Die österreichische Rohöl-Aufsuchungs-AG (RAG) gibt ihre im bayerischen Chiemgau im Landkreis Rosenheim geplanten Erdgas-Bohrungen auf. In der Nähe des Naturschutzgebietes der Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte wollte die RAG unter dem Langbürgner See aus einer Tiefe von mehr als 1.500 Metern etwa 200 bis 300 Mio. Kubikmeter Gas fördern, was ungefähr der gesamten RAG-Gasproduktion eines Jahres entspricht - doch am Freitag verabschiedete sich die
EVN-Tochter laut "Süddeutscher Zeitung" (Samstag) davon. "Ja, wir beenden dieses Projekt", bestätigte RAG-Sprecherin Elisabeth Kolm am Sonntag der APA.
Bei einer Neubewertung habe der Vorstand entschieden, dieses Vorhaben nicht weiter zu verfolgen, sagte Kolm. Dabei hätten auch die Proteste der lokalen Bevölkerung mit eine Rolle gespielt, räumte sie ein: "Wir machen lieber ein Projekt in einem positiven Umfeld." Über die Monate hatte sich gegen die im Herbst 2011 bekanntgewordenen RAG-Pläne breiter Widerstand formiert, der im November in einer Großdemonstration von 1.200 Menschen in Bad Endorf beim Langbürgner See gipfelte. Auf dem Gemeindegebiet, etwa 700 Meter vom Naturschutzgebiet und 1,2 km vom See entfernt, war der Bohrort geplant.
Grund dafür, dass man das Vorhaben einer Probebohrung Mauerkirchen (südlich von Bad Endorf gelegen) ad acta legt, "ist eine unternehmenspolitische Entscheidung des Vorstands im Rahmen der regelmäßigen Neubewertung des RAG-Projektportfolios im Ausland", erklärte das Unternehmen dazu in einer Aussendung: "Der Projektfokus des Unternehmens hat sich so verschoben, dass andere Projekte den Vorzug erhalten." Die zeitliche und wirtschaftliche Neubewertung des Vorhabens habe zu der Entscheidung geführt.
Aus Bayern, wo die RAG seit 2002 eine Aufsuchungserlaubnis in einem 902 km2 großen Gebiet hält (30-Prozent-Partner ist die Bayerngas), wird sich das Wiener Unternehmen aber nicht verabschieden: Mit der Erdgas- und Erdöl-Aufsuchungs-Lizenz werde man "seiner Verantwortung vor Ort gerecht und weitere Projekte in Bayern durchführen", kündigte die RAG an.
Auch RAG-Pressesprecherin Kolm betonte, bei dem Rückzug gehe es nur um dieses eine Vorhaben: "Wir führen jährlich etwa 20 bis 25 Bohrungen durch und verfolgen noch andere Projekte." In den letzten Jahrzehnten habe die RAG im In- und auch im Ausland mehr als 1.000 Bohrungen erfolgreich durchgeführt.
2011 setzte die zu 50,025 Prozent dem nö. Versorger EVN gehörende RAG rund 381 Mio. Euro um und erzielte dabei 75 Mio. Euro Bilanzgewinn. Laut Geologischer Bundesanstalt förderte die RAG 2011 etwa 272 Mio. m3 Erdgas und 124.190 t Erdöl.