Die Welt steht nach den Worten eines ranghohen russischen Notenbankers am Rande eines neuen “Währungskriegs”. “Japan schwächt den Yen und andere Länder könnten denselben Weg einschlagen”, sagte Alexej Uljukajew, Erster Stellvertretender Vorsitzender der russischen Zentralbank, auf einer Konferenz in Moskau. Russland führt derzeit den Vorsitz in der G-20-Gruppe.
Die Warnung erfolgte einen Tag, nachdem der luxemburgische Ministerpräsident
Jean-Claude Juncker den “gefährlich hohen” Wechselkurs des Euro beklagte. Der stellvertretende Leiter der norwegischen Notenbank, Jan F. Qvigstad hatte ebenfalls am Dienstag erklärt, anhaltende Kursgewinne der Landeswährung Krone könnten nicht ohne Auswirkungen auf künftige Zinsentscheide bleiben.
Der Dienstag “wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem europäische Entscheidungsträger im Währungskrieg einen Schuss abgegeben haben”, kommentierte Chris Turner, Leiter Devisenstrategie bei ING Groep NV in London.
Das Scharmützel könnte beim G-20-Treffen im Februar in Moskau grössere Auseinandersetzungen zwischen den Finanzministern und Notenbankern der Teilnehmerländer auslösen. Vor drei Monaten hatte das Gremium seine 2009 abgegebene Absprache bekräftigt, “einen Abwertungswettlauf zu vermeiden.”
Schwellenländer haben sich wiederholt darüber beklagt, dass die lockere Geldpolitik der Zentralbanken des Westens dazu führt, dass ihre Währungen aufwerten. Dass sich jetzt auch reichere Länder zu den Auseinandersetzungen äussern, die der brasilianische Finanzminister Guido Mantega erstmals 2010 als Währungskrieg bezeichnete, ist neu.
Die Schweiz verhindert seit September 2011 eine Aufwertung ihrer Landeswährung gegenüber dem Euro; in Japan läutete der neugewählte Ministerpräsident Shinzo Abe die jüngste Runde der Auseinandersetzungen ein, indem er die Notenbank aufforderte, das Wachstum mit einem aggressiveren Kurs zu stimulieren. Seit Dezember hat der Yen gegenüber dem Dollar elf Prozent abgewertet; in dieser Woche erreichte er seinen tiefsten Stand seit zwei Jahren.
Juncker, der Chef der Eurogruppe, sagte am Dienstag, die sieben-prozentige Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen sechs Monaten stelle eine neue Bedrohung der europäischen Wirtschaft dar.
Der Euro gab daraufhin nach, doch dürfte die Wirkung von Junckers Äusserungen begrenzt sein, denn die Europäische Zentralbank ist nicht bereit, eine Schwächung der Gemeinschaftswährung mitzutragen.
Der Wechselkurs des Euro sei eine von mehreren Variablen, die man berücksichtige, er sei aber kein Ziel an sich, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Peter Praet der belgischen Zeitung La Libre Belgique in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Dessen ungeachtet vertreten Ökonomen der Citigroup Inc. in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie die Auffassung, dass eine weitere Aufwertung des Euro die Politik der EZB schon im zweiten Quartal “beeinflussen” wird. Die Citigroup-Experten rechnen dann mit einer Senkung des Leitzinses.