Eine Investition in Anleihen des Baukonzerns
Porr sei ausschliesslich für "sehr risikobewusste" Investoren sinnvoll, schreiben die Credit Analysten der
Erste Group einer aktuellen Corporate Bond Publikation.
Im Vergleich zu der österreichischen Peergroup
(Strabag, Alpine und Swietelsky) verfüge über ein schwaches Kreditprofil. "In den letzten vier Jahren lag das Gearing deutlich über dem der vergleichbaren Unternehmen. Ende Juni stieg diese Ratio sogar auf 265,7%. Die Zinsdeckung des Unternehmens (gemessen an „EBITDA zu Zinsaufwand“) zeigt seit Jahren einen absinkenden Verlauf. Mit 0,2x im Geschäftsjahr 2011 war der Zinsdeckungsgrad von Porr ausgesprochen niedrig, während diese bei der Peergroup zwischen 2,6-7,2x lag. Auch wenn die strategische Neupositionierung bei Porr planmässig verlaufen sollte und mögliche Liquiditätsengpässe von CEO Karl-Heinz- Strauss ausgeschlossen werden, bleibt eine baldige Verbesserung des Kreditprofils des Unternehmens aus heutiger Sicht offen", so Analystin Elena Statelov.
Nach dem schwierigen Geschäftsjahr 2011, das durch hohe Wertberichtigungen und schwache Ergebnisse geprägt war, startete Porr 2011 eine strategisch umfassende Neupositionierung und rechnet bis zum Jahr 2015 mit beträchtlichen Gesamteinsparungen.
Um die Finanzkraft des Unternehmens zu stärken, emittierte Porr Ende November 2012 eine Unternehmensanleihe mit einer Laufzeit von vier Jahren. Das Gesamtvolumen betrug 50 Mio. Euro und die Verzinsung 6,25%. Unternehmensangaben zufolge wird aus heutiger Sicht der Emissionserlös insbesondere für die Rückführung von in 2013 fälligen Finanzverbindlichkeiten verwendet werden. Ende Juni 2012 betrugen die kurzfristigen Finanzschulden 80,3 Mio. Euro. Basierend auf Informationen im Anleihen-Prospekt muss Ende November 2013 ein weiterer Kredit über 200 Mio. Euro bedient werden, schreibt Statelov.
Mit dem Erwerb des Aktienpakets der B&C-Gruppe (ca. 38%) ist die Strauss Gruppe seit Oktober der neue Grossaktionär von Porr. Somit hält die Strauss Gruppe zusammen mit der
Ortner Gruppe (ein Tiroler Haustechnikunternehmer) derzeit 72,75% der Stimmrechte.
Trotz der geänderten Eigentümerverhältnisse wird die Weiterführung des konzernweiten Restrukturierungs- und Optimierungsprogramm beabsichtigt, das zukünftig zu einer Verbesserung des seit 2001 schwachen Kreditprofils führen soll. "Neben einer sehr schwachen Eigenkapitalquote, erhöhte sich die Nettoverschuldung per Ende Juni deutlich auf EUR 795,5 Mio. (Ende Dez 2011: EUR 636,1 Mio.). Trotz der verschlechterten Finanzlage betonte der CEO Karl-Heinz-Strauss in einem Interview mit Finance-TV (11. Okt) die solide Aufstellung von Porr. Gleichwohl kündigte er eine deutliche Reduktion der Verschuldung durch Immobilienverkäufe an. Weiterhin wurde auf den stark gestiegenen Auftragsbestand (1HJ 12: +36% j/j) verwiesen. Für das GJ 2012 erwartet Strauss ein positives EBIT, das bereits im 1HJ 2012 um 78% j/j stieg. Mit einer EBIT-Marge über 3% rechnet der CEO in der nahen Zukunft, da der Fokus im Rahmen der Porr-Neupositionierung verstärkt auf der Akquise von margenstarken Grossprojekten liegt. Eine aus Credit-Sicht prinzipiell zu begrüssende Kapitalerhöhung werde laut CEO Strauss für das Jahr 2013 beabsichtigt", heisst es im Report der Erste Group. (red)