesanleihen mehr? HELMUT EDER: Also der Prozentsatz liegt bei fast Null. Freilich sind die Österreicher über Investmentfonds auch Käufer von Bundesanleihen, aber das ist kein allzu grosser Brocken.
Im bisherigen Jahresverlauf haben Sie vor allem mittel- und langfristige Anleihen begeben, kurzfristige nur untergeordnet ...
HELMUT EDER: Die kurzfristigen Zinsen sind aktuell sehr hoch, daher begeben wir Anleihen mit längeren Laufzeiten.
Österreich verschuldet sich mittlerweile fast durchwegs in grossen Euro-Tranchen. Der Schweizer Franken und der Yen spielen in Ihren Überlegungen nur noch eine untergeordnete Rolle. Warum?
HELMUT EDER: Schweizer Franken und Yen sind derzeit schwach, da wäre es nicht der richtige Zeitpunkt, Anleihen zu emittieren und sich in diesen Währungen zu verschulden. Wenn die Vorzeichen umgekehrt sind, wir z.B. einen starken Franken haben, dann sind wir gerne aktiv. In einer solchen Konstellation ist es uns schön öfters gelungen, Kursgewinne zu erzielen, wenn die Fremdwährung bei Tilgung niedriger notierte.
Der Dollar ist überhaupt kein Thema?
HELMUT EDER: Nein, weil wir definitiv keine Gambler sind.
Und wie läuft es in Zeiten, in denen Direktbanken aggressives Marketing für Sparprodukte betreiben, mit Ihren kurzfristigeren Bundesschatzscheinen?
HELMUT EDER: Sehr gut. Wir sind der Pionier - seit dem Jahr 2002 aktiv - und auch mit der Sicherheit der Republik Österreich ausgestattet. Wir führen aktuell ca. 50.000 Konten, das Gesamtvolumen liegt bei rund 600 Mio. Euro, gegenüber Ende 2006 ist das mehr als eine Verdoppelung. Und während der Anteil der österreichischen Käufer bei den Bundesanleihen sehr klein ist, ist bei den Bundesschätzen der "Nicht-Österreich-Anteil" bei nur ca. 7 Prozent.
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