www.be24.at www.foonds.com www.boerse-express.com/abo
User online: 422
pxp
main
sub
20.12.2012 14:42
Drucken  | Mailen  | Facebook issuu BE Post

Alpine ringt ums Überleben

Neo-Unternehmenschef Schultheis muss Banken Anfang Jänner Sanierungspaket präsentierten - Rückzug aus Osteuropa geplant - Umsatz soll sich dadurch bis 2015 halbieren
 MEINUNG 0    TAGESTHEMEN     BLOGS 
 
Das Fortführungskonzept für den hochverschuldeten Bauriesen Alpine muss Anfang Jänner auf dem Tisch liegen. Der neue Unternehmenschef Josef Schultheis, der erst seit Anfang Dezember im Einsatz ist, eilt derzeit von einem Bankenverhandlungstermin zum anderen - über die Weihnachtsfeiertage muss das Sanierungspaket fertig geschnürt werden. Bis 2015 soll der Konzern laut Schultheis wieder normal laufen - allerdings nur noch mit rund 2 Mrd. Euro Umsatz, also halb so viel wie jetzt, und rund einem Drittel weniger Mitarbeitern. "Wir bauen das Unternehmen zurück."

Das Stillhalteabkommen mit den Banken von Mitte November läuft Ende Februar 2013 aus. Bis dahin werden keine Kredite fälliggestellt. Die Bankverblichkeiten belaufen sich Medienberichten zufolge auf fast 700 Mio. Euro - in Österreich sind nahezu alle relevanten Institute involviert. "Wir sind in dauernden und intensiven Verhandlungen", sagte Schultheis.

Um das finanziell Unternehmen zu sanieren, sind nun tiefe Einschnitte geplant: Der anstehende Personalabbau soll sich überwiegend auf Osteuropa konzentrieren."Die Kernmärkte sind davon nicht so betroffen", so Schultheis, der zuletzt die deutsche Baumarktkette Praktiker sanierte. Aus dem schwierigen Baugeschäft in CEE will sich die Alpine zurückziehen.

Der Baukonzern werde letztlich nur noch 9.000 bis 10.000 Arbeitnehmer beschäftigen. Derzeit umfasst der Personalstand etwa 15.300 Mitarbeiter, 7.500 davon in Österreich.

Der Gesamtumsatz soll sich bis 2015 laut Schultheis auf "1,8 bis 2,3 Mrd. Euro" fast halbieren. Zuletzt erzielte die Alpine einen Wert von 3,6 Mrd. Euro - mehr als 1,5 Mrd. Euro davon entfielen auf Österreich.

"Wir konzentrieren uns jetzt auf die profitablen Märkte - das sind in erster Linie Österreich und darüber hinaus der deutschsprachige Raum sowie eventuell noch Skandinavien und Tschechien", erklärte der neue Alpine-Chef, der eigenen Angaben zufolge etwa ein bis zwei Jahre an der Spitze des Unternehmens stehen wird, um die Sanierung durchzuziehen. "Das übrige Osteuropa wird man im Wesentlichen verlassen und das Gleiche gilt für die asiatischen Projekte", sagte er und meinte damit beispielsweise die Tunnelbauaufträge in Singapur. Laufende Projekte würden abgeschlossen oder, wenn möglich, an andere Bauunternehmen übergeben.

Die Zahl der rund 250 Alpine-Gesellschaften, die derzeit noch in 30 Ländern tätig sind, soll im Zuge der Sanierung ebenfalls in etwa halbiert werden. Darunter finden sich aber auch eine Reihe Projektgesellschaften, die per se nur für die Dauer eines Bauvorhabens etabliert wurden.

Um dringend benötigtes Geld hereinzubekommen, wird bereits an der Veräusserung von drei (profitablen) Gesellschaften - Alpine Energie, GPS Underground Engineering und Hazet Bau - gebastelt. "Wir haben mit den Banken vereinbart, uns von den Gesellschaften zu trennen und bereiten das derzeit vor", berichtete Schultheis. Der Verkaufsprozess starte Anfang Jänner.

Der Grossteil der anderen Gesellschaften werde verkleinert. "Landesgesellschaften, die wir führen, werden heruntergefahren und eventuell aufgelöst - Probleme kann man nicht verkaufen."

Die Absetzung des Alpine-Energie-Chefs, die der Aufsichtsrat erst am Dienstag dieser Woche kurzfristig beschloss, wollte der Manager vorerst nicht näher kommentieren. Wie berichtet wurde Helmut Schnitzhofer "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung aus allen Funktionen enthoben", und durch den ehemaligen VA-Tech-Vorstand Herbert Furch ersetzt.

Die Bankverbindlichkeiten der Alpine, zweitgrösster Baukonzern in Österreich, sollen sich auf rund 660 Mio. Euro belaufen. Hinzu addieren sich Verpflichtungen im Volumen von 290 Mio. Euro aus drei Unternehmensanleihen, welche die Alpine seit 2010 aufgelegt hat; die jüngste davon - im Volumen von 100 Mio. Euro - läuft seit heuer im Mai.

"Die Zahlen sind in der Grössenordnung richtig", bestätigte Schultheis ohne auf Details eingehen zu wollen. Zuletzt habe die Alpine zum Ende des dritten Quartals 2012 unter dem Strich Verluste in Höhe von 89 Mio. Euro ausgewiesen. "Das wird im vierten Quartal nicht weniger sein."

Der Baukonzern mit Sitz in Salzburg steht seit heuer zu 100 Prozent im Eigentum der spanischen FCC-Gruppe. Die Muttergesellschaft bekennt sich den Angaben zufolge zu einer Unterstützung der Alpine. Zuletzt hatte sie rund 40 Mio. Euro eingeschossen, um die Banken bei Laune zu halten. "Jedes Mal, wenn wir Geld vom Gesellschafter brauchten, haben wir es auch bekommen", bekräftigte Schultheis.

Der Geldhahn wird wohl wieder geöffnet werden müssen. Vor allem 2013 werde es Restrukturierungskosten als Einmalaufwendungen geben, "so dass gewisse Mehrbedarfe zu sehen sind", räumte Schultheis ein. 2014 sollte seiner Meinung nach das meiste abgearbeitet sein. "Es ist geplant, 2015 das erste Normaljahr zu haben", kündigte Schultheis an. Die Bilanz soll dann "von dem Vorhergehenden vollständig befreit" sein.

Davor steht aber auch noch eine Kapitalerhöhung im Raum: Das Sanierungskonzept werde letztlich "eine Mischung von allen Massnahmen sein - es wird nicht nur Liquidität, sondern auch Kapitalmassnahmen geben müssen", so der Konzernchef.

"Wir bauen nicht auf irgendwelche Hoffnungen, sondern nehmen einfach das, was schon heute 'schwarz' ist, und ziehen uns möglichst schnell aus dem roten Bereich zurück", sagte der deutsche Manager. Die Lage sei "nicht einfach" - das Unternehmen könne aber saniert werden, "wenn alle mitziehen", betonte Schultheis und verwies auf die Banken, Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden.
 
apa
Mehr zum Thema







 



comment Diesen Artikel kommentieren
Titel
Text


* Am Erscheinungstag des Artikels werden bei Artikelabruf die von der Wiener Börse übermittelten Kurse real-time angezeigt. Alle anderen Kursinformationsquellen auf www.boerse-express.com (Archiv-Artikel, Charts, Matrix, Kurslisten) weisen die übliche Verzögerung von rund 15 Minuten auf. Alle Kursangaben ohne Gewähr.
 
 
 
Gratis-PDF-Produkte
Hier haben Sie die Möglichkeit, sich für den Bezug unserer kostenlosen Newsletter & PDF-Produkte einzutragen.
"Börse Express free"
 

Ihre Email Adresse


Clippings
 
Meistgelesen letzte 2h
 
... in den letzten 5 Minuten
 
Postings
 
 
Matrix   
Matrix Österreich Matrix Deutschland Matrix USA
0.90%
(09:05)
1.57%
(09:05)
1.30%
(21:20)
0.37%
(21:30)
NIKKEI
0.00%
()
AGR AMAG AMS ANDR ATEC ATRS ATS
ATX AW2 BAH BDI BENE BEO BETB
BFC BIND BWIN BWO BWT C2 CAI
CAT CNTY COV CWI DOC EBS ECO
EVN FAA FACC FKA FLU GROA HEAD
HIS HTI IIA KTCG KTM LNZ MAI
MIP MMK OMV PAL PARS POS POST
PYT QINO RAP RBI RBT RHI ROS
SAC SBO SEM SNT SNU SPI STR
SWUT TAN TEAK TKA UIV UP2 UQA
VER VIG VLA VOE WIE WOL WWE
WXF ZAG
1.57%
(09:05)
1.28%
(09:05)
0.80%
(09:05)
1.30%
(21:20)
0.37%
(21:30)
 
Devisenrechner
Währungen
CHF 0.00% 1.2059
GBP -0.48% 0.7872
JPY -0.35% 137.2700
NOK -0.08% 8.4605
SEK -0.63% 9.2710
USD -1.09% 1.2598