2012 war rückblickend ein sensationelles Aktienjahr. Die
Wiener Börse glänzte, mit bislang mehr als 25 Prozent im Plus, als einer der stärksten Märkte überhaupt.
Haussemärkte entstehen bekanntlich in Pessimismus und Zweifel und wachsen in Misstrauen, lange bevor so richtig Optimismus und Euphorie Einkehr halten. Der Grund: Viele Investoren sind nach langer Zeit der negativen Nachrichten und Verunsicherung bei ihren Aktieninvestments stark unterinvestiert (Stichwort Versicherungen: als größte Kapitalsammelstellen, aktuell mit einer durchschnittlichen Aktienquote von gerade einmal 3 Prozent). Sobald sich das wirtschaftliche Umfeld auch nur ansatzweise stabilisiert, oder auch nur der Grad der Negativnews nachlässt, entsteht automatisch Investitionsbedarf. Dieser „Kaufdruck“ sollte jedenfalls anhalten und ausreichen, um die Aktienrally noch weit ins kommende Jahr hinein zu tragen.
Das wirtschaftliche Umfeld bleibt auch 2013 schwierig. Die Verschuldungsproblematik in den Industrieländern wird uns noch einige Zeit begleiten, wir befinden uns erst am Beginn eines langen, schmerzlichen Entschuldungsprozesses. Es bleibt noch viel zu tun: Stabile Staatshaushalte, mehr Wachstum, Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit, ein schockresistentes Bankensystem.
Aber das Tief der Krise sollte bereits durchschritten sein: Dauerhafter Rettungsschirm ESM und konditionierte Anleihen-Käufe durch EZB bilden einen Schutzwall gegen neue Verwerfungen an den Kapitalmärkten. Fortschritte in der Finanzierung Griechenlands, Reformen in allen Peripheriestaaten, Europäische Banken-Union, zaghafte Konjunktursignale, anhaltend expansive Geldpolitik der Zentralbanken (QE4 der Fed, Zinssenkungsdiskussion in der EZB), all das spricht dafür, dass es weiter bergauf geht.
Es riecht nach „Risk On“. Für ein Engagement in österreichische Aktien spricht meiner Meinung sehr viel: Fundamental sprechen die historisch attraktiven Bewertungen in Bezug auf alle gängigen Multiples (KGV, Buchwert etc.) ohnehin für sich. Außerdem übersteigen die Renditen für Aktien jene von Anleihen deutlich, Risikoprämien befinden sich auf historischen Höchstständen. Als Sondereffekt zu erwähnen ist, dass in stabilen Zeiten auch wieder verstärkt Risikokapital an kleinere Märkte, wie den Wiener Aktienmarkt, zurückkehrt und somit eine Outperformance gegenüber den großen etablierten Märkten, begünstigt. Natürlich darf man nicht vergessen, dass Wien als Randbörse mit geringer Marktkapitalisierung auch entsprechende Risiken birgt (hohe Volatilität!) Als Beimischung für Anleger mit entsprechender Risikobereitschaft können sich aber sehr interessante Chancen bieten.
Technisch sieht es für die Wiener Börse ebenfalls gut aus: gerade erst ist der Ausbruch über eine Widerstandszone (2250-2300 Punkte im
ATX) erfolgreich geglückt. Weitere Kursanstiege erscheinen aus technischer Sicht wahrscheinlich. Außerdem weist Wien gegenüber anderen Börsen, die sich bereits nahe ihrer historischen Höchststände befinden, noch einiges an Nachholpotenzial auf.
Aus heutiger Sicht erwarte ich, auch mangels wirklicher Alternativen zu dieser Assetklasse, für 2013 insgesamt ein weiteres freundliches Aktienjahr.