Nach Milliarden-Investitionen in umweltfreundliche Brennstoffzellen-Antriebe zögert Daimler nun mit dem Verkauf der Autos. "Es genügt nicht, ein funktionsfähiges Fahrzeug zu haben, wenn die Infrastruktur lückenhaft ist", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche den "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwochausgabe). Daimler werde daher die "Markteinführung mit künftigen Partnern abstimmen". Derzeit arbeite der Konzern daran, "Allianzen mit anderen Herstellern aufzubauen, um später gemeinsam die Tankstellenversorgung voranzutreiben". Brennstoffzellen-Antriebe tanken Wasserstoff und wandeln diesen im Auto in Strom um.
Damit stellt Zetsche seinen bisherigen Fahrplan bei Brennstoffzellen-Autos zur Disposition. Bisher hatte der Stuttgarter Autobauer geplant, von 2014 an solche Antriebe in Serie in Kompaktwagen zum Kauf anzubieten. 2009 hatte Daimler gemeinsam mit Toyota, Ford,
General Motors, Honda, Hyundai, Kia, Renault und Nissan angekündigt, bis 2015 serienreife Pkw mit Brennstoffzellen-Antrieben auf die Straße zu bringen. Diese Premiere hatten die Stuttgarter später ein Jahr vorverlegt.
Gemeinsam mit dem Industriegase-Hersteller Linde hatte Daimler zudem bereits in den Ausbau des Wasserstoff-Tankstellennetzes in Deutschland investiert. In den Bau von 20 neuen Wasserstoff-Tankstellen binnen drei Jahren wollten beide Unternehmen 2011 einen zweistelligen Millionenbetrag stecken, um das noch dünne Netz zwischen Alpen und der Nordsee zu verdichten. Zetsche hatte sich davon "einen wichtigen Impuls" für den Bau weiterer Tankstellen erwartet, der offensichtlich bisher jedoch ausblieb. Partner beim Aufbau des Tankstellen-Netzes waren neben Linde noch der Versorger EnBW sowie die Tankstellenbetreiber
OMV und Total.
Bei Daimler war zunächst kein Sprecher für weitere Details zu den derzeitigen Planungen mit den Brennstoffzellen-Antrieben erreichbar.