Während die strafrechtliche Aufarbeitung der Malversationen in der Causa
Immofinanz ab morgen, Dienstag, am Landesgericht Wien mit dem Prozess gegen Ex-Immofinanz-Chef
Karl Petrikovics und vier weitere Angeklagte startet, sind die Zivilgerichte schon seit Jahren mit den Ungereimheiten rund um das ehemals größte Immobilienunternehmen Österreichs beschäftigt. Die Anleger-Prozesse gegen das Unternehmen sowie externe Finanzberater werden schon seit Ende 2008 geführt. Seit März 2011 geht die Immofinanz-Gruppe selbst gegen ihre ehemaligen Manager auf dem Zivilrechtsweg vor. Nachstehend ein Überblick über die Verfahren:
Im März 2011 brachte die Immofinanz eine Schadenersatzklage gegen die ehemalige Vorstände und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der ehemaligen Constantia Bank (CPB) - Karl Petrikovics,
Norbert Gertner und
Helmut Schwager - am Handelsgericht (HG) Wien ein. Die Immofinanz wirft ihnen vor, dass sie sich über Optionen auf Kosten von Tochtergesellschaften der Privatbank bereichert hätten und fordert deshalb eine Schadenswiedergutmachung in Höhe von 11,4 Mio. Euro. Dieses Verfahren ruht aufgrund des Strafprozesses, wo es auch um diese Vorwürfe geht.
Im Herbst 2011 brachte die Immofinanz eine weitere Schadenersatzklage gegen Petrikovics und den Lobbyisten
Peter Hochegger wegen der Provision bei der Privatisierung der Bundeswohnungen (Buwog) unter Ex-Finanzminister
Karl-Heinz Grasser in Höhe von 9,9 Mio. Euro plus Zinsen am Handelsgericht Wien ein. Zwar hatte Petrikovics eine Unterbrechung auch dieses Prozesses wegen des strafrechtlichen Verfahrens erwirkt, Anfang des Jahres ordnete das Oberlandesgericht (OLG) Wien nach Anfechtung der Entscheidung des Handelsgerichts aber die Fortführung des Verfahrens an. Richterin Mariana Boltz werde demnächst einen Prozessfahrplan anberaumen, hieß es beim Handelsgericht auf APA-Anfrage.
Im November 2012 klagte dann auch noch die Aviso Zeta (ehemalige Constantia Privatbank) ihre ehemaligen Vorstände Petrikovics, Gertner und
Karl Arco. Es geht dabei um Fälle, in denen die Manager Bankkunden persönlich über Immofinanz- bzw.
Immoeast-Papiere beraten hatten. Die Verfahren gegen Petrikovics und Gertner werden am Handelsgericht Wien mit einem Feststellungswert in Höhe von 150.000 Euro geführt, der Prozess gegen Arco werde aufgrund einer Gerichtsstandsvereinbarung am Arbeitsgericht Wien geführt, teilte die Bank mit.
Darüber hinaus sei die Bank per Ende 2012 noch mit 1.430 offenen Anlegerverfahren mit einem Streitwert von 308 Mio. Euro konfrontiert. Der Großteil davon betrifft Immofinanz bzw. Immoeast, wobei die meisten Kläger ihre Aktien über Finanzberater wie dem AWD erworben haben.