Börse Express: Bei einem Europa-Aktienfonds stellt sich natürlich die Frage, ob die Region nach dem positiven ESM-Urteil der deutschen Verfassungsrichter und den angekündigten Anleihekäufen der EZB für Anleger neue Reize hat - die Schuldenkrise an sich ist damit ja nicht gelöst.
Markus Ploner: Es stimmt, die Schuldenkrise ist damit nicht gelöst. Europa befindet sich mit all den Massnahmen aber auf dem richtigen Weg. Es wurden Rahmenbedingungen geschaffen, die den Markt beruhigen. Realwirtschaftlich ist es aber nicht so, dass sich Europa in einem rosigen Umfeld befinden würde - eigentlich gibt es eine Rezession, die sich nun sogar in Zentraleuropa zeigt.
Börse Express: Im Fondsnamen stecken die zwei Worte Qualität und Wachstum, die oft eher als Gegenspieler gesehen werden, sprich als Value bzw. Growth-Fonds ihren Niederschlag finden. Worauf legen Sie mehr wert, oder müssen Portfoliomitglieder beide Kriterien aufweisen?
Markus Ploner: Das wichtigste Kriterium für die Selektion ist, dass ein Unternehmen die Fähigkeit aufweist, konstantes Gewinnwachstum zu erzielen. Voraussetzung dafür ist, dass es eine starke Marktposition besitzt, dazu eine starke Marke, hohe Markteintrittsbarrieren bestehen bzw. lange Kundenverträge vorhanden sind.
Börse Express: Was kann ich mir unter den angestrebten Gewinnwachstumsraten vorstellen?
Markus Ploner: 10 bis 20 Prozent - wir haben es also ein bisserl mit so etwas wie einem Zwitter aus Value und Growth-Unternehmen zu tun.
Börse Express: Wie erfolgt an sich die Titelselektion? Theoretisch kann ich mir selbst eine Datenbank entsprechend dem Kriterium Gewinnwachstum programmieren ...
Markus Ploner: Die Unternehmen werden schon im Detail analysiert. An sich gibt es 50 bis 60 Unternehmen, die in der Lage sind, konstantes Gewinnwachstum zu erzielen. Da kann man dann auch sehr nah’ am Unternehmen sein und entscheiden, wer ins Portfolio aufgenommen wird. Das ist dann nicht zuletzt eine Frage der aktuellen Bewertung. L’Oreal etwa ist so ein Beispiel, welches das Kriterium Gewinnwachstum an sich erfüllt, aber nach einiger Zeit der Abstinenz erst jetzt wieder wegen einer, wie wir finden, günstigen Bewertung ins Portfolio aufgenommen wurde.
Börse Express: Sie sagen 50 bis 60 Unternehmen - wieviele schaffen es da dann ins Depot?
Markus Ploner: Derzeit sind es 32 - den Rest halten wir derzeit für zu teuer.
Börse Express: Frankreich stellt laut aktuellem Factsheet den grössten Anteil im Depot. Warum das? Ist das eine Folge verzerrter Wahrnehmung des Risikos des Landes?
Markus Ploner: Das Woher ein Unternehmen kommt, spielt bei der Aktienauswahl keine Rolle. Dass Frankreich gerade in Führung liegt, ist somit eigentlich Zufall und rein das Ergebnis des Bottom-up-Ansatzes. Theoretisch könnten wir auch zu 100 Prozent in Frankreich investiert sein. Es gibt dort aber auch eine Menge guter Unternehmen, die unseren Kriterien entsprechen - ich erwähne da beispielsweise Sodexho, L’Oreal,
Danone und Essilor.
Börse Express: Wie sieht es mit Österreichern im Depot aus?
Markus Ploner: Gibt es nicht, ist aber nicht ausgeschlossen.
Wolford etwa war bereits einmal im Portfolio, das ist aber schon rund 15 Jahre her.
Börse Express: Was mich dann zur Frage führt, ob es keine Mindestkapitalisierung für ein Fondsmitglied gibt?
Markus Ploner: An sich nicht. In der Regel sind es aber zumindest MidCaps. Aktuell liegt die durchschnittliche Marktkapitalisierung bei 32 Mrd. Euro.
Börse Express: Sie sagten vorhin, bei Portfoliomitgliedern sollte es eine möglichst hohe Markteintrittsbarriere geben. Nun sind derzeit vor allem Konsumgüteraktien topgewichtet. Ist dort aber nicht eigentlich vor allem die Höhe des Marketingbudgets das Markteintrittskriterium?
Markus Ploner: Starke Marken schaffe ich auch durch hohe Marketingbudgets.
Börse Express: Gibt es in dem Fonds auch so etwas wie Wetten, bzw. gibt es Branchen, die Ihnen nicht ins Depot kommen?
Markus Ploner: Wir halten uns streng an die Titel-Selektionskriterien, Wetten würden diesen Ansatz verwässern. Nicht ins Depot kommen mir Finanztitel, da sich dort das Risiko und das Gewinnwachstum nicht wirklich prognostizieren lassen. Internet-Firmen hatten wir aber auch noch nie im Portfolio. Das traf uns zwar etwa 1999, als wir enorm hinter dem Markt lagen, in Summe gibt uns die klar über der Benchmark liegende Performance aber recht - das seit Fondsstart in 1995.
Börse Express: Benchmark ist ...
Markus Ploner: ...der MSCI Europe.
Börse Express: Wie geht der Fonds mit FX-Risken um, gibt es Wertpapierleihe und werden derivative Instrumente eingesetzt?
Markus Ploner: Zu den beiden letzten Punkten gibt es je ein klares Nein. FX-Risken werden nicht gemanagt. Das überlassen wir sozusagen den Unternehmen selbst - es handelt sich um einen reinen Stockpicking-Fonds.
Börse Express: Ohne derivative Instrumente - was dann, wenn Sie an sich überzeugt sind, dass eine schwierige Marktphase bevorsteht - einfach durchtauchen?
Markus Ploner: Gerade wenn es allgemein schlechter läuft, ist der Fonds traditionell besser als der Markt. Dann sind Unternehmen, die ihre Gewinne trotzdem steigern können, besonders gefragt.
Börse Express: Wie ist Ihr aktueller Ausblick auf die Märkte?
Markus Ploner: Ich bin eher vorsichtig, was die nächsten Monate betrifft. Das gilt auch für die Rentenseite, da nicht auszuschliessen ist, dass wir uns einer steigenden Zinslandschaft nähern. Bei Aktien erwarte ich mir zwar keinen Einbruch, das wirtschaftliche Umfeld ist aber sicher schwierig und wird es auch bleiben. Und den aktuell herrschenden politischen Einfluss auf die Märkte, der ein sehr volatiler ist, dürfen wir auch nicht vergessen. Wir haben sicher schon einiges an positiven News eingepreist, viel Potenzial nach oben sehe ich da nicht mehr.
Börse Express: Würden Sie Anlegern dann raten, jetzt in den Fonds einzusteigen oder sollte noch gewartet werden?
Markus Ploner: Die Frage des Timings ist immer schwierig. Wer aber in Aktien investiert sein will, für den ist der Fonds gerade jetzt sicher attraktiv, da ich ja ein schwieriges Umfeld erwarte, wo der Fonds ja traditionell gut performt.
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