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01.02.2013 05:00
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Enforcement-Richtlinie: „Man soll nicht gleich kriminalisieren“

Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte, über die Enforcement-Richtlinie, die im Sommer in Kraft tritt und womit Unternehmen rechnen müssen.

© Draper für Deloitte
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Börse Express: Herr Marterbauer, Österreich setzt mit 1. Juli die „Enforcement-Richtlinie“ um. Ändert sich da auch etwas bei den Rechnungslegungsvorschriften an sich? Gerhard Marterbauer: Nein, diesbezüglich ändert sich nichts. Es geht um die Überwachung der Qualität in der Rechnungslegung. Ziel ist, dass die Qualität gesteigert wird. Und das soll durch eine unabhängige Prüfstelle sowie der FMA als oberste Kontrollbehörde sichergestellt werden. Die Prüfstelle wird gerade vorbereitet und muss vom Finanzministerium nach Anhörung des Justizministeriums genehmigt werden. In Deutschland ist sie weitgehend unabhängig. In Österreich wird die FMA einen stärkeren Einfluss haben als in Deutschland die BaFin.

Ist eine echte Unabhängigkeit realistisch? Sie wird zumindest sehr stark gefordert. Konkret, dass in der Prüfbehörde Experten sitzen, die zuvor entweder als CFO oder Wirtschaftsprüfer tätig waren. Sie besitzen einfach den entsprechenden Erfahrungsschatz, der auch notwendig ist, um streng zu prüfen. Die Gefahr ist groß, dass in Österreich nicht die Mittel zur Verfügung gestellt werden, um diese Qualität sicher zu stellen.

Wie sieht es mit der Gefahr einer politischen Einflussnahme aus? Ich bin optimistisch und glaube, dass alles professionell vorbereitet wird. Es geht hier schließlich um fachliche Thematik auf höchstem Niveau. Da wäre politische Einflussnahme ein großer Fehler. Die Optik wäre fatal, wenn jemand, der einer Partei zugehörig ist, ein staatsnahes Unternehmen prüft. In Deutschland liegt die Fehlerquote in der Bilanzierung bei 20 Prozent. Was sind das für Fehler? Die meisten betreffen Anhang und Lagebericht. Hier kommt es zu einer Verletzung von Informationspflichten. In dem Zusammenhang muss auch die Strafrechtsthematik angesprochen werden. Wenn die österreichische Prüfbehörde Fehler findet, dann würde sofort die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Man darf nicht gleich kriminalisieren! Das ist nicht zweckdienlich. In Deutschland wurden beispielsweise 150 Fehler entdeckt, nur sieben wurden dann zur Anzeige gebracht. Es muss in Österreich zu einer Reform des Bilanzstrafrechts kommen.

Was ist das Ziel der Richtlinie? Ziel ist es, dass Investoren an vereinheitlichte, qualitativ hochwertige Informationen gelangen. Das führt zu einer Vertrauenssteigerung und könnte zu einem höheren Interesse internationaler Investoren führen.

Schaut sich diese neue Prüfstelle nur die Bilanzierung an,? Nein, es geht auch um die Kommunikation jahresabschlussrelevanter Themen. Wenn ein Vorstand beispielsweise berichtet, dass ein Werk stillgelegt wird, dann müssen entsprechend Rückstellungen in der Bilanz gebildet werden. Und das wird dann überprüft.

Das heißt, dass Vorstände sich in Zukunft genau überlegen, was sie der Presse sagen... Natürlich. Wobei CFOs, die IFRS-geschult sind, auf solche Dinge bereits jetzt Rücksicht nehmen. Aber ein CEO oder ein Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft, die sich in der Materie nicht so auskennen müssen, sollten sich jetzt entsprechend vorbereiten, um keine falschen Signale in der Kapitalmarktkommunikation zu setzen.

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Unternehmen ordentlich darauf vorbereiten? Es gibt noch genug zu tun. Wir haben eine Umfrage gemacht, wonach die Hälfte der Unternehmen keine Vorkehrungen getroffen haben. Wir können hier mittels des Deloitte Enforcement Quick Checks bis zur umfassenden Projekt-Begleitung unterstützen. (sl)
 

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