Bei Deutschlands größtem Stromversorger E.ON ist ein Streik zunächst abgewendet worden. Die Gewerkschaften Verdi und IG BCE teilten mit, dass der für Montag angekündigte Ausstand vorerst bis zum 10. Februar ausgesetzt werde. Kommenden Mittwoch entscheide eine gemeinsame Tarifkommission der Gewerkschaften Verdi und IG BCE in Hannover über eine mögliche Wiederaufnahme der Verhandlungen. "Ich sehe uns auf einem guten Weg und halte eine kurzfristige Einigung nunmehr für möglich", erklärte E.On-Vorstand Regine Stachelhaus.
Am Freitagabend hatten sich die Tarifparteien auf Einladung von E.On an einem geheimen Ort getroffen. Dabei hätten beide Seiten eine "ergebnisorientierte Position" erarbeitet, teilten die Gewerkschaften mit. Über die Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart.
Die Gewerkschaften fordern für rund 30.000 Beschäftigte bei E.On und den meisten Töchtern 6,5 Prozent mehr Geld. Der Konzern hatte zuletzt 1,7 Prozent geboten. Verdi und IG BCE verlangen auch eine Übernahme von Lehrlingen und eine Tarifbindung für ausgelagerte Sparten.
Die Verhandlungen waren Mitte Jänner abgebrochen worden, nachdem es auch in der dritten Verhandlungsrunde keine Annäherung gegeben hatte. In einer Urabstimmung hatten sich jeweils mehr als 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder unter den E.On-Beschäftigten für einen Streik ausgesprochen.
"Erfreulicherweise ist es gelungen, die Gespräche mit den Gewerkschaften fortzusetzen", erklärte Stachelhaus. Sie begrüße es ausdrücklich, dass ein Streik zumindest vorerst verhindert worden sei, erklärte die E.On-Managerin.
Der Stromriese versorgt in Deutschland etwa sechs Millionen Kunden. Bei einem Streik wären vermutlich E.On-Kraftwerke von den Beschäftigten lahmgelegt worden. Ein bundesweit abgestufter Aktionsplan stand bereits. Für E.On hätte das Kosten in Millionenhöhe und Imageverlust am scharf umkämpften Strommarkt gebracht.
Das Unternehmen, das bundesweit 23 Kraftwerke betreibt, leidet unter den Lasten der Energiewende. 2011 hatte E.On erstmals Milliardenverluste erwirtschaftet, für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung des Nettoüberschusses auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro (2012: 4,3 Milliarden), wie Konzernchef Johannes Teyssen kürzlich angekündigt hatte.
Die Gewerkschaftsseite verweist andererseits auf das Restrukturierungsprogramm E.On 2.0 mit dem Abbau von 6.000 Jobs bis 2015, das von den Arbeitnehmervertretern mit Sozialplänen mitgetragen wurde. Nun müsse wenigstens ein anständiger Tarifabschluss her, hieß es.
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