Kurz vor der Sondersitzung der Euro-Finanzminister zur Finanzierung Griechenlands hat der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, zur Solidarität mit dem südeuropäischen Land aufgerufen. Drohungen in österreichischer oder deutscher Sprachfärbung, die Griechenland ein baldiges Ausscheiden aus der Gemeinschaftswährung voraussagten, seien falsch, sagte Juncker vor Unternehmern in Bielefeld. Wenn ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone und eine Rückkehr zur Drachme prophezeit werde, investiere niemand in dem Land. Es sei vielmehr angezeigt, das "Mundwerk zu zügeln" und Solidarität mit Griechenland zu zeigen.
Juncker erinnerte daran, dass in der Vergangenheit auch zahlreiche andere Länder gegen die Stabilitäts- und Konvergenzkriterien der Eurozone verstossen hätten. "Jeder hat sein Mass an Schuld zu tragen", betonte er.
Griechenland müsse deutlich wettbewerbsfähiger werden, betonte Juncker. Vergangene Regierungen des Landes hätten sich am "griechischen Gemeinwohl versündigt", kritisierte er.
In der Vergangenheit hatte es mehrmals kritische Äusserungen zum Verbleib Griechenlands in der Eurozone gegeben. So forderte Vizekanzler und Aussenminister
Michael Spindelegger (V) im August, dass es für die Zukunft "Möglichkeiten, dass man jemanden aus der Währungsunion rausschmeisst" bedürfe. Dies solle für den Fall gelten, dass vertragliche Verpflichtungen nicht eingehalten würden, und setze eine Änderung des EU-Vertrag voraus.
Der Europäischen Zentralbank (EZB) stellte Juncker ein gutes Zeugnis aus - diese sei Garant für Preisstabilität. Sie habe mit ihrem Handeln in den vergangenen Wochen die Lage in der Eurozone beruhigt. Juncker sprach sich zudem für eine Bankenunion in der Eurozone aus. Die entsprechende Überwachungsbehörde solle dann aber ihre "Nase nicht in alle Dinge stecken" und sich auf systemrelevante Banken konzentrieren.