logo No.1 Börse
User online: 109
pxp
18.11.2003 10:00
Drucken  | Mailen  | Facebook BE Post

Das Netzwerk der grauen Eminenz Martin Schlaff

Der Wiener Geschäftsmann versteht es bisher glänzend, gute Kontakte zu den Ex-Comecon-Staaten, aber auch zu Israel zu nützen – wobei er nicht nur von wirtschaftlichen Motiven getrieben ist
wobrazek
wobrazek

 MEINUNG 0    TAGESTHEMEN     BLOGS 
 
WirtschaftsBlatt. Der geheimnisvolle Multimillionär Martin Schlaff gilt als überaus verschlossen: Seit je-her wickelt er seine Geschäfte am liebsten abseits der Öffentlichkeit ab. Er hat sich damit jedoch nicht immer Freunde gemacht.

Wien. Der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff hält sich lieber im Hintergrund und macht seine Geschäfte abseits der "Seitenblicke"-Society. Sein Unternehmens-Konglomerat mit dem Kernstück Robert Placzek Holding vermittelt obendrein den Anschein des Alltäglichen, nicht Berichtenswerten: Handel mit Holz, Zellulose und Papier klingt wahrlich nicht allzu spannend.

Dabei gilt Schlaff als facettenreicher Mensch, der auf ein grosses und vor allem einflussreiches Netzwerk bauen kann. Dabei sind es nicht immer vordergründig wirtschaftliche Motive, die hinter seinen Aktivitäten stecken: Er tritt als Spender ebenso auf wie als Vermittler bei politischen Konflikten.

Dass der 50-jährige Geschäftsmann die Medien scheut, hat einen wesentlichen Grund: Mit seinen Aktivitäten ist er bisweilen in die Schlagzeilen geraten. "Irgendwas an mir muss verhext sein. Man schreibt mir immer wirtschaftliche Grosstaten zu. Dabei bin ich gar nicht so interessant", übte sich Schlaff in einem Interview einmal in Understatement. Er wurde bereits als Agent, Lieferant heikler Waren, Abwickler von Scheingeschäften und ähnliches bezeichnet – letztlich erwiesen sich die Vorwürfe als ziemlich haltlos.

Die Basis seiner Karriere ist die Robert Placzek AG, in die er in frühen Jahren eingeheiratet hat. Innerhalb weniger Jahre steigerte er den Wert des Unternehmens auf ein Vielfaches und krempelte sodann die Firmengruppe um. Inzwischen handelt Schlaff nicht nur mit Holz, Zellulose und Papier, sondern ist auch im Glücksspielgeschäft, am Immobiliensektor oder etwa im Mobilfunk aktiv.

Dabei muss nicht alles zu Geld werden, was Schlaff angreift: Vor zehn Jahren hielt der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk eine Laudatio auf Schlaff. Dieser hatte der Stadt Wien seine Antisemitismus-Sammlung mit rund 5000 Exponaten aus dem Zeitraum 1490 bis 1946 geschenkt.

Mit dem Zusammenbruch der DDR begann für den Osthändler Schlaff, der vom Wiener Trattnerhof aus seine Unternehmensgruppe steuert, aber auch für die KPÖ-Treuhänderin Josefine Steindling eine schwierige Zeit: Er wurde in Deutschland auch im Zusammenhang mit der KPÖ-Firma Novum als Stasi-Mitarbeiter mit dem Decknamen IM Landgraf bezeichnet. Weiters wurde ihm vorgeworfen, er habe für die DDR Embargoware beschafft und Scheingeschäfte mit technischen Komponenten zu Lasten der BRD abgeschlossen. Die Deutschen blitzten mit einem Rechtshilfeersuchen in Österreich ab, da Spionage ein politisches Delikt sei – keine Auslieferung, keine Hilfe. Später mussten aber auch die Deutschen zugeben, dass sie nichts belegen konnten, obwohl sie es in einer Reihe von Verfahren in der BRD sowie in der Schweiz probierten.

In Österreich hat er nicht nur KPÖ-Anwalt Harry Neubauer zum Freund: Auch Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner hielt grosse Stücke auf Schlaff und hörte auf dessen Tipps.

Ex-Vizekanzler und Schlaff-Anwalt Norbert Steger brachte ihn mit Casinos Austria-Chef Leo Wallner zusammen. Schlaff und Elsner konnten Wallner überzeugen, sie als Investoren für ein waghalsiges Projekt zu akzeptieren: Die Errichtung des Spielcasinos Oasis ausserhalb von Jericho, wo das Glücksspiel – im Gegensatz zu Israel – erlaubt ist.

Schlaff unterhält bereits seit vielen Jahren beste Beziehungen nach Israel. So zählte er zu den engsten Freunden Ytzak Rabins. Zu seinen derzeitigen Freunden zäh-len etwa Ariel Sharon und dessen Söhne Gilad und Omir auf der einen und hochrangige Palästinenser bis hin zu Yassir Arafat auf der anderen Seite.

Das Geschäft florierte bis zur erzwungenen Schliessung des Casinos. Aber Schlaff hat nach wie vor eine Gewinn bringende Beteiligung: Seine Stiftung ist an der Casinos Austria (Greece) beteiligt. Daneben gibt es ein weiteres Projekt, an dem Schlaff beteiligt ist: In internationalen Gewässern vor der Küste der israelischen Tourismus-Stadt Eilat soll ein Casino-Schiff verankert werden. Allerdings steht noch die Bewilligung für die Zubringerboote aus.

Derzeit stehen die Karten für Schlaff jedoch schlecht: Seine politischen Kontakte wurden ihm wieder einmal zum medialen Verhängnis: Bei Berichten in israelischen Medien über Parteienfinanzierungen im Umfeld von Israels Premier Ariel Sharon und Verkehrsminister Avigdor Lieberman wurde Schlaff als potenzieller Financier genannt, was bisher jedoch nicht mit Fakten belegt werden konnte.

Sein Rechtsanwalt in Israel ist Sharons Kanzleichef Dov Weisglas, der gleichzeitig auch die Interessen österreichischer Unternehmen – wie der Casinos Austria – vertritt.

Anfang vorigen Jahres sorgte Schlaff erneut für Wirbel – wenn auch diesmal im positiven Sinn: Gemeinsam mit dem Ex-Politiker und Industriellen Josef Taus, dessen MTH, dem Berater Herbert Cordt und der Bawag kaufte Schlaff über seine Stiftung den bulgarischen Mobilfunkbetreiber MobilTel vom israelischen Geschäftsmann Lew Leviev.

Im Aufsichtsrat der MobilTel sitzt nun Telekom Austria-Chef Heinz Sundt. Die Gruppe hat 860 Millionen Euro für die MobilTel gezahlt. Analysten bewerten den Mobilfunker mit bis zu 1,5 Milliarden Euro. Derzeit sind Schlaff und Konsorten auf Käufersuche. Einer der Interessenten ist die Telekom Austria.

Neben seinen wirtschaftlichen Aktivitäten soll Schlaff, der über ein Domizil in Israel verfügt, an einer

Beruhigung der politischen Situation interessiert sein. Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Österreich soll er ebenso unterstützt haben wie ein Treffen eines hochrangigen Palästinenser-Mitglieds mit einem Sohn Sharons in Wien.

Josefine Steindling: Die jahrzehntelange KPÖ-Treuhänderin kam über die Ostgeschäfte der Novum mit Schlaff in Kontakt. Beide verfügten über sehr gute Kontakte zu DDR-Spitzen.

Heinz Sundt: Der Telekom Austria-Vorstand fungiert als Aufsichtsrat der MobilTel, an der Schlaff wesentlich beteiligt ist. Offen ist noch, ob die Telekom die MobilTel übernimmt.

Josef Taus: Der Ex-Politiker und Industrielle ist Schlaffs Partner bei der bulgarischen MobilTel.

Helmut Zilk: Der frühere Wiener Bürgermeister lernte Schlaff als Spender kennen. Rund 5000 Exponate hat der Geschäftsmann vor etwa zehn Jahren der Stadt Wien vermacht.

Helmut Elsner: Der Ex-Bawag-Chef hörte gerne auf Schlaffs Ratschläge und dürfte damit – siehe MobilTel –gut gefahren sein.

Leo Wallner: Der Casinos Austria-Chef konnte Schlaff als Investor gewinnen – nicht nur für Jericho, auch für Griechenland.

Herbert Cordt: Der frühere Länderbank-Vorstand gehört über sein Beratungsunternehmen dem MobilTel-Konsortium an.

Yassir Arafat: Der Palästinenser-Führer zählt zum internationalen Netzwerk des Geschäftsmanns. Wobei Schlaff seine Kontakte nicht nur für Geschäfte nutzt, sondern auch Palästinenser und Israelis an einen Tisch bringen will.

Ariel Sharon: Der israelische Premier ist bereits seit längerem fixer Bestandteil des Schlaff-Netzwerks. Schlaff setzte sich bereits vor der Wahl Sharons zum Premier für den Politiker ein. Dessen Sohn und Manager Omir soll Schlaff zu Geheimgesprächen mit hochrangigen Palästinensern nach Wien geholt haben.

Avigdor Lieberman: Der israelische Verkehrsminister und Freund Sharons soll ebenso zum Netzwerk des Wiener Geschäftsmanns gehören. Dieser brachte Lieberman mit Arafat-Stellvertreter Abu Mazen zusammen. Schlaff betont jedoch, dass es zum israelischen Verkehrsminister keine Kontakte gebe.

Dov Weisglas: Der Berater und Anwalt Sharons vertritt in Israel auch die Interessen von Martin Schlaff sowie von österreichischen Unternehmen, darunter auch der Casinos Austria. Seine Kanzlei gilt als eine der grössten und einflussreichsten des Landes. Er verfügt über sehr gute Kontakte zu prominenten israelischen Politikern

Martin Fellhuber
 
 

WIE GUT ERKENNEN SIE DIE AKTIENCHARTS?
A: Chartcontest AT
D: Chartcontest DE
US: Chartcontest US


Community

  • Starten Sie die Diskussion zu diesem Artikel
  • Bewerten auch Sie diesen Artikel:
      (0 Stimmen)






Gratis-PDF-Produkte

Hier haben Sie die Möglichkeit, sich für den Bezug unserer kostenlosen Newsletter & PDF-Produkte einzutragen.
"Börse Express free"
 

Ihre Email Adresse





comment Diesen Artikel kommentieren


 
>>  Anmeldung zur Roadshow mit bet-at-home, C.A.T. oil, Egger Holzwerke, Erste Group und 3Banken-KAG am 18.3. in Wien - x