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03.12.2012 14:50
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Wir notorischen Schwarzseher

Von Christoph Rohrmoser
 

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Seit kurzem scheint alles plötzlich bestens zu sein. Die dunklen Wolken über Europa lichten sich. Die x-te Griechenlandhilfe wurde genehmigt, das Geldverschleudern ist inzwischen zur Schreibtischübung geworden. Die Inflation ist auch kein akutes Thema, denn sie ist auf 2,2% gesunken und damit fast im Zielkorridor der EZB. EU-Kommissar Barnier hat verlauten lassen, dass die Euro-Länder in der Schuldenkrise das Schlimmste hinter sich hätten: „Ich bin überzeugt, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben.“ Die Weltwirtschaft befindet sich in der besten Verfassung seit eineinhalb Jahren, zumindest laut einer weltweiten Bloomberg-Umfrage unter Investoren. Der Optimismus ist groß, dass die USA die Fiscal Cliff umschiffen, und selbst China soll sich auf dem Weg der Besserung befinden.

Bei so viel Optimismus kann es ja nur bergauf gehen mit den Aktienbörsen........ Wären da nicht nach wie vor die notorischen Schwarzseher.

Griechenland bleibt nach wie vor in einer unhaltbaren Situation und wird unter dem Euro nie mehr ein wirtschaftliches Comeback schaffen. Frankreich ist und bleibt weiterhin der Sargnagel Europas und könnte das ganze Euro-Kartenhaus zum Einsturz bringen, denn wie das abwertungsverwöhnte Frankreich wieder konkurrenzfähig werden soll, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der französischen Regierung.

„Die Rezession setzt sich in den südeuropäischen Problemländern fort, die Schuldenstände steigen, insofern würde ich nicht sagen, dass das Schlimmste vorbei ist“, meinte im Gegensatz zu EU-Kommissar Barnier der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in der FAZ vom Samstag. „Die Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern der Währungsunion ist heute größer als vor zwei Jahren“, pflichtet Joachim Scheide, Leiter der Konjunkturabteilung am Kieler Institut für Weltwirtschaft, bei.

Inflation frisst Zinsen, das kann auf Dauer nicht funktionieren, und so sieht Andreas Utermann, globaler Anlagechef bei Allianz Global Investors eine massive Blasenbildung bei deutschen und US-Staatsanleihen. Das werde die größte aller Blasen sein, die Frage sei nicht ob, sondern wann sie platze.

Zum Ärger der unermüdlichen Euroretter hat nun auch noch Moody's dem ESM-Rettungsschirm das Top-Rating entzogen und ihn eine Stufe abgewertet, mit – und das schmerzt besonders - negativem Ausblick. Der Grund liegt vor allem in den Wirtschaftsproblemen Frankreichs, wie weiter oben erwähnt, womit sich der Kreis schließt. Somit ist wohl die Lage bei weitem nicht so gut, wie es bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen mag.
 

 




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