Die richtige Wahl der Unternehmensfinanzierung ist angesichts von
EU-Erweiterung und fortschreitender Globalisierung zu einem Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit von
Unternehmen auch in Österreich geworden. Das gilt insbesondere für Familienunternehmer, die ihr Unternehmen auch für die nachfolgenden Generationen im Familienbesitz erhalten wollen. Das WirtschaftsBlatt hat daher Familienunternehmer aus dem Kreis der "Besten Familienbetriebe Österreichs" gefragt, wie wichtig für sie frisches Kapital in den nächsten Jahren ist, um damit etwa Wachstum, Expansion oder eine Verbesserung der Finanzstruktur ihres Unternehmens zu erreichen, um neue Chancen auf ihren Märkten nutzen zu können. (ejf)
Andrea Berghofer, Geschäftsführerin des Adler-Werks:
"Das Adler-Werk hat sich immer zu einer hohen Eigenkapitalquote verpflichtet. Das bedeutet einerseits jedes Jahr
Steuern zu bezahlen, aber dafür stehen wir auf gesunden Füssen und sind von "frischem Kapital" für unsere Wachstumsstrategie in den nächsten Jahren eher unabhängig. Da wir in Europa wachsen wollen, ist es für uns allerdings äusserst wichtig, in den nicht deutschsprachigen Ländern Kontakte zu in Österreich tätigen
Banken zu unterhalten. Die Ein- und Auszahlungen können so über ortskundige Kreditinstitute abgewickelt werden.".
Martin Essl, Vorstandsvorsitzender von Baumax:
"bauMax steht als Marktführer der DIY-Branche in Österreich und Zentraleuropa in einer klaren Expansionsphase. Dabei ist es wichtig, die besten Standorte innerhalb der nächsten 5 Jahre für uns zu sichern. Dies erfordert ein hohes finanzielles Engagement. Die Familie ist bereit, den überwiegenden Teil der erwirtschafteten Erträge für die erforderliche
Finanzierung einzubringen. Darüber hinaus bedienen wir uns dem gut ausgebildeten Kapitalmarkt. Banken haben sich durch Basel II vom reinen Geldgeber zum Finanzierungsdienstleister gewandelt. Bei uns steht daher neben der laufenden Verbesserung der Kundenleistung die stetige Verbesserung unserer
Bonität zur Erreichung der bestmöglichen Konditionen im Focus."
Johannes Michael Wareka, Geschäftsführer von Marzek Etiketten
"Wir haben auch nach dem Kauf des Ungarischen Unternehmens Kner weiterhin eine Eigenkapitalquote von über 50%. Vor dem Kauf hatten wir einen Banksaldo zu unseren Gunsten - Gelder wurden veranlagt. Die teilweise Zwischenfinanzierung des Unternehmenskaufes durch Kredit planen wir bereits nächstes Jahr gänzlich wieder zurückbezahlt zu haben. Aufgrund unserer Bilanzstruktur erhalten wir sehr gute Finanzierungskonditionen, falls erforderlich - wir sind Gewinner von Basel II. Bei unseren Banken haben wir erhebliche freie Kreditrahmen, mit welchen wir durchaus noch ein weiteres Unternehmen ankaufen könnten. Für die Verbesserung unserer Finanzstruktur ist daher kein zusätzliches Kapital erforderlich. Wenn wir in den nächsten Jahren weitere strategische Schritte vornehmen, dann werden wir die für den jeweiligen Fall optimale Finanzierungsstruktur aus dem möglichen Repertoire wählen. Jedenfalls betreiben wir eine eher konservative Finanzpolitik in unserem Unternehmen, welche die Unternehmenssubstanz langfristig absichert."
Karl Handl, Aufsichtsratsvorsitzender von Handl Tyrol:
"Entsprechend der strategischen Ausrichtung und des geplanten Wachstums ist die Finanzierungsstruktur von wesentlicher Bedeutung. Dabei ist die optimale Zusammensetzung des Kapitals, der Einsatz von neuen Finanzierungsformen und die Berücksichtung der Eigenkapitalquote von grundlegender Bedeutung."
Fritz Ebner, Geschäftsführer der Leier Baustoffe-Holding:
"Frisches Kaptal ist aus folgenden Gründen für unser Unternehmen zur Verbesserung der Finanzstruktur und für unser Wachstum und unsere Expansion wichtig."
Sigi Menz, Vorstand der Ottakringer Brauerei AG:
"Den Löwenanteil unseres Finanzierungsbedarfs decken wir aus dem eigenen Cahs Flow. Jüngst haben wir aber auch eine fünfjährige Unternehmensanleihe in der Höhe von 15 Millionen
Euro begeben. Schliesslich ist für ein innovatives, eigenständiges Unternehmen wie der Ottakringer Brauerei frisches Kapital beinahe ebenso wichtig wie frisches Bier. Modernisierung und Wachstum verlangen ganz einfach nach frischem Geld."
Rohtraut Skatsche-Depisch, Geschäftsführerin von DCM DecoMetal:
"Für unser Familienunternehmen DCM DECOmetal
GmbH ist es notwendig weiter zu wachsen und zu expandieren und strategische Investitionen zu tätigen. Aus diesem Grund ist eine kontinuierliche Verbesserung unserer Finanzierungslinien erforderlich. Wir gehen davon aus, dass im Hinblick auf Basel II dieses frische Kapital auch vermehrt über
Eigenkapital aufzubringen sein wird."
Michael Loacker, Geschäftsführer der Loacker Recycling GmbH:
"Es ist auch für uns ein sehr wichtiges Thema. Immer bei den neuen Beteiligungen ist es für uns eine Überlegung. Bisher haben wir jedoch die Finanzierung bei der Bank bzw. auch teils aus dem Cash-flow darstellen können. Wir könnten zwar durch eine andere Struktur der Finanzierung unsere Bilanzkennzahlen verbessern, haben aber ansonsten bisher keinen Nachteil gehabt. Bei noch expansiveren bzw. stärkerem Wachstum ist eine andere Finanzierung erforderlich."
Alfons Schneider, Geschäftsführer der Schneiders Bekleidung GmbH:
"Wir sind derzeit und wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren an frischem, zusätzlichen Kapital eher nicht interessiert, da unser Unternehmen über eine hohe Eigenkapitalrate verfügt und wir auch die Investitionen der nächsten Jahre aus Cash-flow und über kurzfristige Bankkredite finanzieren können."
Karl Polzhofer, Geschäftsführer der Kapo Holding GmbH:
"Wir finanzieren grössere Investitionen, um Beispielz Betriebserweiterungen, mit langfristigen Krediten unserer Hausbanken. Das erforderliche Umlaufvermögen und die Tilgung müssen verdient werden, das heisst, dafür verwenden wir Eigenkapital. Geht sich das Ganze nicht aus, verzichten wir auf grössere Investitionen."