Auch wenn die europäische Schuldenkrise jederzeit wieder an Schrecken zulegen kann, derzeit verschiebt sich der Fokus mehr und mehr gen USA. Und das nicht nur, weil die dortigen Konjunkturvorlaufindikatoren immer wieder ein Wechselbad der Gefühle hervorrufen.
So wie in der abgelaufenen Woche, als der ISM des Verarbeitenden Gewerbes überraschend unter die Schwelle zum Wachstum von 50 Punkten gefallen ist. Zwar nicht um viel, die 49,5 Punkte sind aber doch der niedrigste Wert seit Juli 2009. Wirklich verdenken kann man es der dortigen Wirtschaft ja nicht: Hauptgrund für die Stimmungsverschlechterung sind sicher die Unsicherheiten rund um das Budget des kommenden Jahres, unter dem Begriff Fiskalkliff zur Berühmtheit geworden. Klar, dass es da auf Unternehmensseite zu einer vorsichtigen Haltung etwa in Fragen von Investitionsentscheidungen kommt.
Vorsichtiger wurde zuletzt auch die EZB im Rahmen ihrer Zinssitzung: Der Leitzins der EZB wurde zwar bei 0,75% belassen. Doch bei der Präsentation der neuen Inflations- und Wachstumsprojektionen für die Eurozone wurde nach unten nachjustiert (wie mittlerweile auch die jeweiligen Nationalbanken von Österreich und Deutschland, die ihre Prognose ebenfalls nach unten revidieren mussten). Für 2013 wird nun in der Eurozone mit einer Inflationsrate zwischen 1,1% und 2,1% gerechnet, bisher waren es zwischen 1,3% und 2,5%.
Die Prognose für das BIP-Wachstum liegt nun zwischen minus 0,9 und plus 0,3%, statt bisher minus 0,4% bis plus 1,4%.
Der Hauptfokus der Makrobeobachter wird daher in den kommenden Tagen auf den eintrudelnden Daten zu den diversen Einkaufsmanagerindizes liegen. Wie auch auf handfesteren Daten wie der Industrieproduktion. Solche Zahlen verfolgen uns weltweit und kommen auch aus Japan sowie den USA.
Die USA drohen aber nicht nur von der Fiskalklippe zu stürzen - es nähert sich ein weiteres Problem mit Riesenschritten. Denn der aktuelle Schuldenstand beträgt 16,25 Billionen US-Dollar - bei 16,4 liegt aber die gesetzlich vereinbarte Schuldenobergrenze - siehe auch
http://www.usdebtclock.org/
Hier droht also (wieder einmal) so etwas wie die Zahlungsunfähigkeit. Denn voraussichtlich zwischen Weihnacht’ und Neuem Jahr dürften diese Schuldenobergrenze nach oben durchstossen werden. Sofern sich der Kongress nicht auf eine Anhebung einigt. Was nach den letzten Wortmeldungen der beiden politischen Lager nicht wie eine ‘gemachte Sache’ aussieht.
So gaben die Demokraten von Präsident
Barack Obama von sich, dass dies nur gemeinsam mit einer Lösung im Budgetstreit zu verhandeln sei.
Am Mittwoch warnte Obama die Republikaner dann davor, ihre Zustimmung zu einer höheren Schuldenobergrenze zu verweigern, um Druck bei den Budgetverhandlungen aufzubauen. Im Sommer 2011 war die Situation ähnlich. Damals hatte der Streit im Kongress über die Erhöhung der damaligen Schuldenobergrenze die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Damals hatten sich Obama und der Kongress auf automatische Abgabenkürzungen und Steuererhöhung verständigt, sollte man bei den Sparmassnahmen für das Budget nicht übereinkommen - und man ist eben nicht übereingekommen. Analysten schätzen, dass das US-BIP bei einer automatischen Ausgabenkürzung mit bis zu 5% in die Rezession fallen könnte. Heisst andererseits aber auch: Sobald sich bei den US-Budgetstreitigkeiten ein Kompromiss abzeichnet, wird es zu einem befreiten Aufatmen an den Märkten kommen.
Verhandelt wird aber nicht nur in den USA. In Europa gibt es etwa wieder einmal einen EU-Gipfel. Dieser könnte neben einer Perspektive zum Umbau der Währungsunion auch zur Nachfolge des scheidenden Eurogruppenchefs
Jean-Claude Juncker und zur Bankenaufsicht beraten.
Nachdem die Finanzminister am Mittwoch einen weiteren Versuch unternehmen werden, den Rechtsrahmen für die gemeinsame europäische Bankenaufsicht zu beschliessen, sei auch nicht auszuschliessen, dass sich der Gipfel am Donnerstag und Freitag noch damit befasst, zitiert die APA Verhandlungsteilnehmer.
Im Zentrum der Beratungen steht eigentlich ein Bericht des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy, der eine langfristige Perspektive zum Umbau der Wirtschafts- und Währungsunion aufzeigen soll, um künftige Krisen zu vermeiden. Van Rompuy hat den Bericht in Kooperation mit Juncker, EZB-Chef Mario Draghi und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso erstellt.
Der Plan, über den der Gipfel berät, sieht vor, dass die Eurozone über ein eigenes Budget verfügen soll und die Euro-Länder spezielle vertragliche Reformverpflichtungen mit den EU-Institutionen eingehen. Das Eurozonenbudget soll nach den Vorstellungen der vier Präsidenten aber erst nach 2014, also nach den nächsten Europawahlen, kommen.
Unternehmensergebnisse gibt es auch noch ein paar - aber keine kriegsentscheidenden:
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Wolford: Schätzungen gibt es keine - somit nur die Zahlen, die zu schlagen sind: Im Q2 des Vorjahres gab es einen Umsatz von 41,8 Mio. Euro, ein EBITDA von 5,98 und einen Überschuss von 2,75 Mio. Euro (0,56 je Aktie). Das Q1 war unterm Strich schlechter als im Jahr davor - es gab aber auch einiges an Einmaleffekten.
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Bene: Für die Q3-Zahlen gibt es eine Schätzung - von Hauk & Aufhäuser. Laut dieser werden wir ein ziemlich stabiles Ergebnis sehen, mit einer ganz leichten Eintrübung der Margensituation.
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EVN: Das
ATX-Mitglied präsentiert bereits sein Jahresergebnis. Der Umsatz wird mit plus 8% auf 2,95 Milliarden Euro prognostiziert. Folgen soll ein leichter EBITDA-Rückgang auf 470 Mio. Euro, der beim EBIT (217 Mio.) durch geringere Abschreibungen bereits wieder aufgefangen sein soll. Unterm Strich liegt die Erwartungshaltung dann wieder bei plus 8% auf 205 Mio. Euro.
Auf internationaler Ebene ist aus Peergroup-Sicht ThyssenKrupp das wohl interessanteste Ergebnis. Dass der skandalgeschüttelte
voestalpine-Konkurrent dabei nicht reüssieren wird, scheint klar.
die Chartwatch VI zu den Aussichten der ATX-Mitgledier im Dezember finden Sie unter
http://bit.ly/Re3r56Weiter zu den Terminen der Woche
Montag, 10. Dezember
Konjunktur Europa
Deutschland Handelsbilanz Okt.
Finnland Ind.Produktion Okt.
Frankreich BOF Geschäftsstimmung Nov.
Frankreich Ind.Produktion Okt.
Dänemark Leistungsbilanz
Dänemark VPI Nov.
Tschechien Arbeitslosenquote Nov.
Tschechien Ind.Produktion Okt.
Tschechien VPI Nov.
Österreich WIFO-BIP-Prognose Q3
Rumänien Handelsbilanz Okt.
Italien Ind.Produktion Okt.
Italien BIP Q3*
Griechenland Ind-Produktion Okt.
Griechenland VPI Nov.
Konjunktur Sonstige
China Handelsbilanz Nov
Japan BIP Q3*
Japan Leistungsbilanz Okt.
Japan Verbrauchervertrauen Nov.
Dienstag, 11. Dezember
Unternehmen Europa
ThyssenKrupp, Ashtead Group, Inditex
Unternehmen USA
Dollar General
Konjunktur Europa
Rumänien Ind.Produktion Okt.
Ungarn VPI Nov.
Deutschland ZEW-Index Dez.
Eurozone ZEW-Index Dez.
Deutschland VPI Nov.*
Frankreich VPI Nov.
Frankreich Leistungsbilanz Okt.
Konjunktur USA
Handelsbilanz Okt.
Konjunktur Sonstige
Japan Geldmengenentwicklung Nov.
Mittwoch, 12. Dezember
Unternehmen Österreich
Bene Q3
Unternehmen USA
Joy Global, Costco Wohlesale
Konjunktur Europa
Niederlande Handelsbilanz Okt.
Grossbritannien Arbeitslosenquote
Polen VPI Nov.
Euroraum Ind.Produktion Okt.
Konjunktur USA
MBA Hypothekenanträge per 7. Dez.
Zinsentscheid der Fed
Haushaltssaldo Nov.
Konjunktur Sonstige
Japan Maschinenbauaufträge Okt.
Donnerstag, 13. Dezember
Unternehmen Österreich
EVN Q4
Burgenland Holding Q4
Flughafen Wien Verkehrserg. Nov.
Unternehmen Europa
Aurubis
Unternehmen USA
Adobe Systems
Konjunktur Europa
Spanien VPI Nov.*
Italien VPI Nov.*
Griechenland Arbeitslosenquote Q3
Konjunktur USA
EH-Umsatz Nov.
Erzeugerpreisindex Nov.
Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe
Lagerbestände Okt.
Freitag, 14. Dezember
Unternehmen Österreich
Wolford Q2
Konjunktur Europa
EU-27 KfZ-Erstzulassungen Nov.
Finnland VPI Okt.
Ungarn Ind.Produktion Okt.*
Spanien Hauspreise Q3
Deutschland PMI Verarb. Gew. Dez.
Deutschland PMI Dienstl. Dez.
Eurozone PMI Verarb. Gew. Dez.
Eurozone PMI Dienstl. Dez.
Österreich VPI Nov.
Eurozone VPI Nov.
Konjunktur USA
VPI Nov.
Markit PMI Dez.
Industrieproduktion Nov.
Kapazitätsauslastung Nov.
Konjunktur Sonstige
China HSBC Flash PMI Verarb. Dez.
Japan Tankan-Bericht Q4
Japan Ind.Produktion Okt.*
Japan Kapazitätsauslastung Okt.*
*Folgeschätzung,
Quelle: Wr. Börse, BE, Bloomberg
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