In zwölf Tagen treten in Österreich neue Versicherungstarife in Kraft. Grund dafür ist eine Unisex-Richtlinie der EU. Neue Polizzen müssen für Frauen und Männer künftig gleich viel kosten. Die ersten Versicherungen haben in den vergangenen Tagen ihre neuen Tarife vorgelegt. Vor allem Ablebensversicherungen für Frauen werden demnach mit 21.12. teilweise erheblich teurer werden - um bis zu 78 Prozent, ergab eine am Sonntag veröffentlichte Analyse des Verbraucherportals durchblicker.at. durchblicker.at rät, sich über die neuen Angebote in der nächsten Zeit besonders gut zu informieren.
"Wir haben vor einigen Wochen bei Ablebensversicherungen für Frauen Preissteigerungen von bis zu 80 Prozent erwartet. Tatsächlich haben sich unsere Erwartungen mit den ersten nun vorliegenden Neutarifen erfüllt. Allerdings sind die Anpassungen nicht bei allen Versicherungen so drastisch ausgefallen", erklärt Reinhold Baudisch vom Vergleichsportal durchblicker.at. Bis dato haben vier Versicherungen ihre künftigen Tarife veröffentlicht, die anderen halten sich noch bedeckt und folgen voraussichtlich Ende der Woche.
Betroffen sind von den neuen Unisex-Bestimmungen neben den Ablebensversicherungen auch die Neuabschlüsse bei Rentenversicherungen, Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherungen sowie Berufsunfähigkeitsversicherungen. Bei bestehenden Verträgen sowie wie bei Sachversicherungen wie Kfz- und Haushaltsversicherungen ändert sich nichts.
Durch die gesetzliche Umstellung der Tarife kommen je nach Versicherungsprodukt für neu abgeschlossene Verträge auf die jeweils für die derzeit günstigeren Geschlechter Prämiensteigerungen zu. Bei der Ablebensversicherung waren die Prämienunterschiede zwischen Frauen und Männern in der Vergangenheit besonders groß. Vor allem für ältere Frauen wird es hier künftig deutlich teurer: Während Frauen mit 35 Jahren bei den neuen Tarifen Steigerungen zwischen 27 und 60 Prozent hinnehmen müssen, betragen die Tarifsteigerungen bei 55-jährigen Frauen je nach Anbieter zwischen 38 und 78 Prozent. Das bedeutet im Extremfall auf die Vertragslaufzeit Zusatzkosten von bis zu 4.300 Euro.
Etwas mehr zahlen Frauen in Zukunft auch für Unfallversicherungen. Männer müssen bei Rentenversicherungen, Kranken-, Pflege und Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Tarifsteigerungen rechnen. Tarifsenkungen für das jeweils andere Geschlecht, das bisher in der jeweiligen Versicherung mehr gezahlt hat, dürften dagegen eher moderat ausfallen.
In der Ablebensversicherung etwa werden Männer nach den bisher vorliegenden Daten maximal 23 Prozent weniger, bei einem Anbieter sogar 11 Prozent mehr zahlen. "In Summe gehen wir deshalb nach dem derzeitigen Stand davon aus, dass einige Versicherungen die Umstellung zu einer generellen Anhebung des Prämienniveaus nützen werden", so Reinhold Baudisch. Ein Wechsel aus einem laufenden Vertrag in einen billigeren Unisex-Tarif wird sich deshalb nur in wenigen Fällen auszahlen.
Trotz der teils enormen Preissteigerungen warnt das Verbraucherportal vor einem überhasteten Neuabschluss in den nächsten Tagen. Vor allem bei langfristigen Vorsorgeprodukten wie der Ablebensversicherung sollte man sich Zeit nehmen, um die Angebote am Markt zu vergleichen. Baudisch: "Schon bei den bisherigen Tarifen, die noch bis 21.12. gelten, gab es enorme Preisunterschiede. Auch ein Last-Minute-Angebot zu den alten Konditionen muss deshalb nicht attraktiv sein."
Da sich die Tarife stark abhängig von Laufzeit, Lebensalter und anderen Faktoren wie Raucher/Nichtraucher oder gefährlichen Sportarten unterscheiden, sollte jeder individuell die Angebote am Markt vergleichen und dann eine persönliche Entscheidung treffen. Einen kostenlosen Online-Vergleichsrechner für die Ablebensversicherung bietet durchblicker.at Konsumentinnen und Konsumenten unter
https://durchblicker.at/lebensvers... an.