Spitzenvertreter der US-Notenbank haben zu Beginn der Hypotheken- und Finanzkrise deren Ausmaß lange Zeit erheblich unterschätzt. Selbst als die Signale mit dem Einfrieren der Kreditmärkte im Sommer 2007 bereits sehr deutlich waren, gingen sie immer noch davon aus, dass die Probleme lediglich moderat und von kurzer Dauer sein würden. Dies ging aus am Freitag veröffentlichten Transkripten von Fed-Treffen aus der Zeit hervor.
So sagte der heutige Finanzminister
Timothy Geithner demnach in seiner damaligen Funktion als Chef der Notenbank von New York während eines Krisentelefonats am 10. August 2007, dass es der Wall Street überwiegend immer noch gut gehe. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich die großen, breiter aufgestellten Institute "irgendwelchem Finanzierungsdruck" ausgesetzt sehen. Im Dezember des selben Jahres sagte Fed-Chef Ben Bernnake, er rechne nicht mit einer Insolvenz oder einer Beinahe-Insolvenz eines großen Finanzinstituts. Zu dem Zeitpunkt hatte die Notenbank bereits Notfall-Liquiditätsmaßnahmen eingeleitet und damit begonnen, die Zinsen zu senken. Ein dreiviertel Jahr später brach die Großbank Lehman Brothers zusammen.