Die Kluft könnte kaum größer sein: Während das Nordamerika-Geschäft des US-Autogiganten
General Motors weiter brummte, musste der Opel-Mutterkonzern in Europa 2012 erneut herbe Verluste einstecken. Diesseits des Atlantiks haben die Amerikaner noch einen weiten Weg vor sich, wenn sie bis Mitte Jahrzehnts wie geplant die schwarze Null erreichen wollen.
In Europa kam GM mit 1,8 Milliarden Dollar auf einen mehr als doppelt so hohen Verlust wie 2011, allein 700 Millionen fielen im Schlussquartal an. Das war nicht unerwartet, da der Konzern für 2012 eine Spanne von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar prognostiziert hatte.
GM hat bei Opel teuere Maßnahmen ergriffen, um sein Sorgenkind wieder in die Erfolgsspur zu zwingen. Mit einem Mix aus rigiden Einsparungen und Investitionen in neue Modelle soll es 2013 endlich besser werden. So werden Überkapazitäten abgebaut. Gleichzeitig gibt es mit dem Lifestyle-Kleinwagen Adam und dem Kompakt-SUV Mokka zwei Neuerscheinungen, die gut bei den Kunden ankommen.
Die Trendwende ist aber noch nicht geschafft. Die Arbeitnehmer sahen sich vor wenigen Wochen sogar bemüßigt, zu erklären, die wirtschaftliche Situation von Opel sei so schlecht wie nie und sprachen von existenzbedrohlichen Ausmaßen. Die Produktionsstandorte in Europa seien wegen der historisch niedrigen Marktanteile nur zur Hälfte ausgelastet.
Aufwind erhofft sich General Motors auch von der im vergangenen Jahr geschlossenen Allianz mit dem strauchelnden Autobauer PSA Peugeot Citroen. Durch einen gemeinsamen Einkauf und partnerschaftliche Entwicklungsprojekte sollen die Kosten deutlich reduziert werden.
2012 allerdings hat diese Allianz, die mit einer Beteiligung an PSA einhergeht, General Motors erst einmal mit 200 Millionen Dollar belastet, was mit der Abbildung des fairen Werts der Partnerschaft in der Bilanz zu tun hat. Die französische PSA, die ähnlich wie Opel sehr stark auf den schwachen europäischen Automarkt fokussiert ist, hat 2012 einen Rekordverlust von 5 Milliarden Euro erlitten.
Die Verluste diesseits des großen Teichs dürften erneut die Debatte über General Motors' Europa-Strategie anstoßen, sowohl was das Festhalten an Opel als auch die Beteiligung von 7 Prozent an PSA angeht.
Trotz der Hiobsbotschaften zeigte sich Konzernchef Dan Akerson zuversichtlich, dass GM seine Ziele in Europa erreichen wird. Er verwies auf Sparmaßnahmen, Kapazitätsabbau und die zahlreichen neuen Modelle, die in den kommenden Jahren eingeführt werden sollen.
Barclays-Analyst Brian
Johnson sah in der Aussage von GM einen Lichtblick, der Konzern erwarte dieses Jahr um 600 Millionen Dollar geringere Abschreibungen in Europa. "Das würde implizieren, dass der Verlust 2013 in Europa näher an 1,1 bis 1,2 Milliarden Dollar liegen wird als bei 1,4 Milliarden, so wie wir es erwartet haben", so Johnson.
Konzernweit steigerte GM seinen bereinigten Gewinn im vierten Quartal auf 1,2 Milliarden Dollar. Je Aktie waren es 0,48 Dollar, etwas weniger als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 39,3 Milliarden Dollar.
Was GM in der Spur gehalten hat, waren die glänzenden Verkäufe außerhalb Europas. Alle übrigen Regionen erzielten ordentliche Gewinne. Südamerika kehrte mit einem operativen Ergebnis von 100 Millionen Dollar in die Gewinnzone zurück. In Nordamerika fuhr der Konzern aus Detroit 1,4 Milliarden Dollar ein. Das war ein leichter Rückgang, der von Pensionskosten und Entwicklungsaufwand
für neue Modelle verursacht wurde.
Im laufenden Jahr geht General Motors von einem nur "moderaten" Gewinnwachstum aus, trotz der guten Geschäfte in den USA und China. Der Konzern begründete dies mit den hohen Entwicklungskosten für neue Modelle.
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