Trotz Krise und Skepsis in der eigenen Bevölkerung will Lettland am 1. Jänner 2014 den Euro einführen. Der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis bekräftigte dieses Ziel am Mittwoch bei einem Besuch in Wien. "Wir erfüllen alle Kriterien (für den Euro-Beitritt, Anm.) überzeugend", sagte Dombrovskis bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler
Werner Faymann (S). "Es gibt keinen Grund, nicht vorwärtszugehen."
Die Zustimmung für den Euro sank laut einer Umfrage aus dem Mai des Vorjahres unter den Letten auf 15 Prozent, 57 Prozent wollten damals die eigene Währung, den Lats, nicht aufgeben. Dombrovskis führt dies auf die laufende Krisendebatten zurück, welche die Frage aufgeworfen hätten, ob ein Euro-Beitritt eine gute Idee sei. Für den Ministerpräsidenten ist er das: Die lettische Wirtschaft sei schon jetzt stark an den Euro gebunden. "Was immer mit dem Euro passiert, es passiert auch uns."
Zudem handle es sich nicht um eine Euro-Krise, sondern um eine "Finanz- und Wirtschaftskrise in bestimmten Euro-Ländern". Das Problem seien auch nicht die Euro-Stabilitätskriterien, sondern die Tatsache, dass einige Länder diese Kriterien nicht eingehalten haben.
Klar wandte sich Dombrovskis gegen einen Austritt des krisengeschüttelten Griechenland aus der Euro-Zone. Sein Finanzminister Andris Vilks hatte im Vorjahr gefordert, dass Athen die gemeinsame Währung verlässt. Er sei nie dafür gewesen, erklärte Dombrovskis, und auch Vilks hat demnach seinen Standpunkt überdacht.
Es war das erste Mal, dass Faymann und Dombrovskis bilateral zusammentrafen. Der Kanzler erklärte, er und sein Amtskollege setzten sich dafür ein, dass in Europa mehr für Beschäftigung und ein verlässliches Wirtschaftswachstum getan werde. Sie beide seien für stabile Verhältnisse in der EU, betonte Faymann.
Neben dem Treffen mit Faymann, bei dem es auch um Euro-Zone, Wirtschaftskrise, aber auch den EU-Finanzrahmen 2014-20 sowie den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Lettland und Österreich ging, nimmt Ministerpräsident Dombrovskis in Wien auch an einer Konferenz mittel- und osteuropäischer Notenbanker, darunter OeNB-Gouverneur
Ewald Nowotny, teil. Das Treffen beschäftigt sich mit der Wiederherstellung von Kapitalflüssen und von Vertrauen in die Finanzmärkte.