„Vorausgesetzt es gibt keine steuerlichen Überraschungen“ wird der Nettogewinn der
Telekom Austria für 2012 circa 100 Mio. Euro betragen, bestätigte Unternehmenschef
Hannes Ametsreiter im Gespräch mit der Tageszeitung „Österreich“. Das Weihnachtsgeschäft 2012 sei das beste seit 2007 gewesen, heißt es weiter. Diese Meldung tickerte am Wochenende über die Nachrichtenagentur. Und führte zu Wochenbeginn dazu, dass die Telekom Austria die rote Laterne des Tages übernahm. Diese bad news sind aber sicher noch nicht komplett eingepreist. Wohl auch, da die Meldung am Markt noch gar nicht so richtig angekommen ist. Dazu verhilft u.a. das Wort „Bestätigte“ - denn Ametsreiter sprach im Laufe des Jahres einmal von einer dreistelligen Millionensumme - 100 wurden meiner Erinnerung nach nie genannt.
Doch wie liegen diese 100 Millionen im Vergleich? Horrend etwa zum Bloomberg-Konsens, der bei 145 Mio. liegt. Noch.
Auch die Prognosen von
Bernd Maurer von der RCB liegen über der Ametsreiter-Aussage. Mit der Halten-Empfehlung fühlt sich Maurer zumindest derzeit noch wohl, fürchtet aber, dass die Zahl von 100 Millionen den Markt noch nicht ganz erreicht hat. Das geht auch anderen Analysten so. Ad hoc eine Revision auszuschicken, darauf wird in den meisten Fällen aber bis nach kommenden Dienstag gewartet. Denn der dann stattfindenden Capital Markets Day der TA soll Aufklärung bringen, warum 2012 nun schlechter lief als geglaubt. Und ob wir in 2013 da vielleicht auch noch irgendwelche Nachwirkungen fürchten müssen.
Innerhalb des
ATX-Segments zählt die Telekom-Aktie derzeit übrigens zu den unter Analysten unbeliebtesten Titeln überhaupt. Von den 21 die Aktie covernden Kapitalmarktauguren gibt es gerade mal drei Kauf-Empfehlungen - auch das durchschnittliche Kursziel liegt mit 5,56 Euro unter der aktuellen Notiz.
Besser geht es dafür den Banken. Auch wenn das vor allem psychologische Gründe hat. Wie bereits zu Wochenschluss vermutet („Schwach sind die Banken unterwegs. Das könnte sich aber schon bald ändern. Denn die weltweit wichtigsten Bankenaufseher schalten bei der Einführung neuer Liquiditätspuffer einen Gang zurück“, hieß es), legten die Bankaktien heute einen Gang zu. Grund: Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht beugten sich am Wochenende auch wirklich dem Druck der Banken: Der neue Liquiditätspuffer, mit dem Bankpleiten verhindert werden sollen, kommt jetzt langsamer als bisher geplant. Denn die Sorge war groß, dass die Banken den Kredithahn weiter zudrehen könnten. Die sogenannte Mindest-Liquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio LCR) muss demnach nun erst ab 2019 komplett erfüllt sein, und nicht bereits 2015. Das gibt den Banken mehr Zeit für den Aufbau der Reserve. Mit dieser sollen die Institute in einer 30 Tage anhaltenden Liquiditätskrise ohne staatliche Hilfe überleben können, und trotzdem Auszahlungen vornehmen können.
Erste Group und
Raiffeisen Bank International fanden sich derart in der Spitzengruppe der ATX-Titel wider.
In Summe kann der heutige Handel aber als ruhig bezeichnet werden. Auch, da morgen, nach Börseschluss, Alcoa die internationale Berichtssaison zum Schlussquartal einläutet. Der deutlich zyklischer aufgestellte
Amag-Konkurrent soll dabei den Sprung in die Gewinnzone geschafft haben - die Österreicher springen heute schon mal mit.
Die branchennahe Stahlindustrie profitierte davon hingegen nicht. Bei der
voestalpine drücken weitergehende Vorwürfe gegen das deutsche Schienenkartell auf die Stimmung. Dazu kommt vom anderen Seite des Planeten die Meldung, dass Indien seine eigene Stahlindustrie zu schützen versucht und überlegt, eine 20%ige Steuer auf Importe aus China einzuheben. Dieser Stahl würde dann wohl zumindest teilweise in andere Weltregionen verschifft werden, und dort auf das Preisniveau drücken. Das belastete auch Zulieferer wie
RHI und das neue (britische) Peergroup-Unternehmens Vesuvius, wo es heuer erstmals in 2013 einen Kursrückgang gibt.