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18.11.2012 10:23
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Wall Street: Hinter der Klippe wittern die US-Börsen eine neue Rally

Börsenprofis verweisen darauf, dass Obama inzwischen bessere Karten habe, Druck auf die Republikaner auszuüben
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An der Wall Street gibt es derzeit nur ein bestimmendes Thema: das "fiscal cliff". Das dürfte sich auch in der neuen Woche kaum ändern. Anleger warten nervös auf neue Wasserstandsmeldungen, die ihnen helfen, die Chancen einer Einigung im Haushaltsstreit einzuschätzen. Die Ausgangssituation ist klar: Sollte Demokraten und Republikanern keine Lösung gelingen, drohen sie zum Jahreswechsel die gefürchtete "Fiskalklippe" hinunterzustürzen. Denn ohne Konsens käme es dann zu automatischen Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrösste Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten.

Seit der Wiederwahl von Präsident Barack Obama stehen die US-Börsen ganz im Bann dieses Problems, was stark auf die Kurse drückte. Das Marktbarometer S&P-500 notiert nur noch rund acht Prozent über seinem Niveau vom Jahresbeginn. Vor der Wahl waren es noch 17 Prozent gewesen.

Am Freitag herrschte dann Erleichterung. Bis dahin schien der Haushaltsstreit festgefahren. Nach einem Treffen mit Obama und dessen Demokraten im Weissen Haus erklärten sich die Republikaner unter Bedingungen auch zu Gesprächen über höhere Steuern bereit. Prompt zogen die Indizes in New York wieder an. Insgesamt blieb es aber noch bei merklichen Verlusten in der vergangenen Woche.

Marktexperten geben zu bedenken, dass die Investoren zuletzt wohl von überzogenen Ängsten getrieben worden seien. "Es scheint nicht sinnvoll, dass man am Tag nach der Wahl aufwacht und dann plötzlich merkt: Wir haben eine Fiskalklippe", sagt Hedgefondsmanager Krishna Kumar von Goose Hollow Alpha Advisors.

Börsenprofis verweisen darauf, dass Obama inzwischen bessere Karten habe, Druck auf die Republikaner auszuüben. Denn die wollten nachher nicht als die Schuldigen dastehen, die die Wirtschaft über die Klippe gestossen hätten. Zwar dürfte es in den kommenden Wochen im Takt der weiteren Verhandlungen noch deutliche Kursschwankungen geben. Aber es gelte nun, einen etwas längeren Atem zu haben und die Gunst der Stunde zu erkennen, mahnt etwa Marktstratege Brian Reynolds von Rosenblatt Securities.

"Je tiefer der Markt geht, desto stärker will ich Aktien haben", argumentiert er. Sobald die Klippe überwunden sei, könne es wie beim Bungee-Springen rasant nach oben gehen. Reynolds verweist auf die Börsenentwicklung bei den - ebenfalls durch einen wichtigen Fristablauf aufgeheizten - Haushaltsverhandlungen im vergangenen Jahr. Damals verlor der S&P-500 binnen weniger Wochen im Juli und August fast 19 Prozent. Als dann eine Zwischeneinigung erzielt und damit das Problem wegen des beginnenden Wahlkampfes bis Ende dieses Jahres aufgeschoben wurde, schoss der Index zwischen Oktober und März um 31 Prozent nach oben. Diese Rally, so deutet Reynolds an, will er auch diesmal nicht verpassen.

Ähnlich sieht es Portfoliomanager Brad Lipsig von UBS Financial Services in New York. "Die Debatte über die Lösung der Haushaltsprobleme könnte produktiver sein als allgemein wahrgenommen", sagt er. Grosse Schritte zur Bewältigung der Schwierigkeiten werden seiner Ansicht nach womöglich eine Initialzündung auslösen. "Das könnte dem Markt klarwerden, und nach einer Zeit des Händeringens könnte er seine Sorgen hinter sich lassen und neuen Optimismus spüren."
 
(APA/Reuters)
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